Deutschlands Corporate Governance bleibt damit weit hinter der der USA zurück
Aktionäre werden hintergangen

Prof. Michael Adams von Universität Hamburg über Unternehmensaufsicht zwischen Wunsch und Wirklichkeit.

Herr Prof. Adams, hat sich der Vorstand der Telekom bedient?

Der Vorstand der Deutschen Telekom hat allein für das Jahr 2001 1,74 Mill. Aktienoptionen erhalten - trotz eines katastrophalen Verfalls des Unternehmenswertes . Diese Optionen führen zu einem Gewinn von 110 Mill. Euro, falls der Kurs der T-Aktie in den nächsten zehn Jahren auf 100 Euro steigt. Für das Jahr 2002 soll ein weiteres Optionsprogramm aufgelegt werden, das wegen des weiter gesunkenen Aktienkurses dem Vorstand noch weit höhere Gewinne ermöglicht.

Ginge dieses Spiel insgesamt über fünf Jahre, erreichten die Vergütungen aus Aktienoptionen eine Höhe von 300 bis 400 Mill. Euro. Da die Kosten dafür nicht als Personalaufwand von der Steuer abgezogen werden können, hat der Vorstand 600 bis 800 Mill. Euro Kosten verursacht, ohne dass die Aktionäre eine Wertsteigerung über das alte Niveau erzielt haben.

Also hat der Bund als Großaktionär über den Aufsichtsrat die Selbstbedienung abgenickt?

Die Vorschläge für die Optionsprogramme werden häufig vom Vorstand, unterstützt von Beratungsfirmen, dem Aufsichtsratsausschuss für Vorstandsangelegenheiten unterbreitet. Der Aufsichtsratsausschuss wird wohl mit Hilfe der Komplexität der Optionspläne übertölpelt. Dies gilt auch für die Vertreter des Finanzministeriums.

Und auch für die Arbeitnehmer-Vertreter im Aufsichtsrat?

Diese Vergütungssysteme wären von den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat sicherlich verhindert worden, hätte ihnen das leistungslose Bereicherungspotenzial der Optionen vor Augen gestanden. Dies wurde jedoch insbesondere in der exzessiv langen Laufzeit der Optionen von zehn Jahren versteckt.

Die deutsche Mitbestimmung ist an sich geeignet, die US-amerikanischen Vergütungsexzesse und Selbstbedienungsorgien mit beispielsweise 900 Mill. Dollar Vergütung für ein einziges Jahr für eine einzelne Person zu verhindern. Hierzu müssten jedoch auch sachkundige Personen in den Aufsichtsrat gewählt werden, die dem Vorstand zumindest mit Hilfe von Beratern gewachsen sind.

Ist das nicht ein Fiasko für die von Bundeskanzler Schröder forcierte "Corporate Governance" ?

Die Regierungskommission hat sich für Transparenz, eine klare Wertangabe und eine Verbuchung der Optionsplankosten in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgesprochen. Die für die Umsetzung eingesetzte Kodex-Kommission hat sich aber an diese Vorgaben auf Druck der interessierten Unternehmen nicht gehalten. Ohne Vertuschung dieser Vergütungshöhen vor der Öffentlichkeit hätten diese keinen Bestand. Deutschlands Corporate Governance bleibt damit weit hinter der der USA zurück.

Prof. Michael Adams lehrt Rechts- und Wirtschaftswissenschaft an der Universität Hamburg. Die Fragen stellte Klaus. C. Engelen.

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