Deutschland äußerst attraktiv
Supermärkte treiben das Fondsgeschäft voran

Elektronische Plattformen spielen beim Kauf und Verkauf von Investmentanteilen eine immer größere Rolle. Unter ihren Anbietern dürfte es zu einem harten Ausleseprozess kommen, glauben Experten.

FRANKFURT/M. Die deutschen Anleger werden in Zukunft noch stärker auf die Fondsanlage setzen. Das in Publikumsfonds angesammelte Vermögen wird sich in den kommenden fünf Jahren ungefähr verdoppeln und die Marke von 800 Mrd. Euro überschreiten. Das glaubt die auf die Investmentbranche ausgerichtete internationale Research- und Consultingfirma Cerulli Associates. Sie stellt eine Studie zum beratungsgestützten Fondsverkauf in Deutschland vor ("Advice-Based Distributiion in Germany"), der unter anderem von den erleichterten Vertriebsmöglichkeiten über Plattformen profitieren soll. Die Ergebnisse der Studie veröffentlicht das Handelsblatt exklusiv.

"Für ausländische Fondsanbieter hat es nie einen besseren Zeitpunkt zum Geschäftsstart in Deutschland gegeben. Das ist einer der attraktivsten Fondsmärkte der Welt", urteilt Thomas Marsh, Senior Analyst bei Cerulli in London. Als Gründe nennt er unter anderem den Trend zum Verkauf von Fremdprodukten und zu so genannten Fonds-Supermärkten bzw. Plattformen, aber auch die steigende Popularität von Dachfonds. "Das erleichtert den Zugang zum deutschen Markt und macht Fondstransaktionen effizienter", erläutert Marsh. Beratung wird laut Cerulli in Zukunft eine immer stärkere Rolle spielen. Das fordere neben den unabhängigen Finanzberatern auch die Banken heraus. "Die müssen Know How aufbauen, wenn sie neben den eigenen Produkten auch noch fremde anbieten und verkaufen wollen", meint Marsh.

Steigender Anteil von Fonds und Aktien am Vermögen

Eine treibende Kraft des Fondsabsatzes - nach dem Rückgang um 1 % im vergangenen Jahr - wird laut Cerulli die sich ausbreitende Aktienkultur sein. In den kommenden fünf Jahren dürfte der Anteil von Aktien und Aktienfonds am Vermögen der Haushalte von 11 auf 17 % steigen. Ein zweiter Motor auf der Vertriebsseite seien die Fonds-Supermärkte bzw. Plattformen, die sich im Fall von Direktbanken und Discount Brokern an Privatanleger wendeten, meistens jedoch an Fondsvertreiber. Zu den bekannten Vertretern dieser letzten Gruppe zählten unter anderem Ebase von der Adig, die FSB Fondsservicebank von Activest und Meag, die Attrax der DZ-Bank, die Frankfurter Fondsbank von Frankfurt-Trust und die Partner World der DWS.

Fondsvertreiber und Endanleger dürften die Plattformmöglichkeiten immer stärker nutzen: die einfache Möglichkeit der Abwicklung von Fondskäufen und-verkäufen für Produkte verschiedener Anbieter sowie Serviceangebote wie Beratungsunterstützung.

Laut Cerulli trugen Finanzberater und Plattformen bereits im vergangenen Jahr 18 % zum Netto-Fondsabsatz bei. Marsh: "Im Jahr 2006 schätzen wir einen Anstieg auf über 25 Prozent." Bei Betrachtung der verwalteten Fondsgelder entfielen jetzt 30 Mrd. Euro auf die beiden genannten Vertriebswege. "Das steigt in fünf Jahren auf 100 Milliarden", ist Marsh zuversichtlich. Seiner Meinung nach werden sich immer mehr Finanzberater Plattformen zur Transaktionsabwicklung und Beratungsunterstützung zuwenden.

Nicht alle Plattformen werden überleben

Cerulli glaubt nicht an das Überleben aller in Deutschland derzeit aktiven Plattformen, deren Zahl er auf mehr als ein Dutzend schätzt. "Vier bis sechs könnten es am Ende sein. In sechs bis zwölf Monaten erwarte ich den Beginn einer Konsolidierungswelle", glaubt Marsh.

Klaus-Jürgen Baum, Leiter des Deutschland-Geschäftes bei Fidelity Investments, sieht wie Cerulli drei Trends: die stärkerer Hinwendung des Endkunden zur Beratung, eine zunehmende Nutzung der Supermärkte durch Finanzberater und eine Konsolidierung unter den Plattformen. Aber: "Der gesamte Prozess dürfte drei bis fünf Jahren dauern." Das endgültige Szenario wird sich seiner Beurteilung an der Lage in USA und Großbritannien orientieren. "Dort gibt es nur eine Handvoll Anbieter, davon sind einige wenige den anderen weit voraus", registriert er.

Fidelity habe Anfang März seine deutsche Plattform Funds Network für Vertreiber und Endanleger gestartet. Das Produktangebot belaufe sich zwar erst auf über 300 Fonds von elf Anbietern, werde aber ausgebaut. Bisher seien etwa 300 Finanzberater angeschlossen. Beim Eintritt in dieses Geschäft sei Geduld nötig: "Man ist nicht schon nach 18 oder 24 Monaten in der Gewinnzone." Es sei ein langer Atem nötig "Den haben wir und deshalb werden wir zu den Überlebenden gehören", ist sich Baum sicher.

Platz für drei bis fünf Anbieter

Peter Engel, Partner bei KPMG Consulting, rechnet damit, dass langfristig in Deutschland Platz für maximal drei bis fünf Anbieter ist. "Wer dazu gehören will, muss finanziell stabil sein und wirklich zu dem Projekt Fondsplattform stehen", sagt er. Engel hält es für schwierig, Privatkunden und Vertriebsorganisationen auf einer Plattform zu bedienen - wie Fidelity es tut. "Wenn der Fondsanbieter Endkunden direkt anspricht, kann das einen Konflikt mit den Finanzberatern schaffen", sagt er.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%