Deutsches Duell im Kugelstoßen - Erste Medaille
Kleinert-Schmitt: Perfekter Tag - Kumbernuss maßlos enttäuscht

Nadine Kleinert-Schmitt stürmte in die Arme ihres Trainers, die entthronte Titelverteidigerin Astrid Kumbernuss kniete enttäuscht und regungslos am Boden. Nach dem WM-Finale im Kugelstoßen hätten die Gegensätze bei den deutschen Teilnehmerinnen kaum größer sein können.

dpa EDMONTON. «Das war ein perfekter Tag für mich, eine Medaille mit Bestleistung und das deutsche Duell gewonnen. Nur die 20 Meter fehlen noch, die kommen aber auch», freute sich Kleinert-Schmitt über ihren zweiten Platz. Dass sie bei der internationalen Pressekonferenz der Medaillengewinner fehlte und im WM-Club des Deutschen Leichtathletik- Verbandes (DLV) auftreten musste, kam einer Brüskierung gleich.

Mit der persönlichen Bestleistung von 19,86 m bescherte die 25- jährige Magdeburgerin der deutschen Mannschaft am dritten Wettkampftag endlich die herbeigesehnte erste Medaille. Sie begann mit 19,54 m und konnte sich im letzten Durchgang, als ihre Silbermedaille mit einem Scheck von 30 000 Dollar feststand, sogar noch steigern. «Das war eine starke Leistung», befand Trainer Bernd Schneider. Kleinert-Schmitt wiederholte hinter der Favoritin und Sydney-Olympiasiegerin Janina Koroltschik (Weißrussland/20,61) ihren zweiten Rang von vor zwei Jahren in Sevilla. Damals hatte das deutsche Duo noch einen Doppelsieg gefeiert.

Die Gefühlslage von Astrid Kumbernuss hatte nach vielen Jahren der Vorherrschaft nach Platz sechs mit 19,25 m hingegen fast depressive Züge: «Ich bin in einem tiefen Keller, alles ist schwarz für mich. Das war heute nicht mein Wettkampf, das war Nadines Wettkampf», sagte die dreifache Weltmeisterin aus Neubrandenburg. Mit Ausnahme von 1998, als sie Mutter wurde, hat Kumbernuss seit 1994 stets eine Medaille bei internationalen Titelkämpfen gewinnen können. «Ich wollte wieder auf das Treppchen. Als ein Niemand nicht mehr dazu zu gehören, ist wie ein Schlag auf den Kopf und nicht mein Level», meinte die 31-Jährige mit brüchiger Stimme.

«Meine Versuche waren stabil, nur alle zu kurz», fügte sie sarkastisch hinzu. Nachdem Kumbernuss den ersten Schock verdaut hatte, gratulierte sie den drei Medaillengewinnern mit einer Umarmung. Dazu gehörte als Dritte auch die nach einer Dopingpause zurückgekehrte Wita Pawlitsch (Ukraine), mit der sie viele Jahre im Clinch lag.

Ihre körperliche Verfassung sei gut gewesen, sie habe aber nicht zur Lockerheit gefunden. «Es ist traurig, wenn man sieht, wie die Medaillen weggegangen sind. Das kann ich auch. Das ganze Jahr war schlecht, mental war ich einfach nicht gut drauf», bilanzierte Kumbernuss. Sie habe immer vom Prinzip Hoffnung gelebt, dass es im «Kopf klick» macht. «Ein 6. Platz wie 1993 in Stuttgart, davon bricht die Welt nicht zusammen. Es fehlte einfach die technische Sicherheit und Beständigkeit früherer Jahre. Wir müssen die Technik verändern», sagte Trainer und Lebensgefährte Dieter Kollark.

Die Olympiasiegerin von 1996 bezeichnete sich als ehrgeizig genug, die Hierarchie wieder zu ändern: «Das stachelt mich an», sagte sie mit Blick auf die Europameisterschaften im kommenden Jahr in München. «Das werden spannende Duelle», ist auch Kleinert-Schmitt überzeugt.

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