Devisenmarkt
Auftragsdaten verleihen Euro Auftrieb

Nachdem der Euro durch die Zinserhöhung der EZB gestern sein niedrigstes Niveau seit den Stützungskäufen im September erreichte, zog der Kurs im Verlauf des Freitags bis auf 0,8741 $ an.

Reuters FRANKFURT. Der unerwartet kräftige Anstieg der Auftragseingänge beim deutschen Verarbeitenden Gewerbe hat dem Euro am Freitag Auftrieb verliehen. In der Spitze zog der Kurs bis auf 0,8741 $ an, nachdem er im Fernost-Handel noch unter 87 Cents gelegen hatte. Zur Erholung der Gemeinschaftswährung hätten auch der ausgedünnte Markt vor dem durch Feiertage am Montag in Japan und den USA verlängerten Wochenende beigetragen sowie Spekulationen, die G-7-Notenbanken könnten erneut in den Markt eingreifen. Der Euro hatte nach der Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank am Donnerstag sein niedrigstes Niveau seit den Stützungskäufen am 22. September erreicht. Äußerungen von Bundesfinanzminister Hans Eichel zum Euro bewegten den Markt nicht. Im Mittelpunkt des Interesses stünden nun die um 14.30 Uhr erwarteten US-Arbeitsmarktdaten.

Im Referenzkursverfahren Öffentlicher Banken wurde der Kurs des Euro mit 0,8722 nach 0,8728 $ am Donnerstag festgestellt. Die US-Devise kostete damit 2,2424 nach 2,2409 DM am Vortag. Die US-Währung wurde gegen 13.10 Uhr MESZ mit 108,85/90 (109,09/17) Yen gehandelt. Händlern zufolge hatte der Yen leicht an Boden verloren, nachdem ein Erdbeben der Stärke 7,1 auf der Richterskala am Morgen den zumeist ländlichen Südwesten Japans erschüttert hatte.



Schwacher Euro Grund für Auftragseingänge

Die vom Bundesfinanzministerium am Vormittag veröffentlichten Auftragszahlen hatten den Markt Händlern zufolge positiv überrascht. Allerdings habe wohl der schwache Euro den Auftragseingang angekurbelt. Wie das Ministerium in Bonn mitteilte, erhöhte sich der Auftragseingang im Verarbeitenden Gewerbe um 1,7 % zum Vormonat nach revidiert minus 0,1 % im Juli. Ausschlaggebend für den Anstieg sei mit plus 2,8 (1,9) Prozent weiterhin die Nachfrage aus dem Ausland gewesen. Doch auch die Bestelltätigkeit der Inländer habe mit 1,1 % nach minus 1,6 % im Vormonat wieder zugenommen, teilte das Ministerium weiter mit. Im aussagefähigeren Zweimonatsvergleich Juli/August stieg das Ordervolumen für Gesamtdeutschland den Angaben zufolge um 0,9 % im Vergleich zu Mai/Juni.



Finanzminister Eichel für Stabilisierung der Wechselkurse

Eine baldige Erholung des Euro erwarten Bundeskanzler Gerhard Schröder und Finanzminister Eichel. Eichel zitierte bei einer SPD-Veranstaltung in Frankfurt aus einer Rede von Bundeskanzler Schröder: "Die Wechselkurse werden sich bis Ende des Jahres einander annähern". Zugleich sprachen sich Eichel und Schröder für eine Stabilisierung der Wechselkurse aus. "Wir müssen auf möglichst stabile Wechselkurse hinwirken". Analysten warnten unterdessen, die Anhebung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank (EZB) am Vortag könnte sich auf den Euro negativ auswirken. Volkswirte der DG Bank stellten dazu in einem Marktkommentar fest, die EZB habe zwar ihren Zinsschritt mit Inflationsgefahren durch den hohen Ölpreis und den schwachen Euro begründet. Allerdings sei fraglich, ob die gewünschte Euro-Stärkung gelinge. Möglicherweise werde der Markt schon nächste Woche die kritische Marke von 0,86 $ testen.

Volkswirten der DGZ DekaBank zufolge hat die EZB mit dem Zinsschritt deutlich gemacht, dass sie den Euro mit aller Macht zu verteidigen sucht. Die Zinserhöhung sei zwar aus konjunktureller Sicht nicht unbedingt erforderlich gewesen, doch sei diese auch nicht schädlich, da das Niveau von 4,75 % als konjunkturneutral einzuschätzen sei.

Äußerungen von Bundesbankdirektoriumsmitglied Edgar Meister, der die EZB-Zinserhöhung als einen "richtigen Schritt zur richtigen Zeit" bezeichnete, wirkten sich Händlern zufolge nicht auf den Markt aus. Er gehe davon aus, dass das jetzige Zinsniveau das Wachstum in der Eurozone nicht beeinträchtigen werde, sagte Meister am Freitag in Frankfurt am Rande einer SPD-Veranstaltung. Durch den geringeren Zinsabstand zwischen der Euro-Zone und den USA dürfte seiner Ansicht nach zudem der Außenwert des Euro steigen.

Von den US-Arbeitsmarktdaten erwarte der Markt neue Anzeichen für eine Abschwächung der US-Konjunktur, sagten Händler. Für die Inflationsbeurteilung seien zudem die Daten zur Lohnentwicklung von großem Interesse. Von Reuters befragte Volkswirte erwarten, dass sich die Zahl der neu geschaffenen Stellen im September um 232 000 erhöht hat, nach einem Rückgang um 105 000 im August. Die Quote der Erwerbslosen sehen sie mit 4,1 % unverändert. Für die durchschnittlichen Stundenlöhne rechnen sie mit einer Steigerung um 0,3 %.

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