Deutschlands führender Web-Politiker zieht sich zurück
Aus der Tauss?

Der führende deutsche Web-Politiker zieht sich zurück. Sozialdemokrat Jörg Tauss hat eine "ziemlich Fruststrecke hinter sich", erklären Vertraute.

Für Helmut Kohl druckte er die ersten E-Mails aus, ein Techniker der Bundestagsverwaltung kam in sein Büro und wollte diesen ominösen Internet-Anschluss abklemmen. Das war 1994 und 1995. Später folgten verbale Schlachten mit Zukunftsminister Jürgen Rüttgers (CDU) um das erste Multimediagesetz. Auf den Mund gefallen ist Jörg Tauss, sozialdemokratischer Bundestagsabgeordneter aus Bruchsal in Baden, also wirklich nicht, und gesprochen hat er immer für irgendjemand: Erst als Schülersprecher, später als Gewerkschaftssprecher und nun auch als Sprecher für Bildung und Forschung der SPD-Fraktion im Bundestag.

Eher aus Zufall ist Tauss 1994 ins Parlament gelangt, blieb dort ein Einzelkämpfer, der stets mit seinen Hühnern vor dem Haus und Wildnistouren in Kanada kokettierte. In einer Sache aber kam an ihm keiner vorbei: Wenn es ums Web ging. Auch Kollegen aus anderen Parteien fragten ihn um Hilfe, wurden sie "zu so einem Medienforum" oder ähnlichen Fachtagungen eingeladen. Immer wieder lieferte Tauss sich auch Gefechte in der eigenen Partei - Web-Experten haben es schwer, sich gegen die etablierte Innen- oder Rechtspolitiker durchzusetzen. Justizministerin Herta Däubler-Gmelin versah ihre jüngsten Geburtstagsgrüße an den Genossen denn auch mit einem wenig freundlichen "trotz alledem".

Doch die große Zeit der Gefechte ist vorüber, die der Siege noch länger. "Er hat eine ziemliche Fruststrecke hinter sich", meinen Vertraute. Und so liegt es wohl nicht nur an Tauss? neuem Amt als Sprecher der Fraktion, dass er sich Web-Themen mit etwas weniger Leidenschaft widmet. Denn auch, wenn der Rahmen für die Informationsgesellschaft erst Konturen gewinnt: Glanz und Gloria der neuen Wirtschaft sind unter Politikern ebenfalls verblasst, die Einzigartigkeit des Expertenstatus? ist dahin - und womöglich auch gar nicht mehr sonderlich erwünscht, wenn von einem Posten als Staatssekretär geraunt wird.

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