Deutschland unter dem Durchschnitt
EU-Kommissar fordert mehr Technologie in Industrie

Deutschlands Industrie muss nach Auffassung von EU-Kommissar Erkki Liikanen stärker als bisher auf moderne Technologien setzen.

dpa BRÜSSEL. "Was Deutschland mehr und mehr braucht, ist ein stärkeres Zusammenwirken der traditionellen Industrien mit modernen Kommunikationstechnologien", sagte Liikanen bei der Vorstellung seines Berichts zur Wettbewerbsfähigkeit 2002 am Donnerstag in Brüssel. Viele Unternehmen hätten sich bereits in diese Richtung entwickelt. Dies müsse aber weiter gefördert werden, sagte der für Unternehmen und Informationsgesellschaft zuständige Kommissar.

Liikanens Bericht weist für die Produktivität in Deutschland einen Rückstand gegenüber dem EU-Durchschnitt aus. Im vergangenen Jahr hätten die 15 EU-Staaten zusammen 78 Prozent der Arbeitsproduktivität in den USA erreicht, Deutschland lag mit 74 Prozent noch darunter. Die geringere EU-Produktivität erklärte der Industriekommissar mit der höheren Beschäftigungsquote in Europa. Ein Hauptgrund für den Rückstand der Bundesrepublik seien die andauernden wirtschaftlichen Probleme in Ostdeutschland. "Das ist eine enorme Belastung", sagte das Kommissionsmitglied.

Zur Erhöhung der europäischen Wettbewerbsfähigkeit müsse Deutschland wie die übrigen EU-Staaten strukturelle Reformen anpacken, verlangte Liikanen. Forschung und Ausbildung müssten ebenso gefördert werden wie die Nutzung neuer Technologien. Der Kommissar sprach sich zudem für eine weitere Liberalisierung der Märkte und den Abbau von Subventionen aus. Allerdings könnten in einzelnen Sektoren noch staatliche Beihilfen nötig sein. Deshalb habe die Kommission beispielsweise Zuschüsse für das Infineon-Halbleiterwerk in Sachsen genehmigt, erklärte der Kommissar.

Bessere Leistungen als die US-Konkurrenz erziele die europäische Industrie auf dem Gebiet des Umweltschutzes, lobte Liikanen. Er bezifferte die entsprechenden Kosten für die Wirtschaft auf 32 Milliarden Euro jährlich. Wichtig sei ein gerechter Ausgleich zwischen wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Interessen. Dies versuche die Kommission derzeit in der Chemiepolitik, was wiederum die Bundesrepublik besonders berühre: Die chemische Industrie sei vor allem in Deutschland ein großer Arbeitgeber, betonte Liikanen.

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