Deutschlands magische Ziele

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Deutschlands magische Ziele

Vlado Stenzel ist für großspurige Sprüche bekannt. Doch einmal hielt er sich, ganz gegen seine sonstige Gewohnheit, zurück. Ob er denn damit rechne, dass 2004 das große Jahr für Deutschlands Handballer werde, wurde Stenzel gefragt, als am Potsdamer Platz in Berlin der Gewinn der Silbermedaille bei der WM 2003 in Portugal begossen wurde.

"Ich bin Magier und kein Prophet", sagte Stenzel in schöner Bescheidenheit. Magische Kräfte bescheinigten ihm einige, als Stenzel vor nun schon fast 26 Jahren eine goldene Pappkrone aufgesetzt wurde, nachdem er Deutschlands Handballer in Kopenhagen zum WM-Titel geführt hatte. Einer, der ihn damals auch auf die Schultern gehoben hatte, war Heiner Brand. Er ist mittlerweile Bundestrainer und soll dafür sorgen, dass die Deutschen endlich wieder einen Titel gewinnen. Entweder bei der Europameisterschaft in Slowenien, wo die Deutschen heute im ersten Spiel auf Serbien-Montenegro treffen (20.30 Uhr, live im DSF), oder den bei den Olympischen Spielen in Athen. Schließlich ist auch der Olympiasieg der DDR in Moskau 24 Jahre her.

Zeit, eines dieser Ziele zu erreichen, hätte Brand genug. Sein Vertrag als Bundestrainer läuft noch bis 2008, wenn in Peking olympisches Gold vergeben wird. Doch wer wie die Deutschen bei den letzten Welt- und Europameisterschaften Silber gewann, der muss damit leben, an Höherem gemessen zu werden - jetzt, nicht erst in einigen Jahren. Die Zeit wird auch deshalb knapp, weil nach Athen mit Stefan Kretzschmar, Volker Zerbe und Christian Schwarzer drei Spieler ihre Karriere beenden werden, die in den letzten Jahren nach vielen Tiefpunkten für Höhepunkte sorgten. Erfolge, die auch von den deutschen Handballfans honoriert wurden.

Mit den Fußballern können sich die Handballer natürlich nicht messen. Doch ein Marktforschungsinstitut hat ermittelt, dass sich in Deutschland 31,5 Millionen Menschen für Handball interessieren. Das WM-Endspiel der Deutschen 2003 in Lissabon gegen Kroatien verfolgten 4,3 Millionen am Fernsehschirm, was einem Marktanteil von 14,3 Prozent entsprach. Beim Halbfinale gegen Frankreich war die TV-Quote besser als bei der Zusammenfassung des Spieltags der Fußball-Bundesliga am selben Tag.

Auch in der Bundesliga, der wohl stärksten Liga der Welt, haben sich die Erfolge des Nationalteams ausgezahlt. Flensburg-Handewitt, Lemgo und Kiel haben erneut das Achtelfinale der Champions League erreicht. In der Vorsaison gab es mit 1,18 Millionen Besuchern bei den Bundesligaspielen einen Rekord. Derzeit sind es schon 663 000 Zuschauer, auch dank solcher großen Hallen wie die Kölnarena und die Color Line Arena in Hamburg. Auch im Fernsehen boomt Handball. 960 000 Zuschauer sahen kürzlich das Nordderby zwischen Kiel und Flensburg, im Durchschnitt verfolgten 380 000 die elf Übertragungen im DSF. Zum Vergleich: Beim Basketball sind es im Schnitt 100 000.

"Wir haben es in der Hand, den Boom noch zu verstärken", sagte Brand, der mit seiner Mannschaft in Koper an der Adriaküste, nur wenige Kilometer vom italienischen Triest entfernt, Quartier bezogen hat. Doch es wird schwer, nicht nur wegen der Ausfälle von Stefan Kretzschmar und Frank von Behren.

Die Konkurrenz ist stark. Elf der 16 Teams können sich Hoffnungen machen, Nachfolger von Titelverteidiger Schweden zu werden. Sicher nicht die Schweiz oder Portugal, aber Vizeweltmeister Deutschland.

Dass einige Länder mit Blick auf Athen ihren Assen eine Auszeit gönnen, könnte die Aufgabe der Deutschen erleichtern. So schonen die Spanier Talant Duschebajew, die Franzosen Jackson Richardson. "Es wird trotzdem knüppelhart", glaubt Brand. Eine Prognose will er nicht abgeben. Da ist er sich mit Vlado Stenzel einig.

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