Deutschland-Engagement steht auf der Kippe
Österreichische Buchhandelskette Libro schreibt tiefrote Zahlen

Im Vorjahr machte die österreichische Buchhandelskette Libro noch mit Attacken auf die Buchpreisbindung von sich reden. Inzwischen sind nur noch die Verluste spektakulär. Das Deutschland-Engagement steht zur Disposition.

dpa WIEN. Die österreichische Buchhandelskette Libro AG, hat im abgelaufenen Geschäftsjahr tiefrote Zahlen geschrieben. Das vorläufige Konzernergebnis vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern sei von plus 6,5 Mill. ? (12,7 Mio DM) auf minus 16,7 Mill. ? abgestürzt, teilte das an der Wiener Börse notierte Unternehmen am Freitag mit. Der Umsatz sei um 16 % auf 396,9 Mill. ? gestiegen. Das Ergebnis lag deutlich unter den Analystenerwartungen, die einen Verlust von 12,5 Mill. ? prognostiziert hatten. Libro unterhält auch einige Filialen in Deutschland.

Das Deutschland-Geschäft habe sich weit unter den Erwartungen entwickelt, teilte das Unternehmen aus Guntramsdorf bei Wien mit. Das Deutschland-Engagement werde deshalb einer rigorosen Überprüfung unterzogen, hieß es. Vorstandsvorsitzender Andre Rettberg nannte als Hauptgrund für das negative Ergebnis "hochgesteckte Ziele, deren Umsetzung wir unter geänderten Rahmen- und Marktbedingungen nicht realisieren konnten". Das Ergebnis sei durch den Verzicht auf den Börsengang der Internet-Tochter Lion.cc zusätzlich belastet worden. Die WAZ-Gruppe ist zu 35 % an Lion.cc beteiligt.

Die Libro-Aktie, die bereits in den vergangenen Wochen stark unter Druck geraten war, reagierte mit einem neuerlichen Kurssturz auf die Nachricht. Im Vormittagshandel fiel sie zeitweilig um zehn Prozent auf ein neues Allzeittief von 5,67 ?. Händler bezeichneten die vorgelegten Zahlen als "Katastrophe". Libro war im November 1999 an die Börse gegangen. Der Ausgabekurs der Aktie betrug 29 ?. Ihren Höchstkurs erreichte sie im März des Vorjahres mit 67,80 ?.

Im vergangenen Jahr hatte Libro nach dem Wegfall der grenzüberschreitenden Buchpreisbindung im Juli die deutschen Verlage mit Internet-Rabatten von bis zu 20 % auf deutsche Bestseller gegen sich aufgebracht. Daraufhin reagierten Verlage und Großhändler mit Lieferstopps. Libro konterte mit rund 30 Gerichtsanträgen auf einstweilige Verfügung gegen den Boykott, zog jedoch nach Misserfolgen die meisten zurück und beendete auch die Rabattaktion.

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