Deutschland im internationalen Vergleich im Mittelfeld
Deutsche Firmen schmieren weniger

Die Bereitschaft deutscher Firmen, in Schwellenländern Bestechungsgelder zu zahlen, ist nach einer Untersuchung der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International (TI) seit 1999 leicht gesunken.

Reuters BERLIN. Nach dem am Dienstag vorgelegten Schmiergeldzahler-Index erreichten deutsche Firmen einen Wert von 6,3 nach 6,2 Punkten vor drei Jahren. Damit belegten sie einen Platz im Mittelfeld unter 21 Ländern. Der von TI festgelegte ideale Wert beträgt 10,0 und weist nach Angaben der Organisation darauf hin, dass keinerlei Bestechungsbereitschaft wahrgenommen wurde. Die besten Werte in der jüngsten Untersuchung erreichten Australien (8,5) sowie Schweden und die Schweiz (je 8,4).

Ein großes Maß an Bestechung in Schwellenländern gibt es danach durch Firmen aus Russland (3,2), China (3,5), Taiwan (3,8) und Südkorea (3,9). Bestechungsgelder fließen der Untersuchung zufolge vor allem in der Baubranche sowie in der Rüstungsindustrie. TI forderte, in Deutschland müssten Gesetze konsequenter umgesetzt werden.

TI-Geschäftsführer Hansjörg Elshorst betonte, ein Verbot von Korruption sei nicht ausreichend. Dies zeige das Beispiel USA, wo es bereits seit 1976 entsprechende Gesetze gebe. Dennoch habe sich die USA auf dem Schmiergeldzahler-Index deutlich verschlechtert. Die USA träten als Vorreiter sauberer Praktiken auf, würden aber wahrgenommen als Geschäftspartner, "die ihre Erfolge durchaus mit fragwürdigen Methoden suchen".

Für Deutschland forderte Elshorst die Umsetzung des Tariftreuegesetzes, das auch die Einführung eines Zentralregisters über korrupte Unternehmen vorsieht. Diese Unternehmen sollen keine öffentlichen Aufträge mehr bekommen. Elshorst sagte, die Opposition dürfe dieses Gesetz nicht im Bundesrat blockieren. Er kritisierte, die Bundesregierung habe die Einführung des Informationsfreiheitsgesetzes in dieser Wahlperiode verhindert. "Dabei ist Transparenz, die gläserne Verwaltung, die beste Vorkehrung gegen Korruption."

Elshorst forderte, die Strafverfolgung von Korruptionsfällen müsse in Deutschland aggressiver werden. Auf kommunaler Ebene sei Korruption wegen der Verquickung von Stadtverwaltungen und Firmen ein verbreitetes Phänomen. Den CDU-Spendenskandal sowie die Kölner SPD-Affäre bezeichnete Elshorst als Ausnahmen. Der Vorsitzende von TI Deutschland, Dieter Biallas, sagte jedoch mit Blick auf Köln: "Ich glaube, dass die meisten Parteien so agieren." Er fügte hinzu: "Der nächste Skandal steht bevor in der nächsten Legislaturperiode."

Für die TI-Untersuchung wurden Führungskräfte in Unternehmen, Handelskammern und Rechnungsprüfungsfirmen in 15 Schwellenländern befragt: Argentinien, Brasilien, Indien, Indonesien, Kolumbien, Marokko, Mexiko, Nigeria, Philippinen, Polen, Russland, Südafrika, Südkorea, Thailand, Ungarn.

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