Deutssprachige Zeitung in Namibia
Konservative alte Dame

Auf der ganzen Südhalbkugel ist die Allgemeine Zeitung in Namibia das einzige Tagesblatt in deutscher Sprache. Bis in die 80er Jahre galt sie als stockkonservative Zeitung mit gar deutschnationalen Tendenzen. Jetzt wird das Sprachrohr der Deutschen in Namibia 90 Jahre alt.

WINDHUK. Bereits um kurz vor zehn drängen die ersten Besucher auf das Grundstück im Windhuker Omurambaweg. Wie die Farmer Daniela und Cornelius Kemp haben einige selbst weite Anfahrtswege nicht gescheut. Die beiden Käsehersteller sind mit ihren zwei Kindern aus dem fast 300 Kilometer entfernten Otjiwarongo angereist: "Die Allgemeine Zeitung gehört seit jeher fast wie ein Familienmitglied zu unserem Haushalt", sagen sie. Da darf man natürlich nicht fehlen, wenn die alte Dame AZ ihren 90. Geburtstag feiert.

In der am Wochenende produzierten Jubiläumsausgabe des deutschsprachigen Blattes findet sich auch eine achtseitige Beilage: Es ist ein Nachdruck der Erstausgabe des "Kriegsboten" vom 22. Juli 1916 - des Titels, aus dem die AZ knapp drei Jahre später hervorging.

Die Nachfahren der deutschen Schutztruppler und Siedler, die nach der Kolonialnahme durch den Bremer Kaufmann Adolf Lüderitz ab 1884 in die Kolonie Deutsch-Südwest kamen, stellen heute nur noch rund ein Prozent der 1,8 Millionen Namibier. Doch in der Wirtschaft des Landes spielen sie weiter eine prominente Rolle. So säumen die Luisen-Apotheke, das Kaufhaus Woermann & Brock oder das Hotel Thüringer Hof die Hauptstraße in Windhuk. Von den mehr als 5 000 Großfarmern hat jeder dritte deutsche Wurzeln.

Lange haftete der Allgemeinen Zeitung ein stockkonservatives oder gar deutschnationales Image an. So wurden noch bis in die Achtzigerjahre Geburtstagsgrüße an Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß gedruckt. Zudem verfolgte die AZ lange Zeit eine harte Linie gegen die Widerstandsbewegung Swapo, die Namibia heute regiert. Das habe sich aber schon vor der Unabhängigkeit im März 1990 verändert, sagt der ehemalige Chefredakteur Eberhard Hofmann, der die Geschichte des Blattes wie kein zweiter kennt.

Sein Nachfolger Stefan Fischer steht jeden Tag vor dem schwierigen Spagat, die Interessen der konservativen Stammleserschaft zu treffen und trotzdem dem Anspruch zu genügen, eine liberale, weltoffene Zeitung zu machen. Seit zwei Jahren schreibt das Blatt wieder schwarze Zahlen und hat bei der Auflage zuletzt zugelegt. Von Montag bis Donnerstag werden heute 5 800 Exemplare verkauft - fast doppelt so viele wie noch zur Jahrtausendwende. Am Freitag sind es sogar mehr als 6 500 Stück. Durch das verstärkte Anzeigenaufkommen ist auch der Umfang der AZ deutlich gewachsen. Kam das Blatt früher kaum über acht Seiten hinaus, sind es heute meistens zwischen 16 und 32 Seiten.

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