Deutschland-Chef Lundquist will Rendite auch durch Stellenabbau steigern
SEB will ihre Filialen profitabler machen

Die SEB Bank ist mit der Rendite ihrer Filialen unzufrieden. Um sie zu steigern werden Prozesse verschlankt, zudem sollen pro Kunde mehr Bankprodukte verkauft werden. Ihren Online-Broker SEB Direct hat die Bank in Deutschland jetzt in ihr allgemeines Online-Banking integriert.

FRANKFURT/M. Die SEB Bank setzt in Deutschland künftig stärker auf ihr Filialnetz, um die Rendite zu steigern. "Wir haben die Bedeutung des Filialnetzes unterschätzt", sagte Lars Lundquist, Vorstandsvorsitzender der SEB AG, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Chef des SEB-Konzerns, Lars Thunell, hatte sich im Oktober ähnlich geäußert und angekündigt, im Gesamtkonzern den Fokus wieder stärker auf die Filialen zu richten statt auf das Internet-Banking. Ihren Online-Broker SEB Direct hat die Bank in Deutschland jetzt in ihr allgemeines Online-Banking integriert.

In Deutschland schreibe das Filialgeschäft - 177 normale Bankfilialen und 30 Beratungszentren - "leicht positive Zahlen", sagte Lundquist. "Das reicht uns aber nicht. Wir wollen von Jahr zu Jahr profitabler werden", sagte er. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen die Prozesse in Vertrieb und Abwicklung verschlankt werden. Außerdem soll das Cross-Selling - der Verkauf möglichst vieler verschiedener Finanzprodukte pro Kunde - gesteigert werden. Derzeit kaufe jeder Kunde im Schnitt zwischen 1,5 und zwei Produkte. Bei den Wettbewerbern ist dieser Wert in der Regel nicht höher. Zum Vergleich: Im Retailgeschäft der Deutschen Bank sind es im Schnitt 1,7 Produkte. Auch die größte deutsche Bank verfolgt mit dem Umbau ihres Privatkundengeschäfts das Ziel, das Cross-Selling zu fördern, wie der verantwortliche Vorstand Hermann-Josef Lamberti sagte.

Um wirklich profitabel zu sein, brauche eine Bank mehr als 5 000 Kunden pro Filiale. Die SEB AG habe diese Schwelle in den meisten Filialen erreicht. Andere Maßstäbe legt etwa Reinhard Hoock, Partner der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton, an. Im Retailgeschäft zeige sich, dass ein Netz von 300 bis 400 Filialen erst mit einer Kundenzahl zwischen 6 000 und 10 000 je Standort, dem richtigen Geschäftsmix und entsprechendem Ertrag je Mitarbeiter sehr profitabel geführt werden könne.

Eigenkapitalrendite soll gesteigert werden

Ihre Eigenkapitalrendite will die SEB im Jahr 2002 trotz des schwierigen Marktumfeldes auf 8 bis 8,5 % nach Steuern steigern, nach 6 % in diesem Jahr. Um dies zu erreichen, will Lundquist die Kosten senken. "Wir werden die Gesamtkosten um weitere vier Prozent reduzieren", kündigte er an. Dies solle im wesentlichen durch den weiteren Abbau von Arbeitsplätzen in Stabsbereichen und im Back Office erreicht werden. Genaue Zahlen wollte Lundquist noch nicht nennen. "Ich will den derzeit laufenden Gesprächen mit dem Betriebsrat nicht vorgreifen." In den ersten neun Monaten diesen Jahres hat die Bank ihre Kosten um 10 % gesenkt. Seit 1999 wurde die Zahl der Beschäftigten von 4 850 auf 4 150 reduziert.

Weitere Kostensenkungen verspricht sich Lundquist von der Einführung gemeinsamer Plattformen für die europäischen Einheiten des SEB Konzerns, etwa in der Zahlungsverkehrs- oder der Wertpapierentwicklung. Voraussichtlich Mitte 2002 werde es eine erste gemeinsame Plattform für die nordischen Länder, Deutschland und andere europäische Länder geben. "Beim Start der SEB in Deutschland habe ich angenommen, die Schaffung europäischer Plattformen ginge schneller", räumte Lundquist ein. Doch es sei schwieriger als erwartet, die notwendige gemeinsame Infrastruktur zu schaffen. Unterschiedliche rechtliche Rahmenbedingungen und verschiedene IT-Systeme seien hierfür die Ursachen. Gelingt es der SEB, europäische Plattformen zu schaffen, würden die Kosten etwa im Back Office um rund 50 % sinken.

Der schwedische SEB Konzern hat die von Gewerkschaften gegründete BfG Bank zum 1. Januar 2000 übernommen. Seit April diesen Jahres ist sie voll in den Konzern integriert und im Markt als SEB AG aufgestellt. Der SEB Konzern betreut weltweit vier Millionen Kunden, davon eine Million in Deutschland. Das Online-Banking der SEB AG nutzen 225 000 Kunden, damit werde die Bank ihr Ziel für dieses Jahr von 240 000 Nutzern erreichen, zeigte sich Lundquist überzeugt.

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