Deutschland-Sparte fehlen heimische Künstler
Sony Music sucht Synergien

Sony Music leidet unter rückläufigen CD-Verkäufen. Der deutsche Markt ist besonders hart betroffen "Wir müssen das Geschäft neu erfinden", sagt nun Deutschlandchef Balthasar Schramm.

BERLIN. Als Thomas Mottola Anfang des Jahres in New York überraschend gehen musste, war allen klar, dass seinen Chefs in Tokio der Geduldsfaden gerissen war. Dem legendären Musikmanager, der bei Sony Music die Karrieren von Stars wie Michael Jackson, Celine Dion oder Mariah Carey gemacht hat, war es nicht gelungen, Antworten auf die Probleme des drittgrößten Musikunternehmens der Welt zu finden. Das Geschäft läuft schlecht, in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres hatte Sony Music 1,7 Mrd. $ (-8 %) umgesetzt. Das operative Ergebnis brach ein, während der Rest des Konzerns Gewinnsteigerungen meldet. Jetzt soll TV-Manager Andrew Lack das Geschäft aufräumen. Er hatte auch aus dem 100-Mill. $-Verlustbringer NBC News einen profitablen Sender gemacht.

Lack will die traditionell autarke Sony Musiksparte wieder fest in das Konzernnetz einbinden, um mehr Synergien zwischen Entertainment und Hardware zu ermöglichen. Ein Vorhaben, das bei Deutschlandchef Balthasar Schramm auf offene Ohren stößt. Schramm ist von der Krise besonders betroffen: Der deutsche CD-Markt verlor letztes Jahr über 11 %. Nicht nur die Verkäufe im Weihnachtsmonat Dezember sind um 25 % eingebrochen, auch die Januarzahlen waren vernichtend. Sony Music, sagt Schramm im Gespräch mit dem Handelsblatt, konnte sich dem nicht entziehen. Für das laufende Geschäftsjahr (zum 31. März) erwartet Finanzvorstand Olaf Bölter ein Umsatzminus von 8 bis 10 %, operativ schreibe man schwarze Zahlen.

Die Zahlen unterstreichen die Dramatik der Branche. Im Vorjahr hat Sony Music Deutschland rund 240 Mill. Euro umgesetzt. Noch Mitte 2002 erwartete Schramm für das Jahr ein Umsatzplus von 6 bis 7 %. Als Reaktion auf den Umsatzrückgang hat das Unternehmen 20 % Personal abgebaut. Man werde sich weiter "der Entwicklung des Marktes anpassen" müssen, so Schramm. Größeren Personalabbau soll es 2003 aber nicht geben.

Ein Problem liegt im Bereich der heimischen Künstler. Während Universal Music (BroSis, No Angels) oder BMG ("Superstars") durch TV-Kooperation Millionenseller produzieren, musste Sony (Die Fantastischen Vier) ohne Schützenhilfe auskommen. Zwar konnte der Anteil heimischer Musik laut Schramm verdoppelt werden, aber das ist erst ein Anfang. Letztes Jahr lag er bei 10 %, der Branchenschnitt lag da schon bei 40 %. Lokale Produktionen gelten als sehr profitabel, weil hier die Musikfirma als Rechteinhaber selbst an den Ergebnissen "drehen" kann. Immerhin verzeichne der Musikverlag, bei dem die Rechteauswertung eigener Titel liegt und der 11 % des Gesamtumsatzes ausmacht, steigende Erlöse.

"Wir müssen das Geschäft neu erfinden", ist Schramm überzeugt. Er setzt sich für eine gemeinsame Digitalplattform der Musikindustrie ein und will mehr Preisdifferenzierung. "Wir brauchen die Taschengeld-CD", fordert Schramm. Sie soll kleiner und billiger sein (bis 3,50 Euro) als eine normale CD. Mit dieser Forderung bewegt sich Schramm ganz auf der Linie der Fachhandels, der laut Michael Huchthausen vom Fachverband Tonträger immer mehr Umsatz einbüßt und sich so neue Impulse erhofft.

Zusammen mit dem funktionierenden Onlinehandel ergäben sich völlig neue Geschäftsideen. So könne man sich vorstellen, dass der Onlinekäufer eines Hits einen Rabatt bekommt, wenn er später im Laden das ganze Album kauft. Oder Musik als Zugpferd für den Verkauf von Sony-Handys oder Multimedia-PC. In schweren Zeiten muss man halt zusammenhalten.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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