Deutschland-Chef Staudt: E-Business ist Kerngeschäft
IBM will Outsourcing verstärken

Mehr als die Hälfte der rund 86 Milliarden Dollar Umsatz macht der Computerkonzern IBM mit Dienstleistungen und Software. Die unrentable Produktion von Hardware soll soweit wie möglich an Auftragshersteller vergeben.

STUTTGART/NEW YORK. Der weltweit größte Computerkonzern IBM Corp. will durch die Auslagerung von Produktionsprozessen vor allem im Hardware-Bereich profitabler werden. Gleichzeitig soll der Umsatzanteil der inzwischen mit 41 % größten Konzernsparte IT-Dienstleistungen weiter steigen. Wie IBM-Finanzvorstand John Joyce bei der Vorlage der vorläufigen Konzernergebnisse für 2001 mitteilte, ist der Gewinn nach Steuern wegen Absatzschwierigkeiten in der Hardwaresparte im Vergleich zu 2000 um 4,6 % auf 7,7 Mrd. $ gesunken, der Umsatz fiel um 3 % auf 85,9 Mrd. $.

Analystin Shebly Seyrafi vom Investmenthaus A.G. Edwards zeigte sich von den Zahlen enttäuscht. Der Grund: Die wichtige Dienstleistungssparte hat "schlechter als erwartet" abgeschnitten. Der Umsatz ist im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1 % auf 9,1 Mrd. $ gesunken. "Doch die eingeschlagene Marschrichtung hin zu IT-Dienstleistungen und Software wird konsequent fortgesetzt", erläutert IBM-Deutschland-Chef Erwin Staudt im Gespräch mit dem Handelsblatt. Bereits heute mache "weiche Ware wie Dienstleistungen und Software über die Hälfte der Umsätze aus", sagt Staudt. Dieser Anteil werde weiter steigen.

Kerngeschäft für den Konzern aus Armonk/New York, der 1981 den ersten Personalcomputer (PC) auf den Markt gebracht hat, ist nach Staudts Ansicht heute "das E-Business" - "Gesamtlösungen für Kunden aus einer Hand". Dazu gehört die Planung und Installation der gesamten elektronischen Infrastruktur für Unternehmen - Hardware, Software und Dienstleistungen.

Wenig Freude bereitete IBM 2001 das Geschäft mit dem Bau und Verkauf von Personalcomputern. Nach Schätzungen des Marktforschers Dataquest wurden im vergangenen Jahr weltweit 128 Millionen PC verkauft. Das sind 4,6 % weniger als ein Jahr zuvor. Nicht zuletzt wegen eines Preiskriegs, den der US-Konkurrent Dell im Frühjahr begonnen hatte, musste IBM in der PC-Sparte Einbußen von 15,4 % hinnehmen. In der vergangenen Woche hat "Big Blue" entschieden, die Produktionsstätten für die PC-Reihe "Netvista" an den Auftragshersteller Sanmina-SCI zu verkaufen. Im Gegenzug hat Sanmina den Auftrag erhalten, drei Jahre lang Desktop-PC für IBM herzustellen - ein Auftragsvolumen von insgesamt 5 Mrd. $.

"Wir konzentrieren uns künftig mehr auf unser Kerngeschäft und übertragen Produktionsabläufe und Logistik an Unternehmen, die das auf Grund ihrer Spezialisierung besser können als wir", kommentiert Deutschland-Chef Staudt den Outsourcing-Deal, der in der Branche aufmerksam registriert wurde. Immerhin gilt IBM als Erfinder des PCs. Doch bereits in den zurückliegenden Jahren hat der scheidende IBM-Chef Louis Gerstner systematisch Bereiche mit "hohem Umsatzwachstum, aber ohne Profitmarge" - etwa die Produktion von Speicherchips für PC - abgestoßen.

Offensichtlich hat sich IBM nun aus Kostengründen dazu entschlossen, weitere Teile der Hardware-Produktion abzugeben. Für IBM-Deutschland-Chef Staudt ist die Auslagerung ganzer Bereiche an Fremdfirmen ein Trend, "der einer Entwicklung in der gesamten Wirtschaft folgt". Der Wettbewerb zwinge IBM, "wie alle Unternehmen permanent darüber nachzudenken, an welcher Stelle man effizienter werden kann", sagt Staudt. Finanzvorstand Joyce sagte, der Konzern wolle die indirekten Kosten 2002 um 2 Mrd. $ reduzieren.

Eine Auslagerung der Produktion von Netzwerkrechnern (Servern) halten Experten aber für unwahrscheinlich. Denn diese Rechner werden - im Gegensatz zu PC und Notebooks - überwiegend aus IBM-Bauteilen gefertigt. Mit einem Marktanteil von 30 % ist IBM der größte Serverhersteller und konnte 2001 seinen Vorsprung vor Hewlett Packard, Compaq und Sun noch ausbauen.

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