Deutscher Trainer verbreitet Optimismus
Iraks Nationalelf träumt von Olympia und der WM

Kein Fleckchen Rasen gibt es mehr in Bagdad, in der instabilen Situation nach dem Krieg ist in der irakischen Hauptstadt an Fußball nicht zu denken. Doch Bernd Stange und die Nationalelf des Irak träumen von Olympia und von der Weltmeisterschaft.

HB/dpa MÜNCHEN/BAD WÖRISHOFEN. "Natürlich ist das jetzt fast unmöglich geworden, doch wir glauben weiterhin daran", sagte Stange. Am Mittwochabend sind er und sein Team in Deutschland angekommen. Fast drei Wochen wollen sie in Bad Wörishofen trainieren und Testspiele absolvieren. "Es ist eine großartige Gelegenheit, mit der Mannschaft unter normalen Bedingungen arbeiten zu können", sagte Stange am Donnerstag.

Die Reisekosten von Team und Delegation übernimmt der Deutsche Fußball-Bund (DFB). "Deutschland hat uns als erstes Land die Hand gereicht. Wir sind froh, hier zu sein", meinte Stange. Die meisten Spieler seiner Mannschaft seien zum ersten Mal in Europa, berichtete der ehemalige DDR-Auswahltrainer. Am Sonntag waren sie von Bagdad aus in einer 14-stündigen Busfahrt in die jordanische Hauptstadt Amman und einige Tage später per Flugzeug nach München gereist.

"Wir kommen aus der Hölle von Bagdad"

Die Spieler wurden inzwischen neu ausgerüstet und bekommen im schwäbischen Kneipp-Kurort medizinische Betreuung. "Ja, es hat Strafen und Druck gegeben", erläuterte Mannschaftskapitän Hasam Fawzi Nagi die Situation im irakischen Fußball-Verband vor dem Krieg, als Saddam Husseins Sohn Udai Präsident war. "Aber alle Geschichten stimmen nicht", sagte er und ließ damit Fragen unbeantwortet, ob es tatsächlich bei schlechten Leistungen Folterungen gegeben habe. In den Krieg selbst waren Iraks Nationalspieler nicht involviert. "Wir haben versucht, unsere Familien zu schützen", erzählte Nagi. Drastisch schilderte Stange die aktuelle Lage im Irak: "Wir kommen aus der Hölle von Bagdad." Nach dem Krieg habe sich die Situation in keiner Weise entspannt, "alles hat sich noch einmal zugespitzt". In Bagdad gebe es keine Trainingsmöglichkeit mehr. Das Nationalstadion, in dem vor dem Krieg rund 50 000 Menschen die Punktspiele verfolgt hatten, werde inzwischen als Stellplatz des US-Militärs genutzt. Auch die Ausrüstung der Nationalelf sei in den Kriegswirren verschwunden. "Wir fangen bei null an", erklärte Verbands-Vize Ahmed Radhi Meyesh, der Stange und das Team begleitet. 200 Dollar bekommen die Spieler monatlich, Stange arbeitet nach eigenen Angaben derzeit gratis. Bernd Stanges Tätigkeit war heftig umstritten Die Stimmung im Team war während des Fluges, anschließend auf dem Münchner Flughafen und später auf dem Trainingsplatz locker und entspannt. "Wir wollen alles für einige Wochen hinter uns lassen und Fußball spielen", erklärte Stange. Die Spieler freuten sich sichtlich über den Medienrummel - mehrere Kamerateams und zahlreiche Fotografen verfolgten die Ankunft der Iraker - und über die Begrüßung durch die Stadt Bad Wörishofen und den Bayerischen Fußball-Verband. Im November übernahm Stange das Training der irakischen Auswahl. Dieses Engagement war heftig umstritten. Stange betonte, er habe sich nie für politische Zwecke einspannen lassen. Auch mit Hussein-Sohn Udai habe er nie Kontakt gehabt. Auf dem langen Weg zurück in die Normalität nach dem Krieg hofft Stange auf den Friedensstifter Sport: "Fußball ist der beste Weg zur Völkerverständigung." Und: "Uns ist sehr deutlich bewusst, dass es wichtigere Dinge als Fußball gibt, zum Beispiel die humanitäre Hilfe. Aber unser Sport ist ein Teil des Wiederaufbaus und vermittelt Zuversicht." Nach "Diktatur, Krieg und Embargo ist es doch schön, dass die Spieler wieder lachen können". Auch wenn er die Chancen seines Teams auf die Qualifikation für Olympia 2004 oder die WM 2006 als sehr gering einstuft, vermittelt er seinen Spielern Optimismus: "Vielleicht gibt es ja 2006 hier in Deutschland ein Wiedersehen."

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