Devisenhandel rechnet mit einer weiteren Abschwächung des Pfund Sterlings
Briten liebäugeln mit dem Euro

Das Pfund Sterling befindet sich sowohl gegenüber dem US-Dollar als auch in der Relation zum Euro auf Talfahrt. Zum Dollar fiel das Pfund auf den niedrigsten Stand seit rund 15 Jahren. Gegenüber dem Euro notierte die britische Währung am Dienstag auf dem tiefsten Niveau seit einem Monat.

13.6.2001 FRANKFURT/M. Bereits vor der britischen Parlamentswahl hatte der Devisenmarkt auf einen klaren Wahlsieg der Labour-Regierung und in diesem Zusammenhang auf einen künftigen Beitritt Großbritanniens zur Euro-Zone gesetzt.

Premierminister Tony Blair hatte im Wahlkampf versprochen, dieses Thema gleich zu Beginn der neuen Legislaturperiode auf die Agenda zu setzen. Im internationalen Devisenhandel gelten die aktuellen hitzigen Debatten um den Wechsel Großbritanniens zum Euro allerdings als überzogen. Eine endgültige Entscheidung werde in dieser Frage wohl erst in eineinhalb Jahren fallen; die Umsetzung des Beitritts dürfte noch rund fünf Jahre dauern, hieß es aus Frankfurter Banken. Bekanntlich hängt der Beitritt Großbritanniens von der Zustimmung der Bevölkerung in einem Referendum ab. Diese Volksabstimmung kann allerdings erst dann stattfinden, wenn die britische Volkswirtschaft fünf ökonomische Stabilitätskriterien erfüllt hat.

Allgemein wird an den Märkten die Auffassung vertreten, dass die Regierung Blair darauf drängen wird, bei einem solchen Beitritt die britische Exportwirtschaft in eine günstige Position zu bringen. Unter anderem über eine weitere Pfund-Abschwächung lässt sich für die britischen Exporteure eine solche bessere Wettbewerbsposition erreichen. Als "angemessen" betrachten Devisenmarkt-Analysten in London und Frankfurt für das Sterling einen Beitrittskurs, der um etwa 10 % unter dem aktuellen Stand liegt. Auf einem solchen Niveau seien britische Exportunternehmen konkurrenzfähig, hieß es im Devisenhandel. Am späten Dienstag wurde das Pfund zu einem Kurs von 1,3788 Dollar gehandelt.

Im Devisenhandel der Dresdner Bank wird davon ausgegangen, dass die neue Regierung Blair in der britischen Wirtschaft und bei der Bevölkerung erst dann eine Unterstützung für einen Wechsel vom Pfund zum Euro erhalten wird, wenn das Pfund zum Euro ein Niveau von über 0,67 Pence erreicht hat. Das wäre in etwa jene Bewertung von 2,90 D-Mark, auf der das Pfund im Jahr 1992 von Bord des Europäischen Währungssystems gezwungen worden war. "Dieses Kursziel halten wir für realistisch", so ein Sprecher der Dresdner Bank.

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