Deutschland ist ein "interessanter Ort"
Schröder wirbt um indische Studenten

Die Antwort auf eine Frage nahm der Kanzler bei seinem Treffen mit indischen Studenten schon in seinen Eingangsworten vorweg: "Ich habe die Bitte, dass Sie sich nicht von der Diskussion über Fremdenfeindlichkeit abschrecken lassen", sagte er am Montag an die etwa 500 Studenten gerichtet, die zu der Podiumsdiskussion in Neu Delhi gekommen waren.

afp NEU DELHI. "Gerade das, was Sie beizutragen haben, wird von der übergroßen Mehrheit der Menschen in Deutschland gerne akzeptiert," betonte er. Gemeinsam mit dem Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Michael Rogowski, warb Schröder nach Kräften für den Studienstandort Deutschland. Die Bundesrepublik verfüge über eines der weltweit besten Ausbildungssysteme, merkte der Kanzler ganz unbescheiden an. Nicht zuletzt deshalb hätten deutsche Qualitätsprodukte weltweit ihren Wert.

"Deutschland ist für Sie ein interessanter Ort"

Immer wieder bekräftigten Schröder und Rogowski die Vorteile eines Studiums an deutschen Hochschulen - trotz des Nachteils, der sich gegenüber den USA oder Großbritannien durch die Sprache ergibt. "Ich glaube, dass Deutschland für Sie ein interessanter Ort ist, um Ihr Wissen zu vervollkommnen", sagte der Kanzler. Im Gegenzug werde auch Indien von einem Ausbau der Zusammenarbeit profitieren. Kein anderes Land biete so eine breite Produktpalette an wie Deutschland, pflichtete ihm Rogowski bei. In allen, so auch in seiner Branche des Maschinenbaus, stecke auch Informationstechnologie. "Wer studiert und zurückgeht, kann aus keinem Land so viel mitnehmen wie aus Deutschland," so Rogowski.

Aber auch das Dableiben soll künftig erleichtert werden, sagte Schröder an die Adresse seiner Zuhörer im Saal gerichtet. Das neue Zuwanderungsgesetz werde es ausländischen Studenten ermöglichen, nach dem Studium für eine Weile im Land zu bleiben. «Wer in Deutschland studiert, wird auch in Deutschland arbeiten können», betonte er. Derzeit gehen rund 1400 indische Studenten an deutsche Universitäten. Nicht sehr viele, räumte der Rektor der Technischen Hochschule Karlsruhe, Sigmar Wittig, ein. Aber er verwies darauf, dass die Zahl kontinuierlich steige - ebenso wie die Zahl der deutschen Studenten, die nach Indien gehen.

Wer sich im Zeitalter der Globalisierung nicht offen erweise für Eliten, falle zwangsläufig zurück, mahnte Schröder und betonte: "Wir sind sehr daran interessiert, unser Land zu internationalisieren". Und Rogowski verwies darauf, dass schon aufgrund des Geburtenrückgangs Deutschland auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen sei, um die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft und das teure Sozialsystem zu erhalten.

Indische Studenten lobten BRD als Gastland

Die vier indischen Studenten auf dem Podium, die in Deutschland studierten oder studieren, lobten denn auch das Gastland nach Kräften. Er habe sehr gute Erfahrungen gemacht, sagte Namit Gupta, der in Erlangen Ingenieurwissenschaften studierte. Gupta pries vor allem die deutsche Arbeitsweise, die ein konzentriertes und effektives Arbeiten ermögliche.

Wirtschaft und Wissenschaft waren die beiden großen Themen zum Auftakt der ersten Indienreise Schröders - auch nach den Terroranschlägen vom 11. September. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass nach den Attentaten Ängste erwachsen, "die uns lähmen, die unsere Volkswirtschaften schwächen", hatte der Kanzler bereits am Vormittag betont, als er bei der Eröffnung eines deutsch-indischen Wirtschaftsforums sprach.

Während er zu Hause von Prognosen einer drohenden Rezession geplagt wird und die Konjunkturdaten nach unten korrigieren muss, dürfte er die schmeichelnden Worte der indischen Wirtschaft mit Freude vernommen haben. Es sei selten, einen politischen Führer von seiner Statur zu finden, lobte der Präsident der indischen Industrie- und Handelskammer, Chirayu Amin. Und sprach gar von einem "historischen Besuch" des Kanzlers in Indien.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%