Deutschland und die USA begrüßten den Beitritt
Jugoslawien tritt Stabilitätspakt für Südosteupa bei

Mit seinem Beitritt zum Stabilitätspakt für Südosteuropa ist Jugoslawien am Donnerstag wieder in die internationale Gemeinschaft aufgenommen worden.

Reuters BUKAREST. Mit seinem Beitritt zum Stabilitätspakt für Südosteuropa ist Jugoslawien am Donnerstag wieder in die internationale Gemeinschaft aufgenommen worden. Der Koordinator des Pakts, Bodo Hombach, überreichte dem jugoslawischen Sondergesandten Goran Svilanovic symbolisch einen großen goldenen Schlüssel, um die Bedeutung der Zulassung nach dem Sturz von Präsident Slobodan Milosevic zu unterstreichen. Deutschland und die USA begrüßten den Beitritt. Das UNO-Flüchtlingswerk (UNHCR) forderte unterdessen dringend benötigte Hilfen für das Land, da 700 000 Flüchtlingen in Jugoslawien ein "brutaler Winter" bevorstehe.

Hombach sagte in der rumänischen Hauptstadt Bukarest, die internationale Gemeinschaft ergreife die ausgestreckte Hand des jugoslawischen Volkes, das gegen Milosevic und für die Demokratie gestimmt habe. Svilanovic begrüßte das Ende der Isolation seines Landes und sagte, Jugoslawien habe einen "hohen Preis an Menschenleben" gezahlt, um den Virus des Nationalismus auszukurieren. Er bezog sich auf die Kriege mit ehemaligen jugoslawischen Republiken Bosnien und Kroatien und auf den Krieg in der südserbischen Provinz Kosovo im vergangenen Jahr. Das jugoslawische Volk fühle sich den Richtlinien und Prinzipien des Stabilitätspakts verpflichtet, sagte der Sondergesandte weiter.

Der Pakt soll nach dem Kosovo-Krieg den Wiederaufbau der Balkan-Region und gutnachbarschaftliche Beziehungen zwischen den dortigen Staaten fördern.

Hombach sagte, die von der Europäischen Union (EU) zugesagte Soforthilfe für Jugoslawien im Umfang von fast 400 Mill. DM werde nicht zu Lasten der Finanzhilfe für andere Staaten in der Region gehen. Alle Versprechen des Paktes an die einzelnen Balkanstaaten würden eingehalten. Es gebe also keinen Anlass zu Rivalitäten. Auf seiner nächsten Konferenz am 14. November werde der Pakt über die Finanzierung wichtiger Rekonstruktionsprojekte beraten, sagte Hombach, nannte aber keine Einzelheiten.

US-Präsident Bill Clinton teilte in Washington mit, das Ausland werde die neue demokratische Regierung in Jugoslawien unterstützen, sofern diese wirtschaftliche und politische Reformen durchsetze, internationale Verpflichtungen einhalte und zusammen mit seinen Nachbarländern die Stabilität der Region fördere.

Bundesaußenminister Joschka Fischer erklärte in Berlin, die Bundesregierung begrüße die wichtige und schnelle Entscheidung zur Aufnahme Jugoslawiens in den Pakt. Der von Deutschland mit initiierte Ansatz für regionale Kooperation in Südosteuropa habe sich bewährt, wie die Entwicklung zeige. Der Pakt sei der beste Rahmen zur gemeinsamen Nutzung der sich nun bietenden Chancen für alle Länder der Region.

Milosevics Nachfolger Vojislav Kostunica hatte am Mittwoch bei einem Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschef der anderen Balkanstaaten in Mazedonien erklärt, die Regierung in Belgrad sei auf Zusammenarbeit und nicht mehr auf Konflikt aus.

Jugoslawien braucht nach UNHCR-Angaben dringende Finanzhilfen, damit die Flüchtlinge der Bosnien- und Kosovo-Kriege den Winter während der politischen Übergangsphase überleben können. Das UNHCR-Budget für die jugoslawischen Republiken Serbien und Montenegro sei wegen rückgängiger Spenden von 65 auf 37,5 Mill. $ (von etwa 153 auf 88 Mill. DM) zurückgegangen. Soforthilfe in Höhe von 20 Mill. $ würde unter anderem benötigt für 55 000 Decken, 8000 Öfen und 120 000 Hygiene-Pakete.

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