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Deutschland bei Pisa leicht besser

Deutschland hat sich beim neuen weltweiten Pisa-Schultest leicht verbessert. Dies gilt vor allem für Mathematik. Zugleich hat sich aber die im deutschen Schulsystem besonders ausgeprägte Abhängigkeit von Bildungserfolg und sozialer Herkunft nach den neuen Ergebnissen noch weiter verschärft.

dpa BERLIN. Deutschland hat sich beim neuen weltweiten Pisa-Schultest leicht verbessert. Dies gilt vor allem für Mathematik. Zugleich hat sich aber die im deutschen Schulsystem besonders ausgeprägte Abhängigkeit von Bildungserfolg und sozialer Herkunft nach den neuen Ergebnissen noch weiter verschärft.

Dies geht aus dem Bericht der deutschen Pisa-Forscher für die Kultusministerkonferenz (KMK) hervor, der der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt. In Sachen Leistung belegen beim neuen Pisa-Test Hongkong, Finnland, Südkorea und Japan die internationalen Spitzenplätze. Deutschland erreicht insgesamt knapp das Mittelfeld.

Der deutsche Pisa-Koordinator Manfred Prenzel bescheinigt in dem internen Bericht für die KMK den deutschen Schulen "eine sehr enge Koppelung" zwischen Bildungserfolg und Einkommen sowie Vorbildung der Eltern. Kinder reicher Familien hätten auch bei gleicher Begabung eine 5,7-mal größere Chance, "das Gymnasium anstelle einer Realschule zu besuchen", als Kinder aus der unteren Mittelschicht. Schlechte Noten in sozialer Förderung bekommen in Europa sonst noch Belgien und Ungarn.

Bei den internationalen Leistungsvergleichen landet Deutschland in allen drei Wissensdisziplinen nahezu punktgleich mit Österreich, Irland, Ungarn, Polen und Tschechien auf mittleren Plätzen. In der 29-Staaten-Skala der Oecd-Mitgliedsländer kommt Deutschland im diesjährigen Untersuchungsschwerpunkt Mathematik auf den 16. Platz, beim Lesen und Textverständnis, der wichtigsten Basiskompetenz, auf den 19. Platz und in den Naturwissenschaften auf Rang 15. In allen drei Disziplinen liegen damit die 15-Jährigen in Deutschland mit ihrem Wissensstand knapp eineinhalb Schuljahre hinter ihren finnischen Altersgenossen.

Wie der "Spiegel" berichtet, erreicht die Bundesrepublik in der Gesamtrangliste aller 40 gewerteten Testteilnehmer-Staaten in Mathematik Rang 19, in Lesen Rang 21 und in Naturwissenschaften Rang 18. Großbritannien wurde nicht gewertet, weil es nicht genügend Testteilnehmer erbracht hatte.

Der leichte deutsche Leistungszuwachs erfolgte in der Mathematik. Nach dem miserablen deutschen Abschneiden bei der Vorgängerstudie Timss hatten Bund und Länder gemeinsam 1999 ein aufwendiges Programm zur Verbesserung des Mathematikunterrichtes gestartet. Der Wissenschaftler Prenzel führt die besseren Ergebnissen in seinem Bericht vor allem darauf zurück.

In Deutschland klaffen indes wie in keinem anderen vergleichbaren Industriestaat so große Leistungsunterschiede zwischen guten und schlechten Schülern. Gegenüber dem ersten Pisa-Testdurchlauf vor gut drei Jahren haben sich in Deutschland nur die Gymnasiasten leicht verbessert, während die Hauptschüler weiter schwach blieben. In mehreren Bundesländern war für den neuen Testdurchlauf intensiv geübt worden.

Nach Ansicht von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) muss Deutschland beim Bildungsniveau wieder einen Spitzenplatz erreichen. Es könne nicht sein, dass "wir uns Jahr für Jahr von Pisa bestätigen lassen, dass wir bei der Bildung im Mittelfeld stehen". Clement: "Wir müssen wieder auf einem der ersten drei Plätze in der Welt sein."

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) erklärte, bei dem gegenwärtigen Reformtempo in der Länder-Schulpolitik werde es mindestens 20 Jahre dauern, bis die Bundesrepublik Anschluss an die Pisa-Spitzengruppe finde. Die neuen Ergebnisse seien "die Quittung für eine Politik der Hektik und richtungsloser Werkelei", sagte GEW- Vorstandsmitglied Marianne Demmer in einem dpa-Gespräch. So seien die Klassen größer und die Lehrerarbeitszeit erhöht worden, ebenso seien die Elternbeiträge für Lehr- und Lernmittel gestiegen.

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