Devisenhändler rechnen mit neuem Allzeittief der europäischen Währung
Euro-Schwäche erhöht Druck auf die Zinsen

In der Nacht zum Mittwoch durchbrach der Euro den Kurs von 0,9170 $, der als wichtige Widerstandslinie angesehen wurde. Für Händler und Analysten ist damit die zwischenzeitliche Erholung des Euros von Juni und Juli vorerst beendet. Vielmehr halten sie es nun für möglich, dass der Euro sich rasch seinem Allzeittief von 0,8840 $ nähert.

kra FRANKFURT. "Die kritische Grundhaltung der Marktteilnehmer gegenüber dem Euro hat sich weiter verstärkt", sagt der Währungsstratege Oliver Stönner von der Commerzbank. Viele Analysten sind der Auffassung, dass die Märkte derzeit alle Daten gegen den Euro interpretieren. Dabei sei die Datenlage hinsichtlich der US-Konjunktur sehr gemischt. Nach den jüngsten Zahlen ist es unklar, ob der US-Konjunkturmotor weiter mit so hoher Drehzahl läuft wie bisher oder auf eine niedrigere Drehzahl wechselt, was den Euro stärken könnte.

So weisen einige Experten auf das unerwartet starke Wachstum bei den langfristigen Gebrauchsgütern und auf das hohe Wachstum der US-Wirtschaft im zweiten Quartal hin. Andere betonen, dass dieses Wachstum vor allem durch die hohe Regierungsnachfrage und durch den Lageraufbau zu Stande gekommen sei.

Die für den weiteren Konjunkturverlauf wichtige Verbrauchernachfrage nehme dagegen langsamer zu. Sie verweisen auch auf den US-Einkaufsmanager-Index und auf die US-Neubauverkäufe, die beide unter den Erwartungen lagen. Ins Bild einer gemischten Datenlage passt auch der gestern veröffentlichte US-Konjunkturfrühindikator, der wie erwartet unverändert gegenüber dem Vormonat war.



Permanente Euro-Schwäche erhöht den Druck auf die EZB

Der Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB), die Zinsen erneut zu erhöhen, ist durch die Euro-Schwäche größer geworden. Für die heutige Sitzung des EZB-Rates ist dennoch nicht mit einer Erhöhung des Leitzinses, der seit dem 8. Juni bei 4,25 % liegt, zu rechnen. "Von so kurzfristigen Schwankungen lässt sich die EZB nicht beeindrucken", meint der Analyst Stefan Bergheim von der amerikanischen Investmentbank Merrill Lynch.

Sollte der Euro aber so schwach bleiben wie derzeit, sei eine Zinserhöhung schon Ende August gut möglich. Das Dilemma für die EZB sei, dass sie den Euro derzeit kaum mit höheren Zinsen stärken könne. Der Euro kranke nicht an zu niedrigen Zinsen in Euro-Land. Vielmehr zweifelten die Märkte daran, dass Euro-Land zum US-Wachstum aufschließen könne, so Bergheim.

"Die Devisenmärkte sind derzeit mit einem Spielcasino vergleichbar, in dem fundamentale Faktoren kaum eine Rolle spielen", findet Michael Rottmann von der Hypo-Vereinsbank. Längerfristig sehen aber viele Experten den Euro wegen günstiger europäischer Wirtschaftsdaten stärker.

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