Deutschland hat an der Nordseeküste seinen ersten Gashandelspunkt: Hubco bringt Gashandel in Schwung

Deutschland hat an der Nordseeküste seinen ersten Gashandelspunkt
Hubco bringt Gashandel in Schwung

Bei Gas ist der kurzfristige Handel noch unbedeutend, der Angebot und Nachfrage besser in Einklang bringen kann als langfristige Verträge. Damit das anders wird, werden effiziente Handelspunkte - so genannte Hubs - benötigt, an denen Pipelines zusammenlaufen. Ein erster Hub in Deutschland wird jetzt in Emden aufgebaut.

DÜSSELDORF. Die Hoffnungen des Erdgashandels in Deutschland ruhen auf einer kleinen Region an der deutschen Nordseeküste: Zwischen Bunde an der niederländischen Grenze und Emden entsteht der erste deutsche Handelspunkt (Hub). Die Region ist schon jetzt eine der wichtigsten Drehscheiben für Erdgas in Deutschland. In einem Umkreis von 50 Quadratkilometern liefern Pipelines aus den Niederlanden und aus Norwegen Gas an. Die Ferngasgesellschaften Ruhrgas, BEB Erdgas und Erdöl GmbH, Wingas und Thyssengas speisen hier an neun Übergabepunkten jährlich rund 400 Mrd. Kilowattstunden in ihre bundesweiten Gasnetze ein - rund 40 % des deutschen Gesamtabsatzes. Bislang sind die Ströme weitgehend über langfristige Verträge geregelt. Künftig soll die Region aber verstärkt für den kurzfristigen Handel genutzt werden.

Ruhrgas und BEB haben hierzu im Oktober 2002 gemeinsam mit dem norwegischen Lieferanten Statoil die Hubbetreibergesellschaft Hubco - North West European Hub Service Company GmbH - in Betrieb genommen. Nach Informationen des Handelsblatts wird auch die Wingas in den nächsten Tagen den Einstieg als gleichberechtigter Partner bekannt geben.

"Wir schaffen die Grundlage für einen erfolgreichen Spotmarkthandel in Deutschland", gibt sich Hubco-Geschäftsführer Andreas Jordan selbstbewusst. Ein ehrgeiziges Ziel: Im Gegensatz zu Strom, bei dem sich an der Leipziger Strombörse EEX inzwischen bereits ein reger Handel entwickelt hat, wird Gas nach wie vor fast ausschließlich über langfristige Verträge abgewickelt. Wegen der hohen Anfangsinvestitionen verlangen die Lieferländer von den Gasgesellschaften lange Laufzeiten mit weitgehend fest vereinbarten Abnahmemengen.

Im Gegensatz zu Erdöl gibt es für Gas auch keinen Weltmarktpreis. In den Verträgen wird weitgehend eine Bindung an den Ölpreis vereinbart. Die Absatzprognosen in den langfristigen Verträgen sind auf Grund der durchschnittlichen Annahmen über Temperaturen und Abnahmemengen recht verlässlich, und kurzfristige Abweichungen in Spitzenzeiten können über Speicher ausgeglichen werden. Ein Spotmarkthandel für Gas könnte die reale Struktur aber ergänzend zum Grundbedarf besser abbilden. "Die Marktteilnehmer könnten Geld sparen", sagt Jordan.

"Das Prinzip der Strombörse soll praktisch auf Gas übertragen werden", erklärt Georg Erdmann, Energieexperte an der Technischen Universität Berlin: "Einfach ist das aber nicht." Der Knackpunkt: Bei Gas spielen Transportkapazitäten eine viel größere Rolle. Weil das gekaufte Gas immer auch real durch das Transportnetz fließen muss, lässt sich Angebot und Nachfrage physisch nicht so leicht in Einklang bringen wie bei Strom.

Deshalb kommt Knotenpunkten, an denen mehrere Pipelines zusammenfließen, im Gashandel eine entscheidende Bedeutung zu: Hier lassen sich Aufträge schnell abwickeln. Die Betreibergesellschaft Hubco wird die logistische Voraussetzung für den Kurzfristhandel schaffen. Nachdem sich Käufer und Verkäufer am Spotmarkt über Menge, Preis und Zeit geeinigt haben, können sie über das Internet bei Hubco die entsprechenden Transaktionscodes eingeben. Hubco stellt die Transportkapazitäten und übernimmt die Koordination des Transports vom Liefer- zum Abnahmepunkt.

"Wir stellen sicher, dass ein vereinbartes Geschäft tatsächlich abgewickelt werden kann", sagt Jordan. Hubco ist eine eigenständige Gesellschaft, die Gewinne erwirtschaften soll. Sie kassiert von ihren Kunden eine Jahresgebühr und Transaktionsentgelte. Das Problem: Hubco muss möglichst rasch Kunden gewinnen, um attraktiv zu werden: "Wir brauchen Liquidität", sagt Geschäftsführer Jordan. Er sieht ein "Henne-Ei-Problem": Um das Handelsvolumen zu erhöhen, benötigt Hubco mehr Kunden - die Kunden wollen aber erst kommen, wenn das Volumen höher ist. Bislang hat Hubco außer den Betreibern nur die ostdeutsche Ferngasgesellschaft Verbundnetz Gas (VNG) und Totalfina-Elf gewonnen. Stadtwerke oder Händler, die Hubco auch ansprechen will, halten sich zurück.

Deutsche Versorger seien sehr träge, sagt ein Branchenexperte: "Aus falscher Rücksicht auf traditionelle Verträge lässt man optimale Handelsmöglichkeiten sausen." Auch Erdmann, der Energieexperte aus Berlin, dämpft die Erwartungen: "Die Frage ist, wer überhaupt ein Interesse hat, dass sich der Spothandel entwickelt?" Ohne langfristige Verträge werde es jedenfalls nicht gehen, stellt ein Ruhrgassprecher klar: "Spotmärkte können allenfalls eine Ergänzung sein."

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