Deutschlands älteste Universitätsstadt im Porträt
Studieren in Heidelberg: Romantik zwischen Rhein und Neckar

Mit der Ruprecht-Karls-Universität verfügt Heidelberg über die älteste Hochschule in Deutschland. Doch die Uni sieht sich nicht nur alten Traditionen verhaftet, sondern will die Zukunft mitgestalten.

"Isn?t it Romantic" ist der Standardkommentar der amerikanischen Heidelberg-Touristen, die alljährlich in großer Zahl an den Neckar pilgern und ins Schwärmen geraten. Wer zum Studieren kommt, hat erst einmal andere Absichten. Aber die angenehme Lage der Stadt am Talausgang des Odenwalds, die eng-winkligen Gassen der Altstadt oder die tatsächlich romantische Ruine über dem Fluss nimmt man dann doch ganz gerne hin. Eine solide wissenschaftliche Ausbildung braucht schließlich ein lebenswertes Umfeld, und das ist auf jeden Fall gegeben.

Mit der Ruprecht-Karls-Universität verfügt Heidelberg über die älteste Hochschule in Deutschland (1386 gegründet). Doch die Uni sieht sich nicht nur alten Traditionen verhaftet, sondern will die Zukunft mitgestalten. Die Zukunft sieht man im Moment insbesondere in der Grundlagenforschung von Fächern wie (Molekular-)Biologie, Biochemie und Physik - die Stadt beteiligt sich daran in Form eines Technologieparks: Vor allem Gründerfirmen der Biotechnologie finden hier ein aktives Netzwerk von Wissenschaft und Wirtschaft vor. Mehr oder weniger lose verbunden mit der Universität sind außerdem das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), das Europäische Laboratorium für Molekularbiologie (EMBL) sowie fünf Institute der Max-Planck-Gesellschaft.

Universidad de Heidelberg

Etwa 25.000 Studierende sind derzeit an der Ruperto Carola eingeschrieben - die meisten in Medizin und Jura, hoch im Kurs sind auch Germanistik oder Volkswirtschaftslehre. Mit rund 20 Prozent ist der Gesamtanteil der ausländischen Studierenden erfreulich hoch - die meisten von ihnen kommen aus den europäischen Nachbarländern, gefolgt von Studierenden aus Asien und Amerika. Ein besonderer Clou: Vor kurzem hat die Heidelberger Universität als erste deutsche Hochschule eine Dependance gegründet, und zwar in Santiago de Chile. Es handelt sich dabei um ein Postgraduierten- und Weiterbildungszentrum für Lateinamerikaner, die bereits über einen hervorragenden ersten Studienabschluss verfügen und im Rahmen ihrer Studien auch an den Neckar kommen sollen. "Universidad de Heidelberg" heißt es also jetzt in großen Lettern über dem Eingang eines schmucken, villenartigen Gebäudes in der Avenida Los Leones im Stadtteil Providencia der chilenischen Hauptstadt.

Die Universität - nebenbei der größte Arbeitgeber der Stadt - hinterlässt auch ihre Spuren in der Bevölkerungsstruktur: Heidelberg ist eine junge Stadt (etwa vier von zehn Einwohnern sind nicht älter als 30), hat ein geradezu internationales Flair durch einen Ausländeranteil von rund 16 Prozent und schichtspezifisch gesehen ist sie die Großstadt mit dem höchsten Akademikeranteil in ganz Deutschland. Letzteres erweist sich zumindest für den neu beginnenden Studierenden allerdings nicht immer als Vorteil, denn Heidelberg ist dadurch auch ein sehr teures Pflaster, unangenehm bemerkbar macht sich zum Beispiel bei der Suche nach einer Unterkunft.

Service vom Studentenwerk

Auch wenn sich die Wohnungssituation seit ein paar Jahren entspannt hat, ist es gerade zu Semesterbeginn nicht einfach, gleich das richtige und vor allem etwas Preiswertes zu finden. Ein wenig Geduld sollte man schon mitbringen. Wer Studienausweis, Zulassung oder Abizeugnis vorlegt, erhält eine Quittung vom Studentenwerk, mit der man einen Monat lang sein Glück bei der studentischen Zimmervermittlung versuchen kann - Anlaufstelle hierfür sind die Info-Center in den beiden großen Mensen in der Altstadt (am Universitätsplatz) und im Neuenheimer Feld. Wer sich um einen Wohnheimplatz bewerben möchte, sollte vorher beim Studentenwerk vorbeischauen. Fündig werden kann man bei der Zimmersuche ebenso an den schwarzen Brettern in den Uni-Einrichtungen oder über Annoncen in der lokalen Rhein-Neckar-Zeitung , eine Mitwohnzentrale gibt es ebenfalls.

Hat man eine Bleibe im Zentrum gefunden, ist man ziemlich gut positioniert. Die Institute der Geisteswissenschaften und Jura sind insbesondere über die Altstadt verteilt, mehr unter sich sind die Naturwissenschaftler und Mediziner im sogenannten Neuenheimer Feld - eine Art Campus-Universität, die am Stadtrand liegt, aber schnell vom Zentrum aus zu erreichen ist. Dort sind auch die universitären Sporteinrichtungen untergerbacht, wie überhaupt die umliegende Region zu allerhand sportlichen Aktivitäten lockt. Der besondere Tipp zur Entspannung: die Neckarwiese, auf der sich bei gutem Wetter tout Heidelberg trifft. Kulturell wird ebenfalls einiges geboten. An Festivals zu erwähnen sind beispielsweise der "Heidelberger Frühling" mit vorwiegend klassischer Musik, die in einem alten Zirkuszelt auf dem Universitätsplatz veranstalteten "Literaturtage", der renommierte "Stückemarkt" des Heidelberger Theaters oder auch das "Filmfestival Heidelberg / Mannheim".

Letzteres verweist im Namen schon darauf, dass Heidelberg mitten im Ballungsraum Rhein-Neckar liegt. Nach Mannheim oder Ludwigshafen ist es lediglich ein Katzensprung und mit Hilfe des Semestertickets sind diese Städte schnell und preiswert mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen - ja selbst Frankfurt (ca. 80 km) liegt noch in angemessener Reichweite. Kein Wunder, dass hier das kulturelle Leben und das Nachtleben im allgemeinen als großes Ganzes wahrgenommen wird. So trägt denn zwar das für Infos und Termine unerlässliche Magazin "Meier" den Untertitel "Stadtmagazin", deckt aber die ganze Region Rhein-Neckar ab. Im "Meier" steht, wo der hippeste Club oder die coolste Kneipe zu finden ist - für jeden Geschmack ist etwas dabei. Wer neu in Heidelberg neu ist, sollte vielleicht bei den Kneipen in der Unteren Straße beginnen, auch die Kulturbrauerei mit selbstgebrautem Bier und eigenem Jazzkeller ist für den Anfang gut geeignet - der Rest ergibt sich ohnehin von alleine. Und noch etwas: Der berühmte Schlager aus den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts "Ich hab? mein Herz in Heidelberg verloren" ist zwar ganz schön kitschig, aber immer noch brandaktuell!

Fragen zur Uni-Stadt Heidelberg? Mail to Oliver Fink: ofink@ix.urz.uni-heidelberg.de

Linktipps

http://www.uni-heidelberg.de (Universität Heidelberg)

http://www.heidelberg.de (Stadt Heidelberg)

http://www.dkfz-heidelberg.de (DKFZ Heidelberg)

http://www.embl-heidelberg.de (EMBL Heidelberg)

http://heidelberg.homecompany.de (Mitwohnzentrale Heidelberg)

http://www.studentenwerk.uni-heidelberg.de (Studentenwerk Heidelberg)

http://www.vrn.de (Verkehrsverbund Rhein-Neckar)

http://www.meier-online.de (Stadtmagazin Meier)

http://www.rnz.de (Rhein-Neckar-Zeitung)

Weitere Uni-Städte im Porträt finden Sie unter: www.jungekarriere.com/uni-staedte

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