Deutscher trägt olympisches Feuer
Marathon-Mann in der Wüste Gobi

Werner Ebel soll das olympische Feuer ein paar hundert Meter gen Peking tragen. So recht freuen kann sich der Berliner Ingenieur aber noch nicht. Inzwischen ist die Sache mit dem Fackellauf zu einer Art medialem Selbstläufer geworden.

PEKING. Der ganze Rummel ist Werner Ebel schon zu viel. "Wenn ick det jewusst hätte", sagt der deutsche Bahningenieur kopfschüttelnd, "hätt ick den janzen Zinnober jelassen." Es ist nicht zu überhören: Der Mann ist ein waschechter Berliner. Seit Anfang 2006 arbeitet der Ingenieur in China. Und dort ist er nun plötzlich zu olympischem Ruhm gekommen. Der 51jährige wurde als einer von nur acht Ausländern zum Fackelläufer für die Spiele 2008 ausgewählt.

"Ich habe doch gedacht, dass wird eh nichts", sagt der Ostdeutsche. Die Bewerbung habe er nur abgegeben, weil ihn ein Kollege dazu gedrängt habe. "Werner, du läufst doch immer so viel", sagte der. "Und ich hab mich belabern lassen", seufzt Lauf- und Skifreund Ebel. Jetzt gilt es: "Da muss ick durch." Denn der Ostdeutsche ist so etwas, was man eine ehrliche Haut nennt: offen, bescheiden und vor allem pflichtbewusst. "Wer A sagt, muss auch B sagen", lautet seine Devise. Also Laufschuhe an und los - rennen für Olympia!

Inzwischen ist die Sache mit dem Fackellauf aber zu einer Art medialem Selbstläufer geworden. "Die chinesischen Medien haben mir regelrecht die Bude eingerannt," sagt der hagere Mann. Auch die ausländische Presse habe oft angeklingelt. "Das war in den vergangenen Tagen schon belastend", sagt der China-Star leicht genervt. Am Wochenende hat er das Handy einfach ausgeschaltet. "Ick hab? ja auch noch?n Privatleben."

Und einen Job. Der Mitarbeiter der Deutschen-Bahn-Tochter DB-international berät im tristen Zhengzhou die Chinesen beim Bau einer Hochgeschwindigkeitsstrecke: "Wir sind für die Qualitätskontrolle verantwortlich." Abends dreht Ebel dann seine Runden auf dem Sportplatz einer nahen Schule. Die schlechte Luft in China bremst jedoch seinen sportlichen Drang: "In Zhengzhou sieht man oft keine Sonne und selten einen Stern."

Im Alltag mit der fremden Kultur helfe ihm seine Erfahrung als Mitarbeiter der DDR-Reichsbahn. Wenn er mit dem staatlichen Planungs- und Vermessungsbüro in China verhandeln müsse "läuft das ähnlich wie bei uns früher im Osten." Da hat Ebel noch das richtige Fingerspitzengefühl. Im Umgang mit den Medien muss er das noch lernen. Chinas Staatszeitung "China Daily" verbreitet ein Zitat des Deutschen, dass er erst nicht nach China gewollt habe, nun aber gar nicht mehr weg wolle. "Das habe ich nie gesagt", protestiert er.

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