Deutschland ist keine führende Sportnation mehr
Vergängliche Ansprüche

Zurückrudern ist noch keine olympische Disziplin, aber die deutschen Sportfunktionäre sollten sie dringend trainieren. Die Spiele in Athen werden zeigen, dass die Messlatte des deutschen Sports auf Jahre hinaus deutlich nach unten korrigiert werden muss.

Zurückrudern ist noch keine olympische Disziplin, aber die deutschen Sportfunktionäre sollten sie dringend trainieren. Wer im Vorfeld der Spiele in der Öffentlichkeit derart hohe Erwartungen weckt, sollte sich nicht wundern, wenn sich die Medien darauf einstellen. Ohne Not hat Ulrich Feldhoff, Vizepräsident des Deutschen Sportbundes, Platz drei im Medaillenspiegel zum höchsten aller Ziele erklärt.

Von einem "Debakel" der deutschen Olympia-Mannschaft ist nun allmählich die Rede, nachdem die einst führende Sportnation im aktuellen Medaillenspiegel nur unter ferner liefen notieren. Dabei werden erst jetzt, da auch Franziska van Almsicks großer Goldtraum im Schwimmbecken geplatzt ist, die Wellen erstmals richtig hoch schlagen.

Die ersten Olympiatage bestätigen einen Trend, der im Grunde seit Atlanta 1996 nach unten zeigt: Die An-sprüche auf deutsches Edelmetall sind vergänglich, zumal andere, früher kaum beachtete Nationen schnell aufholen. Es wird immer schwerer, all jene Goldmedaillen zu verteidigen, für die in erster Linie Athleten aus der früheren DDR verantwortlich waren. Viele dieser Topstars haben sich in den sportlichen Ruhestand verabschiedet, ihre Nachfolger kommen nicht mehr an deren Leistungsniveau heran.

Die Spiele in Athen werden zeigen, dass die Messlatte des deutschen Sports auf Jahre hinaus deutlich nach unten korrigiert werden muss. Das ist eine bittere, aber notwendige Erkenntnis. Sie verhindert, dass in Deutschland immer neue Gold-Hoffnungen geschürt werden, die ein Team ohne nachwachsende Superstars ohnehin nicht mehr einlösen kann.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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