Deutschland überwintert als Gruppen-Erster
Klose bewahrt DFB-Team vor Blamage

Mit seinem ersten Länderspiel-Tor nach 625 Minuten hat Miroslav Klose die deutsche Nationalmannschaft vor einer großen Blamage gegen den Fußball-"Zwerg" Färöer bewahrt.

HB/dpa HANNOVER. Der erlösende Treffer des Lauterers (59.) am Mittwoch in Hannover zum 2:1 (1:1)-Endstand gegen den krassen Außenseiter im EM-Qualifikationsspiel konnte nicht über die streckenweise peinliche Vorstellung des Vizeweltmeisters vor 36 000 Zuschauern hinwegtäuschen.

Dabei hatte der überragende Michael Ballack die deutsche Mannschaft schon nach 99 Sekunden mit seinem 12. Länderspiel-Tor per Foulelfmeter früh in Front gebracht. Färöers Kapitän Oli Johannesen hatte schon nach 48 Sekunden Carsten Jancker im Strafraum gelegt. Die wackeren Gäste kamen Sekunden vor der Pause zum Ausgleich durch ein Eigentor des Berliners Arne Friedrich und bestraften die Deutschen für die schwache Leistung, mit der sie an die desolate Vorstellung fünf Tage zuvor beim Remis in Bosnien-Herzegowina anknüpften. In der 83. Minute hatten die Gastgeber sogar Glück, als Hjalgrim Elttoer nur den Pfosten traf.

Vor dem nächsten Qualifikationsspiel am 29. März in Nürnberg gegen Litauen führt der Vizeweltmeister die Gruppe 5 mit der optimalen Ausbeute von 6 Punkten vor Schottland (4 Punkte) an. Platz drei belegt Island (3), das Litauen (3) mit 3:0 bezwang. Schlusslicht sind die Färöer (1).

"Wir sind jetzt wieder ein bisschen auf dem Boden der Tatsachen. Da müssen wir durch.", meinte Rudi Völler, der 26 Monate zuvor an gleicher Stätte mit 4:1 gegen Spanien sein glänzendes Debüt als deutsche Teamchef hatte. "Ich will nichts schönreden. Aber mir vorher klar, dass hier außer drei Punkte nichts zu gewinnen ist." Ballack gestand ein: "Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht." Kapitän Oliver Kahn meinte nur kurz: "Runterputzen und drei Punkte."

Im Vergleich zum peinlichen Remis in Sarajewo konnte Völler in Hannover wieder auf die wiedergenesenden Ballack und Dietmar Hamann zurückgreifen. Arne Friedrich ersetzte in seinem ersten Pflichtspiel im Nationaltrikot seinen verletzten Hertha-Clubkollegen Marko Rehmer auf der rechten Seite in der Viererkette. Vor allem die Rückkehr des Müncheners Ballack tat dem deutschen Spiel zunächst gut. Der "Fußballer des Jahres" war von Beginn an Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeld und war beinahe an jeder gefährlichen Aktion des DFB-Teams beteiligt.

Doch seine Ideen alleine reichten nicht aus, um zum erhofften Schützenfest gegen die Färinger zu kommen. Die frühe Führung nach 99 Sekunden durch Ballacks zwölftes Länderspiel-Tor ließ die deutsche Mannschaft selbstgefällig und pomadig werden. Zu wenig wurde über die Außenpositionen gespielt. Lediglich in den ersten 15 Minuten brachten die Deutschen die Gäste in Verlegenheit. Der Dortmunder Torsten Frings (13.) und Jancker (16.) vergaben beste Möglichkeiten zum 2:0. Doch danach lief nicht mehr viel. Ballack erhielt kaum Unterstützung von seinen Mittelfeld-Kollegen Hamann und Jens Jeremies. Im Sturm agierte Klose zunächst unglücklich. Janckers Chancenverwertung ließ ebenfalls viele Wünsche offen.

Die Färinger, die erst seit 1990 beim europäischen Verband UEFA gemeldet sind, zeigten, dass das 2:2 gegen Schottland Anfang September kein Zufall war. Ihr dänischer Trainer Henrik Larsen hatte sie taktisch klug eingestellt. Mit großer Kampf- und Laufbereitschaft machten sie in ihrer eigenen Hälfte die Räume für die Deutschen eng. Je länger das Spiel dauerte, desto mutiger spielten die Feierabend- Kicker auch nach vorn. Andrew Flötum prüfte in der 17. und 19. Minute Oliver Kahn. Möglichkeiten für die Deutschen wie von Christian Wörns (26.) und Klose (27.) entwickelten sich mehr per Zufall. Für ihr verhaltenes Spiel bekamen die Gastgeber kurz vor dem Pausenpfiff die verdiente Quittung, als Friedrich die Flanke von Jakup Borg, der auch beide Treffer gegen die Schotten vorbereitet hatte, zum Schrecken seiner Mannschafts-Kollegen ins eigene Netz versenkte. "Das war unglücklich. Aber ich werde mich nicht davon unterkriegen lassen", sagte der Unglücksrabe.

Teamchef Völler reagierte in der Halbzeit. Der angeschlagene Abwehrchef Carsten Ramelow blieb in der Kabine. Jeremies übernahm seine Position. Der Bochumer Paul Freier rückte ins rechte Mittelfeld, um mehr Druck über die Außen zu machen. Bernd Schneider spielte hinter den Spitzen. Und der Erfolg stellte sich bald ein - vor allem dank des 23-jährigen Freiers. Zunächst verpasste erneut Ballack die Führung (53.), als er aus 10 m nur den Pfosten traf. Nach einer Flanke von Freier war Klose zur Stelle und überwand endlich seine Ladehemmung. Doch das Spiel der Deutsche wurde nicht besser. Am Ende mussten sie noch froh sein, dass sie nicht den Ausgleichstreffer kassierten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%