Deutschland will 73 Maschinen kaufen
Militär-Airbus kostet 230 Millionen Mark

Das neue europäische Militärtransportflugzeug Airbus A400M soll nach Angaben aus Industriekreisen rund 230 Mill. DM kosten. "Wenn wir alles zusammennehmen - Grundsystempreis, Ersatzteile, Training, Simulatoren und auch Mehrwertsteuer - kommen wir auf diese Größenordnung", erfuhr Reuters am Dienstag aus Industriekreisen.

Reuters BERLIN. Beschafft Deutschland wie von der Bundesregierung geplant 73 Maschinen des Transportflugzeugs, wären dafür 16,8 Mrd. DM nötig. Die Verträge zur Entwicklung und Beschaffung des Flugzeuges sollen nach Angaben eines Sprechers des Verteidigungsministeriums am frühen Dienstag abend in Brüssel unterzeichnet werden.

Am Rande einer NATO-Verteidigungsministerkonferenz sollen drei Vereinbarungen unterschrieben werden: Ein Regierungsabkommen zur Entwicklung und zum Bau des Flugzeuges, ein Mandat für die europäische Rüstungsagentur OCCAR zum Management des Projekts und der Vertrag OCCARs mit der Airbus Military Company.

Deutschland ist größter Einzelkunde

Konkret geplant und damit die wirtschaftliche Basis für die Entwicklung des neuen Flugzeuges ist die Beschaffung von 196 Flugzeugen. Größter Einzelkunde soll Deutschland mit 73 Maschinen werden. Daneben wollen auch Frankreich, Großbritannien, Spanien, die Türkei, Belgien, Portugal und Luxemburg das neue Transportflugzeug für ihre Streitkräfte beschaffen.

Italien werde die Verträge nicht unterzeichnen, hieß es weiter. Die Industrie hatte allerdings wiederholt die Hoffnung geäußert, dass auch Italien früher oder später bestellt, wenn Deutschland die lange offenen Fragen etwa zum Preis lösen kann. Allerdings hatte Airbus-Chef Noel Forgeard sich kürzlich skeptisch geäußert, dass Italien doch noch zur Beschaffergruppe für das neue Flugzeug stoßen werde. "Ich denke, es ist gibt nur noch wenig Hoffnung, dass Italien dem A400 M- Programm beitreten wird", hatte er erklärt.

Der Preis basiert auf der vereinbarten Beschaffungszahl

Nach Angaben aus Industriekreisen wird der Industrievertrag vermutlich auch Unwägbarkeiten abdecken, die von Deutschland herrühren. Zum einen stehe die deutsche Vertragsunterzeichnung unter dem Vorbehalt, dass das Parlament im Frühjahr 2002 die noch ausstehende Zustimmung zur Beschaffung der 73 Maschinen auch erteilt. Falls Deutschland letztlich doch weniger als die geplanten 73 Maschinen abnehmen sollte, kämen auf den Bund wohl zusätzliche Kosten zu, hieß es in Branchenkreisen. Der vereinbarte Preis basiere auf der von den Partnern genannten Beschaffungszahl. Würden weniger Flugzeuge abgenommen, verteuere sich der Preis je Maschine für alle acht Kunden. Diese Zusatzlasten werde dann wohl Deutschland übernehmen müssen.

Der A400 M wäre Airbus' erstes Militärflugzeug

Bislang sind über Verpflichtungsermächtigungen im deutschen Haushalt nur zehn Mrd. DM für den A400 M vorgesehen. Die ausstehenden rund sieben Milliarden Mark sollen in künftigen Haushalten aufgebracht werden. Deutschland hatte bis zuletzt noch über einen geringeren Preis für das Flugzeug verhandelt. Die Industrie hatte jüngst vorgeschlagen, die Entwicklungskosten für das Flugzeug über Dritte, vermutlich Banken, vorzufinanzieren.

Der A400 M soll das erste Militärflugzeug sein, das unter dem Dach des bislang nur im Zivilbereich tätigen europäischen Flugzeugherstellers produziert wird. Das Projekt soll nach Angaben aus Industriekreisen europaweit rund 40 000 Stellen in der Branche sichern. Der A400 M-Auftrag wäre der bislang größte in der jungen Geschichte des im vergangenen Jahr gegründeten europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS. Die EADS ist Hauptaktionär bei Airbus, die britische BAE Systems Minderheitsaktionär.

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