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Deutschland im Bildungsnotstand

Deutschland hat vor 30 Jahren bei internationalen Leistungsvergleichen noch schlechter abgeschnitten als bei der jüngsten Pisa-Studie.

brc DÜSSELDORF. Doch die Tatsache, dass heute fast jeder vierte Schüler nicht mehr in der Lage ist, einfache Texte zu verstehen, hat den deutschen Bildungsnotstand zum Wahlkampfthema gemacht. Das miserable Abschneiden - unter 31 Teilnehmern kam die Bundesrepublik nur auf Platz 21 - belegt, dass die Jahrzehnte lang geführte "Grundsatzdiskussion" über das Für und Wider von Gesamtschulen eine Geisterdebatte war. Wird das jetzt anders?

Zweifel sind angebracht. So strotzt der nationale Pisa-Sieger Bayern schon wieder vor selbstgefälligem Lederhosenklopfen - gleichzeitig bügelt die Union den Vorschlag des niedersächsischen Regierungschefs Gabriel (SPD), eine Höchstquote für schlecht Deutsch sprechende ausländische Kinder an Grundschulen einzuführen, als "neue Kinderlandverschickung" ab. Dabei müssten die Streithähne nur über den eigenen Tellerrand auf die Pisa-Sieger blicken: In Finnland etwa wird nur eingeschult, wer die Landessprache versteht. In Schweden und Norwegen bleiben die Schüler bis zum 10. Schuljahr zusammen, in Deutschland setzt die Auslese bereits nach der vierten Klasse ein. Ergebnis: Das deutsche System vernachlässigt die Schwächeren ohne die Starken optimal zu fördern.

In Schweden machen 70 % der Schüler Abitur, in Deutschland sind es 36 %. Außerdem verbringen skandinavische Schüler den Nachmittag in Ganztagsschulen mit Nachhilfelehrern oder in Bibliotheken. Zur gleichen Zeit gucken Millionen gelangweilte deutsche Kinder TV-Talkshows für Gehirnamputierte.

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