Devisenhändler testen die Geduld der Notenbanken
Euro-Kurs rutscht auf neuen Tiefstand

Die Devisenmärkte tasten sich an immer neue Euro-Tiefstände heran. Händler sind unsicher, ob die Notenbanken wieder intervenieren werden. Währungshüter und Politiker halten sich bedeckt.

mak/rez FRANKFURT. Der Euro-Kurs hat gestern zum US-Dollar einen neuen Tiefstand bei 0,8257 $ markiert. Am Devisenmarkt sei der Eindruck entstanden, dass die Interventionsbereitschaft der internationalen Notenbanken im Moment offenbar doch nicht so groß sei, begründeten Händler die Kursentwicklung. Investoren seien enttäuscht darüber, dass noch keine Gerüchte vom G20-Gipfel in Montreal durchsickerten, sagte Dorothea Huttanus von der DG Bank. Einige Teilnehmer des Gipfels wie der deutsche Finanzminister Hans Eichel lehnten es ausdrücklich ab, sich in irgendeiner Form zum Euro zu äußern.

Belastet haben den Euro die jüngsten Import- und Erzeugerpreise in Deutschland für September, deren Anstieg mit 13,4 % und 4,3 % gegenüber dem Vorjahr der höchste seit Anfang der achtziger Jahre war. Außerdem berichteten Händler über Euro-Verkäufe großen Volumens durch insolvent gewordene japanische Versicherer und eine holländische Bank, die für eine Übernahme US-Dollar benötigt habe.

"Die Märkte testen das untere Ende", sagte Hans-Jürgen Meltzer von Deutscher Bank Research dem Handelsblatt. Ohnehin sei es erstaunlich gewesen, dass der Euro-Kurs sich bis Ende vergangener Woche noch oberhalb von 0,8350 $ gehalten habe.

Er rechne in nächster Zeit erneut mit Interventionen, erklärte Martin Hüfner von der Hypo-Vereinsbank. "Mehr und mehr Leute erkennen den Ernst der Lage. Durch den weiteren Kursverfall wird das Vertrauen in den Euro im Inland und bei den internationalen Investoren gefährdet", sagte er. US-Unternehmen kämen mit ihren Exporten nach Europa immer stärker unter Gewinndruck, was die Aktienmärkte weltweit belaste. "Das erleichtert nicht gerade die ohnehin schwierige Situation an den Finanzmärkten."

Meltzer geht davon aus, dass noch vor den Präsidentschaftswahlen in den USA am 7. November interveniert wird. Wenn die Europäische Zentralbank (EZB) allein mit einem großen Betrag in den labilen Markt ginge, würde dies verpuffen.

Für Thomas Mayer von Goldman Sachs zeigt der jüngste Kurseinbruch ohnehin, dass Interventionen nichts bringen. Ein erneuter Stützungsversuch erlitte ein ähnliches Schicksal wie die Aktion am 23. September, sagt er. Zwar würden die USA den Europäern den Gefallen tun und sich erneut beteiligen, anschließend aber gleich wieder betonen, dass sie einen starken Dollar wünschten. Mayer hält es für riskant, dass sich die EZB so stark macht für einen festen Euro. Ihn wundere die Sicherheit der EZB zu sagen, der Euro sei unterbewertet. Denn der faire Wert einer jungen Währung sei extrem schwer zu ermitteln. Meltzer sieht den fairen Wert des Euros oberhalb der Parität zum US-Dollar. Sowohl Goldman Sachs als auch DB Research erwarten, dass der Euro binnen eines Jahres auf 1,05 $ steigt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%