Devisenmärkte warten auf Greenspan
Euro stabilisiert

Der Euro hat am Dienstag auf unerwarte schwache deutsche Konjunkturdaten mit Kursverlusten reagiert, sich am Mittag vor der allseits erwarteten Rede von US-Notenbankchef Alan Greenspan jedoch wieder bei Werten um 0,9280 $ stabilisiert. Am Morgen hatte die Gemeinschaftswährung zeitweise um rund einen halben Cent nachgegeben, nachdem das Statistische Bundesamt einen überraschenden Rückgang der Einzelhandelsumsätze mitgeteilt hatte.

Reuters FRANKFURT. Auch der deutsche Handelsüberschuss schrumpfte im Dezember, während sich das Leistungsbilanzdefizit ausweitete. Mittelpunkt der Aufmerksamkeit an den Devisenmärkten ist Händlern zufolge die Anhörung Greenspans vor dem Bankenausschuss des US-Senats am Nachmittag (MEZ).

Im Referenzkursverfahren Öffentlicher Banken wurde der Euro am Dienstag mit 0,9273 $ ermittelt nach 0,9275 $ am Vortag. Der $ verteuerte sich damit leicht auf 2,1092 (2,1087) DM. Zur japanischen Währung wurde der Euro mit 108,57 (109,23) Yen festgestellt. Gegen 13.15 Uhr MEZ notierte der Euro mit 0,9278/83 $ nach 0,9308/13 $ am Vorabend in New York. Der Yen zeigte sich weiter durch die anhaltenden Konjunktursorgen in Japan belastet. Der $ hielt sich am Dienstag weiterin über der Marke von 117 Yen, die er Ende vergangener Woche übersprungen hatte.

Händler sagten, das Devisengeschäft konzentriere sich nahezu vollständig auf die gegen 16.00 Uhr MEZ beginnende Anhörung Greenspans. Die Finanzmärkte erhoffen sich von den Äußerungen des Fed-Chefs neue Hinweise auf die konjunkturelle Entwicklung und denkbare weitere Leitzinssenkungen in den USA. Uneins waren sich die Analysten jedoch, wie weit sich der Fed-Chef dabei aus dem Fenster lehnen werde. "Greenspan wird versuchen sicherzustellen, dass die Leute mit Blick auf die US-Wirtschaft optimistisch bleiben, indem er von einer Stabilisierung (der Konjunktur) im zweiten Halbahr sprechen wird", sagte Ian Gunner, Währungsanalyst bei ABN Amro. Andere Experten sehen den Fed-Chef dagegen weniger redselig: "Greenspan wird heute offene Worte vermeiden, sonst könnte der $ noch einmal ins Schleudern geraten", sagte ein Analystin.

Diskussionen um Greenspan-Äußerungen

In seiner Rede vor dem Haushaltsausschuss des US-Senats im Januar hatte Greenspan von einer "sehr dramatischen" Abkühlung der Konjunktur und sogar von einem möglichen Null-Wachstum in den USA gesprochen. An den Finanzmärkten beiderseits des Atlantiks hatten diese Äußerungen heftige Reaktionen ausgelöst. Die Fed hatte im Januar in zwei Schritten die Leitzinsen in den USA um insgesamt einen Prozentpunkt auf 5,50 % gesenkt.

Bewegung in den Devisenhandel könnte auch die Veröffentlichung der US-Einzelhandelumsätze bringen, wenn sie deutlich unter oder über den Erwartungen liegen sollten. Analysten rechnen für Januar mit einem Anstieg um 0,6 % zum Vormonat. Die Zahlen werden gegen 14.30 Uhr MEZ veröffentlicht.



Auf die schwächeren deutschen Einzelhandelszahlen reagierte der Euro am Dienstagmorgen mit Kursverlusten. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, sanken die Umsätze des Einzelhandels im Dezember 2000 real um 2,9 % zum Vorjahr und 0,8 % zum Vormonat. Analysten hatten mit einem Rückgang um 0,4 % gerechnet. Konjunkturexperten zufolge könnte dies den Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB) verstärken, die Leitzinsen zu senken. Auch die kurz darauf vom Bundesamt veröffentlichten Handelsbilanzzahlen deuteten Volkswirten zufolge auf eine sinkende Wirtschaftsaktivität hin. Der Handelsüberschuss sank im Dezember 2000 auf 2,1 nach 8,9 Mrd. DM im Vormonat. Zugleich weitete sich das Leistungsbilanzdefizit auf 15,3 (4,9) Mrd. DM aus. Die Ausfuhren erhöhten sich im Dezember zum Vorjahr um 11,6 % und die Einfuhren um 23,3 % .



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