Deutsches Einzelhandelsklima im Dezember verbessert
Einzelhandel erwartet schwieriges Jahr

Keinen Grund zum Jubeln sieht der deutsche Einzelhandel. Das Branchenwachstum hat sich 2001 real deutlich abgeschwächt. Der Preisanstieg ließ die erhoffte Wirkung der Steuerreform verpuffen. Auch 2002 rechnet die Branche wegen steigender Arbeitslosigkeit nur mit einer mittelmäßigen Entwicklung.

ari/beb DÜSSELDORF/KÖLN. Der deutsche Einzelhandel hat 2001 trotz der Steuerreform schlechter abgeschnitten als ein Jahr zuvor. Der Umsatz ohne Kfz-Handel und Tankstellen stieg nach einer Schätzung des Statistischen Bundesamtes nominal zwar um 2 bis 2,5 %, wegen der stärkeren Teuerung preisbereinigt aber nur um 0,5 %. 2000 hatte der reale Zuwachs noch 1,4 % betragen. Die Schätzung basiert auf revidierten Zahlen bis November.

Zu einem deutlich schlechteren Ergebnis kommt der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE), der Apotheken und Brennstoffhandel in seiner Statistik allerdings nicht berücksichtigt. Der HDE schätzt den nominalen Umsatzanstieg im "klassischen Einzelhandel" im vergangenen Jahr nur auf 1 % und geht real sogar von einem Minus von rund 0,5 % aus. Zu diesem Ergebnis kommt auch die in der BAG organisierten Mittel- und Großbetriebe.

Kein Wunder, dass die Händler das Jahr 2001 in der monatlichen Umfrage der Kölner BBE Unternehmensberatung, einer HDE-Tochter, mehrheitlich als "mittelmäßig" bezeichnet haben. Gut jeder Vierte (27 %) der 500 Befragten sprach allerdings von einem "erfolgreichen" Jahr. An 2002, das aus Sicht des HDE ein "schwieriges Jahr" wird und das nach BAG-Einschätzung ein reales Umsatzminus von bis zu 1 % bringen wird, knüpfen die Händler ebenfalls keine großen Hoffnungen. Etwa die Hälfte erwartet wiederum einen mittelmäßigen Verlauf mit Umsatzstagnation und Gewinnrückgang im ersten Halbjahr. Befürchtet wird, dass die höhere Arbeitslosigkeit die Kauflust der Verbraucher bremst.

Stärkung der Binnennachfrage durch nachlassende Teuerung

Ein Gegengewicht könnte die nachlassende Teuerung schaffen, meint Harald Jörg von der Dresdner Bank. Wim Duisenberg, Präsident der Europäischen Zentralbank, erwartet dadurch eine Stärkung der Binnennachfrage, da das verfügbare Einkommen real weniger geschmälert wird als 2001. Mit nennenswerten Preiserhöhungen wegen des Wechsels zum Euro rechnet Duisenberg im Übrigen nicht. Dafür werde schon der harte Wettbewerb im Einzelhandel sorgen, sagte er jetzt in Frankfurt.

Ungeachtet der Einschätzungen des Gesamtjahres hat sich die Stimmung im westdeutschen Einzelhandel zum Jahreswechsel allerdings erneut deutlich verbessert. Dazu dürften vor allem das gute Weihnachtsgeschäft beigetragen haben. Der Klimaindex stieg im Dezember um mehr als drei Punkte und nähert sich mit 97,25 Punkten wieder der Gleichgewichtslinie von 100, bei der sich optimistische und pessimistische Stimmen die Waage halten (siehe Grafik). Im Osten ist der Pessimismus allerdings unverändert stark, was eine kräftige Erholung des gesamtdeutschen Index bisher verhindert hat.

Die bessere Stimmung im November im westdeutschen Handel wird jetzt durch neue harte Zahlen gestützt. Laut Bundesbank stieg der Umsatz preis- und saisonbereinigt zum Vormonat um 2 %. Analysten hatten diesen Anstieg nicht erwartet. Ulla Kochwasser von IBJ Deutschland, einer Tochter der Industrial Bank of Japan, vermutet vermehrte Anschaffungen vor der Euro-Umstellung als eine Ursache. Im Vergleich zu November 2000 mussten die Händler nach Angaben des Statistischen Bundesamtes real aber ein Minus von 0,4 % hinnehmen. Auch das nominale Plus von 1 % gilt als schwach. Dafür gibt es aber einen guten Grund: Anders als 2000 fehlte 2001 im November der erste Adventsamstag. Dies lässt jedoch auf ein gutes Ergebnis für Dezember hoffen.

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