Deutschland will Umweltziel mit Klimaschutzprogramm erreichen
Studie warnt vor Klimakollaps

Die 1997 in Kyoto vereinbarten Maßnahmen zum Klimaschutz reichen nach einer neuen Studie nicht aus, um weltweit den Klimawandel zu verlangsamen. Die Bundesregierung hatte vor einigen Wochen errechnet, noch nicht einmal das Ziel von Kyoto erfüllen zu können und aus diesem Grund ein neues Klimaschutzprogramm beschlossen.

ap/HB KASSEL/DÜSSELDORF. "Geschieht langfristig nicht mehr als 1997 im Kyoto Protokoll vereinbart, so könnten sich die globalen Emissionen bis Mitte des Jahrhunderts verdoppeln und bis 2100 verdreifachen", sagte Professor Joseph Alcamo am Montag in Kassel bei der Vorstellung der Studie des Wissenschaftlichen Zentrums für Umweltsystemforschung an der Universität Kassel. Die Wissenschaftler gehen nach ihren Berechnungen davon aus, dass der Meeresspiegel trotz Einhaltung aller bisherigen Stabilisierungsziele um 30 Zentimeter steigen wird. Für Bewohner kleiner Inselstaaten sei der ständige Anstieg des Meeresspiegels existenzbedrohend. "Wir erzeugen heute die Treibhausgase, die in 50 bis 100 Jahren klimawirksam sind", sagte Alcamo. Die Emissionen insbesondere der Industrieländer, müssten daher künftig kontrolliert werden, um das Weltklima zu stabilisieren.

Selbstverpflichtung der Wirtschaft im Klimaschutzprogramm

Trotz der bisher verabschiedeten Gesetze und Förderungen werde die Regierung ihr Ziel um 70 Mill. Tonnen Kohlendioxid verfehlen, errechnete das Bundesumweltministerium. Maßnahmen wie die ökologische Steuerreform, das Erneuerbare-Energien-Gesetz oder die Förderung schwefelarmer Kraftstoffe hätten bisher nicht zu einem ausreichenden Rückgang der klimaschädlichen Emissionen geführt. Aus diesem Grund legte die Bundesregierung Mitte Oktober ein neues Klimaschutzprogramm auf.

Die deutsche Wirtschaft beteiligte sich mit einer Selbstverpflichtung am Klimaschutzprogramm. 19 Spitzen- und Fachverbände sagten zu, bis 2005 den Kohlendioxidausstoß um 28 % zu verringern und 35 % der Treibhausgasemissionen zu vermeiden. Teil des Klimaschutzprogramms ist auch der Entwurf einer Energiesparverordnung, um den Energiebedarf von Neubauten um rund 30 % zu senken. Die Verordnung soll noch im Herbst vom Bundeskabinett verabschiedet werden und muss danach vom Bundesrat bestätigt werden.

Außerdem sollen mit Hilfe des Klimaschutzprogramms alte Gebäude besser isoliert werden, zudem sollen Verkehrsbelastungen reduziert werden. Bis zu 25 Mill. Tonnen Kohlendioxid (CO2) können nach Schätzung des Bundesministeriums beim Gebäudebestand gespart werden. Die Bundesregierung stellt für die Sanierung alter Gebäude insgesamt 1,2 Mrd. DM bereit, die über die Kreditanstalt für Wiederaufbau als zinsgünstige Kredite vergeben werden.

Der Bereich Verkehr soll bis 2005 20 Mill. Tonnen CO2 sparen. Den Ausbau des Schienenverkehrs will die Regierung mit 6 Mrd. DM fördern. Für schwere LKW´s ist ab 2003 eine streckenunabhängige Autobahngebühr vorgesehen. Flugzeuge müssen eine Landegebühr zahlen, die vom Schadstoffausstoß abhängig ist. Die Kfz-Steuer soll für "Fünf-Liter-Autos" sinken. Autofahrer will die Regierung mit einer Kampagne über umweltschonendes Autofahren aufklären.

Verkehr produziert 11 Prozent mehr Kohlendioxid als 1990

Seit 1990 hat die Bundesrepublik nach Angaben des Bundesumweltamtes erst 15,3 % der CO2-Emission und rund 18,5 % der Treibhausgase einsparen können. Und daran in maßgeblich der Bankrott der ostdeutschen Schwerindustrie nach der Wiedervereinigung beteiligt. So konnte die Industrie zwischen 1990 und 1998 die CO2-Emissionen um 31 % senken, die Energiewirtschaft reduzierte die Schadstoffemissionen um über 16 %. Allerdings legten die privaten Haushalte im selben Zeitraum um 6 % zu. Der CO2-Ausstoß wuchs beim Verkehr sogar um 11 %. Deutschlands Kohlendioxidausstoß lag 1999 bei rund 860 Mill. Tonnen. Das entspricht 30 % der EU-weiten und 4 % der globalen CO2-Emission. Der Anteil von Industrie und Verkehr an der deutschen CO2-Emission liegt zurzeit bei je ca. 20%. Die privaten Haushalte kommen auf einen Anteil von ca. 30 %. Ebenfalls rund 30 % der CO2-Emission wird bei der Strom- und Wärmeerzeugung erzeugt.

Deutschland verfolgt ehrgeizige Klimaschutzziele

Deutschland ist auf der Klimaschutzkonferenz in Berlin von 1995 die Verpflichtung eingegangen, den Kohlendioxid-Ausstoß zwischen 1990 und 2005 um mindestens 25 % zu verringern. Zusätzlich will die Bundesregierung auch die Verpflichtung der 3. Klimaschutzkonferenz in Kyoto erfüllen. Danach sollen auch die anderen Treibhausgasemissionen um 21 % gegenüber 1990 bis 2008/2012 verringert werden.

Weitere Informationen zur 6. Klimaschutzkonferenz in Den Haag:
COP 6 World Conference Climate Change - Den Haag 2000
Die offizielle Website zur Klimaschutzkonferenz in Den Haag
cop6.unfccc.int

United Nations Framework On Climate Change (UNFCCC):
Organisator und Informationszentrum der Klimaschutzkonferenz
www.unfccc.de

Grünbuch der EU zum Treibhaus-Emissionsrechtehandel
europa.eu.int/comm/environment/docum/0087_en.htm

Dazu auch der Bereich des Ausschuß für Forschung, technologische Entwicklung und Energie
www.europarl.eu.int/dg1/a4/de/a4-97/a4-0168.htm

United States Initiative on Joint Implementation: Informationsseiten der amerikanischen Initiative zur Senkung der Treibhausemissionen
www.gcrio.org/usiji

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