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Deutschland und Frankreich nehmen Atommüll-Transporte wieder auf

Nach mehrjährigem Stopp wollen Deutschland und Frankreich die Atommüll-Transporte zwischen beiden Ländern wieder aufnehmen.

adx BERLIN. Nach mehrjährigem Stopp wollen Deutschland und Frankreich die Atommüll-Transporte zwischen beiden Ländern wieder aufnehmen. Darauf verständigten sich Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Frankreichs Premierminister Lionel Jospin, wie die Bundesregierung am Donnerstag in Berlin mitteilte. Bei den Grünen hielt derweil die Debatte über die Haltung der Partei zu den Castor-Transporten weiter an.

Ein erster Rücktransport von deutschem Atommüll aus der französischen Wiederaufarbeitungsanlage im französischen La Hague soll nach Angaben der Bundesregierung Ende März oder Anfang April stattfinden. Damit könnten auch die Transporte abgebrannter Brennelemente aus deutschen Kernkraftwerken in die französische Aufbereitungsanlage wieder aufgenommen werden.

Nach Einschätzung von Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) werden in den kommenden zehn Jahren jährlich zwei Atomtransporte aus Frankreich nach Gorleben rollen. Es sei vorgesehen, in diesem Zeitraum den gesamten Atommüll, den die alte Bundesregierung ins Ausland verschoben habe, schrittweise zurückzuholen.

Führende Grünen-Politiker wandten sich unterdessen gegen Befürchtungen, der Partei drohe wegen der Wiederaufnahme der Transporte eine Zerreißprobe. Die Energieexpertin der Grünen-Bundestagsfraktion, Michaele Hustedt, räumte ein, dass es innerhalb der Partei eine Diskussion gebe, inwieweit sich die Grünen vor Ort an Blockaden und Demonstrationen beteiligen werden. Die Partei werde "diese nicht ganz einfache Frage solidarisch miteinander durchstehen". Natürlich würden die Grünen jederzeit deutlich machen, dass sie die Atomenergie ablehnen. Es sei aber klar gewesen, "dass die Transporte aus La Hague wieder rollen werden".

Thüringens Grünen-Chefin Astrid Rothe verwies darauf, dass die Landesvorstände der Partei vereinbart hätten, gegen die Transporte zu demonstrieren, sie aber nicht zu blockieren. Der Parteirat der Grünen hatte sich in einer Resolution gegen Blockaden ausgesprochen.

Die designierte Grünen-Vorsitzende Claudia Roth unterstützte diese Linie. Sie sprach sich grundsätzlich für die Teilnahme an Demonstrationen aus. Damit unterstreiche die Partei die Notwendigkeit eines endgültigen Ausstiegs aus der Atomenergie. Roth warnte aber davor, die anstehenden Transporte aus La Hague nach Gorleben zu blockieren. Diese seien Teil des Atomkonsenses, der nicht in Frage gestellt werden dürfe.

Die Energiewirtschaft pochte auf eine langfristige Absicherung. Für den Weiterbetrieb der Kernkraftwerke seien die Castor-Transporte in die Zwischenlager so lange notwendig, bis die Lagerung an den Standorten rechtssicher und zuverlässig funktioniere, sagte der neue Präsident des Deutschen Atomforums, Gert Maichel.

Bei dem für Ende März/Anfang April geplanten Transport aus Frankreich handelt es sich nach Angaben des niedersächsischen Innenministeriums um sechs Castor-Behälter mit hochradioaktivem Atommüll. Das Polizeiaufgebot werde ähnlich groß sein wie beim letzten Castor-Transport 1997, sagte ein Ministeriumssprecher. Damals waren nach Angaben des Ministeriums bundesweit 30 000 Polizisten im Einsatz.



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