Deutschland gilt als attraktivster europäischer Markt für Investmentanteile
Auslandsanbieter profitieren von Fonds-Supermärkten

Das Investmentgeschäft boomt. Nach Schätzung einer britischen Consultingfirma werden jene gewinnen, die Produkte vieler Anbieter offerieren und unabhängige Beratung bieten können.

FRANKFURT/M. Der deutsche Publikumsfondsmarkt wird sich dramatisch verändern: Ausländische Anbieter dringen weiter vor, während deutsche Investmentfirmen an Boden verlieren. Das ist zentrales Ergebnis einer jetzt vorgelegten Studie über den deutschen Fondsmarkt, herausgegeben von der Consultingfirma European Fund Information Services (EFIS), London. EFIS-Partner Rodney Williams nennt zwei weitere Resultate in einem Handelsblatt-Gespräch: "Das Vordringen so genannter Fonds-Supermärkte, das heißt anbieterübergreifender Handels- und Serviceplattformen, spielt den Ausländern in die Hände; der Bedarf an unabhängiger Beratung wächst."

Die Studie "Mutual Fund Access - Germany" basiert auf 95 Rückläufen einer Umfrage unter deutschen Fondsverkäufern, darunter Banken, Versicherungen, Broker, Maklerpools, unabhängige Vermittler. "Deutschland ist in Europa der bei weitem attraktivste Markt", meint Williams. Den ausländischen Gesellschaften böten sich die besten Chancen: "Die dürften am stärksten wachsen; ein wesentlicher Grund wird das Aufbrechen der traditionellen Vertriebswege sein." Williams spielt auf den Trend zu Fonds-Supermärkten an, die ein möglichst umfassendes Produktangebot vieler Investmentgesellschaften offerieren.

Während sich im Herbst vergangenen Jahres das Publikumsfonds-Vermögen noch auf 499 Mrd. belief, soll dieser Betrag bis zum Jahr 2005 auf 1 315 Mrd. steigen. Das Fondsvermögen ausländischer Gesellschaften wird laut Williams von 70 auf 227 Mrd., die Quote am gesamten Kuchen von 14 auf 17 % klettern. Produkte deutschen Rechts, die von deutschen Kapitalanlagegesellschaften ausländischer Asset Manager lanciert würden, sind den "deutschen" Fonds zugerechnet.

Wechsel bei den Verkaufswegen

Neben Veränderungen in der Struktur der Fonds-Herkunftsländer erwartet Williams Wechsel bei den favorisierten Verkaufswegen. Derzeit seien 72 % des verwalteten Vermögens von den Banken eingesammelt worden, nur 12 % von Versicherungen, 9 % von unabhängigen Vermittlern, 6 % von Supermärkten, 1 % im direkten Geschäft der Investmentgesellschaften mit den Endkunden.

Bis zum Jahr 2005 soll die Bankenquote auf 56 % schrumpfen, im Gegenzug vor allem der Supermarktanteil auf 18 % steigen. "In diesem Szenario schrumpft zwar der Vermittleranteil von 9 % auf 5 %, aber nur deshalb, weil in den kommenden Jahren zwei Drittel dieser Verkäufer ihre gesamten Geschäfte über einen Supermarkt abwickeln dürften - das ist billiger und einfacher, als Beziehungen zu vielen einzelnen Fondsgesellschaften zu unterhalten." Der tatsächliche Anteil der Vermittler am Geschäft werde demnach wachsen. Diese Gruppe bleibe der wichtigste Verkaufskanal für ausländische Anbieter: "Aber nur für jene, die ihren Vermittlern guten Service bieten; nach unseren Recherchen gibt es da noch viele Unzulänglichkeiten."

Angesichts des wachsenden Fondsangebots und immer komplexerer Produktinhalte wachse der Bedarf an unabhängiger Beratung. Allerdings fehle es den Banken an entsprechender Expertise, denn sie seien immer noch - und würden es in den kommenden Jahren auch bleiben - auf die hauseigenen Produkte ausgerichtet. Williams glaubt: "Vielleicht sehen wir eine Parallele zu Italien, wo die Banken unabhängige Berater aufgekauft haben."

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