Deutsches Nationalteam im Halbfinale
Hockey: Akademiker auf dem Weg zum WM-Titel

Sie sind jung, präsentieren schönen Sport, und sie sind erfolgreich. Die deutsche Hockey-Nationalspieler haben in keiner Weise die gleichen Probleme wie die Kollegen im Fußball.

Den Anschluss an die Weltspitze müssen sie nicht wiederherstellen, denn man ist schon längst da. Und doch bekommt die Öffentlichkeit wenig bis nichts über den Rand- und Amateursport mit. Dass die deutsche Nationalmannschaft beispielsweise momentan im malaysischen Kuala Lumpur bei der Weltmeisterschaft der Herren auf bestem Wege zum Titelgewinn ist, wissen in der Heimat nur wenige. Das liegt vor allem an Vermarktungsproblemen, wohl aber auch am grundsätzlich geringen Medieninteresse. In Kuala Lumpur sind gerade mal drei deutsche Medienvertreter anwesend.

Die sahen am Dienstag ein deutsches Team, das durch ein 3:2 über Pakistan zum neunten Mal in Serie das WM-Halbfinale erreichte. Dort trifft sie als Erster der so genannten "Todesgruppe A" am Mittwoch auf den Zweiten der Gruppe B. Voraussichtlicher Gegner ist Südkorea. "Gegen die Südkoreaner haben wir gute Chancen. Wir werden uns gut vorbereiten, wir werden es schaffen", versprach Bundestrainer Bernhard Peters selbstbewusst.

Dessen Schützlinge verfolgen zum Zeitpunkt ihrer Nationalmannschaftszugehörigkeit in der Regel eine akademische Karriere. Im jetzigen Team findet man einen Arzt, zahlreiche Jura- und Medizinstudenten, aber auch BWLer, Biologie- sowie Luft- und Raumfahrttechnikstudenten. Als Partner für ein Ausbildungsförderungsprogramm gewann der Deutsche Hockey-Bund Thyssen, das dem DHB Praktikantenstellen oder Hilfe bei Berufsausbildungen von Kaderspielern leisten. "Diese jungen Leute haben doch genau das, was die Firmen suchen", urteilt auch Bundestrainer Peters. "Sie haben Durchhaltevermögen, beweisen, dass sie auch unter Druck die richtigen Entscheidungen fällen können, sind belastbar und flexibel, haben jahrelang Berufsausbildung und Leistungssport unter einen Hut gebracht. Das alles sind genau die Eigenschaften, die Unternehmen in ihren Führungspersönlichkeiten suchen."

Diese Qualitäten waren auch bei der Amtsübernahme des DHB-Präsidiums unter Führung von Christoph Wüterich gefragt. Seinerzeit lag einiges im Argen, vor allem finanziell. Jo Hürter, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, und verantwortlich für die Finanzen im DHB, kann das nur bestätigen. "1999 war ein ganz schwieriges Jahr", resümiert er. "Zu dem Zeitpunkt wussten wir, dass die beiden Hauptsponsoren Opel und Krombacher zum Jahresende aussteigen würden. Eigentlich war das ein Himmelfahrtskommando." Gerade vor Olympia schmerzte die ungünstige Entwicklung, doch die junge DHB-Führungsriege stellte sich der Herausforderung mit großem Enthusiasmus. Mit Apollinaris wurde ein neuer Hauptsponsor gefunden, der jedoch zum Jahresende schon wieder aufhört. Dafür wurde die Bekleidungsfirma Bonacelli als neuer Ausrüster verpflichtet.

Aber auch im sportlichen Bereich ist man nicht untätig. Mit der Champions Trophy wird im August das drittgrößte Turnier des weltweiten Hockeykalenders in Köln stattfinden. Dabei kommt dem DHB die Olympiabewerbung von Nordrhein-Westfalen zugute, konnte man doch in Zusammenarbeit mit der Stadt Mönchengladbach Pläne durchsetzen, ein Hockeystadion zu bauen. Das bedeutet neue Trainingsstätten - und eine internationale Arena. Beste Aussichten also, die Position in der Weltspitze mindestens zu halten.

Bernhard Peters allerdings interessiert im Moment zunächst einmal die Gegenwart. Und die könnte erfolgreicher kaum sein. "Mein Team war heute zu allem entschlossen und ist verdienter Sieger in dieser schweren Gruppe", befand Peters nach dem 3:2 über Pakistan. Der WM-Titel rückt näher.

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