Deutscher Verband fordert EU-Sicherheitsmanagement an den Küsten
Reeder lehnen schärfere Gesetze nach „Prestige“-Unfall ab

Schärfere Gesetze, um die europäischen Gewässer nach dem verheerenden Unglück des Öltankers "Prestige" besser zu schützen, lehnt der Verband Deutscher Reeder (VDR) ab.

HAMBURG. Die schnelle und konsequente Umsetzung der Sicherheitsvorschriften, die in der Europäischen Union für die Seeschifffahrt bereits bestehen, reicht nach Ansicht des VDR-Vorsitzenden Frank Leonhardt völlig aus. Diese Ansicht vertrat der Hamburger Reeder gestern auf der Mitgliederversammlung seines Verbandes.

Eine dieser Vorschriften, so VDR-Hauptgeschäftsführer Bernd Kröger, sei die Schaffung eines professionellen Sicherheitsmanagements an Europas Küsten. "Hafenstaatskontrollen, Schlepperkapazitäten, Notfallausrüstungen und leistungsfähige Havariezentralen einschließlich eines Nothafenkonzeptes sollten überall in Europa an gefährdeten Küstenstreifen installiert sein."

Dies schließe klare Entscheidungswege und einen funktionierenden Datenverbund zwischen den Küstenländern ein. Zwar lägen allen Staaten die Daten über Schiffe, Ladung und Routen vor, doch fehle die Vernetzung.

Kröger erinnerte daran, dass im Falle der "Prestige" die Bergungsmannschaften die spanischen Behörden mehrfach aufgefordert hatten, das Schleppen des maroden Tankers in einen Nothafen oder eine geschützte Bucht zu gestatten. Stattdessen wurden sie angewiesen, das Schiff auf hohe See zu ziehen, wo es im Seegang zerbrach und sank.

Nach den geltenden Bestimmungen, so Kröger, müsste jedes vierte Schiff in EU-Häfen auf seine Sicherheit kontrolliert werden. Tatsächlich reiche die Bandbreite der Kontrollen von nur 5 % bis über 25 %. Am unteren Ende der Skala steht Frankreich. Dort muss sich nur jedes zwanzigste Schiff einer Kontrolle unterziehen.

Kröger geht davon aus, dass die baltischen Staaten die EU-Hafenstaatskontrollen im Rahmen ihres EU-Beitritts übernehmen werden. Eine besondere Rolle bei der Schiffssicherheit misst Kröger Klassifizierungsgesellschaften wie dem deutschen Germanischen Lloyd zu. Nur Experten der Klassifizierungsgesellschaften seien bei Kontrollen in der Lage, Mängel der Schiffe aufzudecken.

Dass hier Nachholbedarf besteht, zeigt das Beispiel der "Prestige". Sie war zuletzt im Mai 2001 in China von der US-Gesellschaft American Bureau of Shipping (ABS) geprüft und nach dem Einbau einiger Stahlplatten in die Bordwand freigegeben worden. Genau an der Schnittstelle zwischen alten und neuen Platten brach der Tanker aber auseinander. Kröger: "Wenn alle richtig gearbeitet hätten, dürfte dies nicht passieren."

Deshalb plädiert der VDR für eine Haftung der Klassifizierungsgesellschaften für ihre Arbeit gegenüber Dritten. Dies lehnen die Klassifizierungsgesellschaften bislang aber ab und berufen sich dabei auf zwei Urteile aus den USA und Großbritannien.

Die Europäische Kommission hatte die EU-Länder Mitte dieses Jahres aufgefordert, bis Februar 2004 ein Nothafenkonzept zu erarbeiten. Nach Einschätzung von Kröger, könne dies aber deutlich schneller bewerkstelligt werden. Mit der European Maritime Safety Agency plane die EU jetzt die Schaffung eines handlungsfähigen Organs für die Schiffssicherheit.

Mit Skepsis beobachten die deutschen Reeder die Verhandlungen in London, die die Sicherheit in der Seeschifffahrt gegen Terroranschläge zu verbessern sollen. Sie beinhalten nicht nur die Installation eines automatischen Schiffsidentifikationssystems. Auch ein Sicherheitsoffizier soll auf Schiffen und Reedereien Zertifizierungen und Schulungen vornehmen. Der VDR befürchtet einen Kostenschub.

Quelle: Handelsblatt

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