Deutsches Aktieninstitut: Gefährlich sind Kursschwankungen durch emotionale Gründe
Aktien von Fußballklubs haben einige Torchancen

Kaum eine Bindung ist so stark wie die eines Fußballfans an seinen Verein – in guten wie in schlechten Zeiten. Aber hält die Liebe auch dann noch, wenn Geld ins Spiel kommt: beim Börsengang? Wer einige Regeln beachtet, kann so manchen Elfmeter verwandeln, glauben Analysten.

HB DÜSSELDORF. Bulle und Ball - passt das zusammen? Analyst Burkhard Pahnke vom Deutschen Aktieninstitut (DAI) sieht durchaus Torchancen für Fußballklubs an der Börse - und auch für "die Aktienakzeptanz in der Südkurve". Immerhin haben es renommierte europäische Vereine bereits vorgemacht. Die Pioniere waren 1983 die Hotspurs aus dem englischen Tottenham; Giganten wie Lazio Rom und Manchester United folgten und konnten ihre Kurse seit Börsengang deutlich steigern.

In Deutschland hat dagegen bisher noch kein Verein Aktien ausgegeben. Dabei stehen die Chancen für Fußballpapiere nicht schlecht, glaubt man einer Umfrage des Magazins Telebörse: 7,6 Mill. Deutsche würden nach eigenen Angaben Aktien von Fußballvereinen kaufen. An der Spitze liegt der FC Bayern München, an dessen Anteilen 5,3 Mill. potenzieller Kunden interessiert wären; danach folgen Borussia Dortmund mit 2,9 Mill. und Leverkusen mit 1,2 Mill. Interessenten.

Mehr als 1 Mrd. DM Einnahmen pro Saison

Auch die Einnahmen der Bundesligavereine versprechen ein lukratives Geschäft. In der Saison 1998/99 lag der Umsatz bei mehr als einer Milliarde DM - davon stammte ein Viertel aus dem Verkauf von Fan-Artikeln, ein Drittel aus Fernsehrechten und lediglich ein Fünftel aus dem Erlös der Eintrittskarten. Doch während die Einnahmen zweistellig wachsen, explodieren auch die Ausgaben der Klubs. Vor allem die Spielergehälter schlagen hier zu Buche.

Was am Ende in der Bilanz steht, hängt von der Taktik des Vereins ab. Der FC Bayern München beispielsweise spielt auf Gewinn. Rund zehn Prozent des Umsatzes blieben in der vorvergangenen Saison nach Abzug aller Ausgaben übrig - immerhin eine Summe von 24 Mill. DM. Der BVB dagegen behielt von den eingenommenen 161 Mill. nur ein Hunderstel als Gewinn.

Auf dem Börsenparkett lauert indes auch so manche Abseitsfalle auf die Ballzauberer. Größter Knackpunkt ist die Schwankungsanfälligkeit: Fans kaufen die Aktie ihres Clubs aus emotionalen Gründen, ohne wie andere Anleger auf eine hohe Rendite zu achten. Deshalb können ein Pokalgewinn oder die Verletzung eines Spielers die Kurse in kurzer Zeit in den Himmel jubeln oder in den Keller reißen. Deshalb sollten Sporttitel in ein Depot immer nur beigemischt werden.

"Es ist wichtig, dass sich die Vereine ein zweites Standbein schaffen, falls der sportliche Erfolg zeitweise nachlässt", sagt Analyst Burkhard Pahnke. Die wichtigste Zusatz-Einnahmequelle ist in den meisten Fällen das Stadiongebäude. "Steine statt Beine" lautet das Motto: Die Einnahmen sollen also nicht nur für neue Spieler, sprich Beine eingesetzt werden. "Ein Stadion alleine kann auch sehr rentabel sein, wenn es regelmäßig für Rockkonzerte oder Freiluftmessen vermietet wird", sagt Abed Zerioh vom Deutschen Aktien-Institut (DAI). "Wer Aktien eines Fußballklubs kaufen will, sollte auf jeden Fall darauf achten, ob der Verein einen solchen finanziellen Sockel unter seine sportlichen Aktivitäten legt."

Vereinseigene Würstchenbuden

Umgekehrt ließen sich dann solche Einnahmen wiederum in den Ausbau und die Renovierung der Stadien stecken. Außerdem könnte der Verein sich an der Gastronomie im Sportgebäude beteiligen oder in andere Immobilien investieren.

Auf der anderen Seite könnte im Übrigen die Weltmeisterschaft 2006 eine Reihe von Börsengängen verhindern. Denn für die Wettkämpfe muss eine Reihe von Stadien modernisiert werden - und das nicht nur auf Kosten der Vereine, sondern auch mit Unterstützung des Staates. "Wenn die Klubs dann kein Geld mehr für solche Maßnahmen brauchen, entscheiden sie sich vielleicht gegen eine Aktienemission", meint Burkhard Pahnke.

Einige Vereine müssen allerdings noch ins Trainingslager, bevor ihre Spielzeit an der Börse angepfiffen werden kann. "Viele Klubs haben uns auch auf Nachfrage keine Auskunft über ihren Umsatz oder den Gewinn gegeben", sagt Burkhard Pahnke. "Für die Anforderungen des Marktes sind diese Unternehmen noch zu wenig transparent."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%