Deutschland-Chef Rolf Zimmermann legt die Ford-Zahlen vor
Der unterschätzte Statthalter

Anfangs gaben ihm viele in der Branche keine Chance. Doch sie haben sich geirrt. Zimmermann hat Ford auf dem deutschen Markt wieder nach vorne gebracht.

KÖLN. Rolf Zimmermann darf sich schon mal entspannt zurücklehnen. Jedes Mal, wenn ihm die neuesten Zulassungsstatistiken gereicht werden, ist der Ford-Marktanteil wieder ein wenig gestiegen. "Die Neupositionierung der Marke ist gelungen", sagt der Vorstandsvorsitzende der Kölner Ford-Werke stolz vor der morgigen Bilanz-Pressekonferenz.

Bei seinem Amtsantritt vor gut drei Jahren konnte in der Deutschland-Zentrale am Rhein von Entspannung keine Rede sein. Im Gegenteil: Die Händler rebellierten, weil kaum noch neue Autos aus den Entwicklungsstudios kamen. Und die Kunden traten aus diesem Grund in einen Käuferstreik. So näherte sich der Marktanteil der deutschen Tochter des US-Autokonzerns im freien Fall der Acht-Prozent-Marke. Kaum jemand gab Ford hier zu Lande noch eine Chance.

Und erst recht nicht Rolf Zimmermann, der erst ein Jahr zuvor vom VW-Konzern zu Ford an den Rhein gewechselt war. Dem hemdsärmeligen Hessen wurde allenfalls zugetraut, dass er die Produktion einer Autofabrik in den Griff bekommt, denn seine Fähigkeiten als Techniker waren unbestritten. Im heimatlichen Rüsselsheim hatte er seine Autokarriere als Werkzeugmacher am Band von Opel begonnen. Über den zweiten Bildungsweg arbeitete er sich langsam ins Management vor.

Glanz und Glimmer sind dem heute 55-Jährigen fremd, lieber setzt er sich mit guten Freunden in eine Weinwirtschaft. Große Reden und öffentliche Auftritte gehören nicht zu seinen Stärken. Nur selten lässt er sich werbewirksam ablichten, so wie oben in einem Prototypen des "StreetKa", einer sportlichen Variante des Ford Ka.

Entsprechend laut war das Grummeln in der Autobranche, als Zimmermann im November 1998 den Chefposten in Köln übernahm. Er wurde allenfalls als Interimskandidat gehandelt, der sich nicht länger als zwei Jahre auf dem Posten halten würde.

Doch Zimmermann ist immer noch da - und er wird mit großer Sicherheit länger auf seinem Posten bleiben. Er hat die Produktivität deutlich erhöht und Modelle auf den Markt gebracht, die wie der neue Fiesta bei den Kunden und damit auch bei den Händlern ankommen. Ford Deutschland ist auf dem besten Weg, dieses Jahr den von Zimmermann versprochenen Marktanteil von zehn Prozent zu erreichen. Nur mit der Rückkehr in die Gewinnzone hat es noch nicht ganz geklappt.

Doch das ist nicht Zimmermann persönlich anzukreiden, sondern der Situation in den USA. Ford Köln liefert auch schwere Motoren für Modelle der Konzernmutter, deren US-Absatz seit dem 11. September stockt. Ford Deutschland ist sehr wohl aus dem Schlimmsten heraus. Zimmermann hat es geschafft, das vergangene Jahr fast ohne operativen Verlust - in 2000 noch 170 Millionen Euro - abzuschließen.

"Man darf Zimmermann nicht auf die leichte Schulter nehmen", begründet einer seiner engsten Mitarbeiter die Tatsache, dass sich der Automanager auf Platz eins bei der deutschen Ford-Tochter halten konnte. Es sei ein großer Fehler, ihn wegen seiner bodenständigen Art zu unterschätzen. Die gesunde Mischung aus Schlitzohrigkeit und Intelligenz - das hat ihm den Erfolg bei Ford beschert.

Zimmermann kann es dabei nicht jedem recht machen: Mit seinem breiten, hessischen Dialekt erscheint er manchmal hölzern und ein wenig unnahbar. Im Kreise seiner Familie taut er auf und fühlt sich sichtlich wohl. Kein Wunder also, dass er nur während der Woche in Köln lebt, am Wochenende aber zu seiner Frau und seinen Kindern nach Rüsselsheim fährt. "Er ist eben ein echter Familienmensch", erzählt ein Kollege.

In Rüsselsheim kann er sich entspannt zurücklehnen. In seinem Job als Deutschland-Chef von Ford darf er sich jedoch nicht allzu lange auf den Lorbeeren ausruhen - die Konkurrenz macht neuen Druck.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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