Deutschland verzichtet auf Auslieferung
USA wollen El-Kaida-Terroristen rasch vernehmen

US-Außenminister Colin Powell hat die Festnahme des mutmaßlichen El-Kaida-Terroristen Ramzi Binalshibh als "ziemlich großen Fang" bezeichnet.

dpa WASHINGTON. In einem Interview mit dem Fernsehsender CNN ging Powell am Sonntag jedoch nicht direkt darauf ein, ob die USA die Auslieferung des mutmaßlichen Drahtziehers der Anschläge vom 11. September verlangen werden. Binalshibh war am vergangenen Mittwoch in Karachi von pakistanischen Sicherheitskräften festgenommen worden. "Ich bin sicher, dass wir uns Zugang zu ihm verschaffen und ihn unter unsere Kontrolle bringen wollen", sagte Powell. Er nannte Binalshibh einen "dicken Fisch".

Auch von den deutschen Behörden wurde Binalshibh mit internationalem Haftbefehl gesucht. Innenminister Otto Schily hatte jedoch bereits am Sonntag angekündigt, dass man zu Gunsten der USA auf seine Auslieferung verzichten wolle, wenn Washington dies ebenfalls beantrage. Die Entscheidung nannte er "ein Gebot der Fairness und der Solidarität gegenüber den USA".

"Nur wenn die USA verzichten, dann kämen wir zum Zuge", sagte Schily. "Denn selbstverständlich sind die USA von den schrecklichen Attentaten am stärksten betroffen". Deshalb verstehe es sich von selbst, dass sie den ersten Zugriff haben, sagte der Minister weiter und vollzog damit eine Kehrtwende: Noch am Samstag hatte er angekündigt, dass Deutschland die Auslieferung Binalshibhs beantragen werde.

Internationaler Haftbefehl wegen "mehrtausendfachen Mordes"

Schon kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hatte Generalbundesanwalt Kay Nehm einen internationalen Haftbefehl "wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, des mehrtausendfachen Mordes und anderer schwerer Straftaten" gegen Binalshibh erwirkt. Der 30-jährige Jemenite hatte sich in Hamburg mit dem Kamikazepiloten Mohammed Atta eine Wohnung geteilt. Er soll die Anschläge mitgeplant und später von Hamburg aus logistisch unterstützt haben, nachdem ihm die Einreise in die USA verweigert worden war.

Am vergangenen Mittwoch, dem Jahrestag der Anschläge, war Binalshibh zusammen mit elf Komplizen in der pakistanischen Hafenstadt Karachi gefasst worden. Seine Festnahme, die erst am Wochenende bekannt wurde, gilt als größter Schlag gegen das Terrornetzwerk von Osama bin Laden seit der Festnahme seines Militärchefs Abu Subaida im März in Pakistan.

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