Devisenmarkt
Euro zeigt sich im frühen Handel erholt

Der Euro hat sich am Freitag im frühen europäischen Handel angesichts anhaltender Spekulationen über mögliche Notenbank-Interventionen auf Kurse über 0,87 $ erholt.

Reuters FRANKFURT. Der Euro hat sich am Freitag im frühen europäischen Handel angesichts anhaltender Spekulationen über mögliche Notenbank-Interventionen auf Kurse über 0,87 $ erholt. Den nächsten Widerstand sehen Händler bei 0,8750 $. Die Erholung der Gemeinschaftswährung begründeten sie zum einen mit dem ausgedünnten Markt vor dem durch Feiertage am Montag in Japan und den USA verlängerten Wochenende. Darüber hinaus gebe es Spekulationen, die G-7-Notenbanken könnten erneut in den Markt eingreifen, nachdem der Euro nach der Zinsererhöhung durch die EZB am Donnerstag sein niedrigstes Niveau seit den Stützungskäufen am 22. September erreicht hatte. Im Mittelpunkt des Interesses stünden im Tagesverlauf die deutschen Auftragseingänge (11.00 Uhr MESZ) und die um 14.30 Uhr erwarteten US-Arbeitsmarktdaten.

Gegen 10.20 Uhr MESZ notierte der Euro mit 0,8712/18 nach einer letzten Notiz am Donnerstag in New York von 0,8682/86 $. Die US-Valuta wurde mit 108,81/82 (109,09/17) Yen gehandelt. Händlern zufolge hatte der Yen leicht an Boden verloren, nachdem ein Erdbeben der Stärke 7,1 auf der Richterskala am Morgen den zumeist ländlichen Südwesten Japans erschüttert hatte.

Analysten warnten unterdessen, die Anhebung der Leitzinsen durch die Europäische Zentralbank (EZB) am Vortag könnte sich auf den Euro negativ auswirken. Volkswirte der DG Bank stellten dazu in einem Marktkommentar fest, die EZB habe zwar ihren Zinsschritt mit Inflationsgefahren durch den hohen Ölpreis und den schwachen Euro begründet. Allerdings sei fraglich, ob die gewünschte Euro-Stärkung gelinge. Die Zentralbank verlasse den Bereich der neutralen Geldpolitik in einem Moment, in dem der Ölpreis bereits wieder rückläufig sei und zudem wichtige Stimmungs- und Konjunkturindikatoren deutlich auf einen Abschwung des Konjunkturzyklus in der Euro-Zone hindeuteten. Die Folge könnte sein, dass der Zinsschritt Befürchtungen nährt, die abflachende Konjunktur werde weiter abgebremst. Dies könnte sich in einer beschleunigten negativen Spirale mit einem weiter sinkenden Euro-Kurs, anhaltenden Inflationsgefahren und erneuten Zinsspekulationen niederschlagen. Vorerst dürfte der Boden bei 0,86 $ liegen, aber schon in der nächsten Woche könnte der Markt beginnen, diese Untergrenze zu testen.

Volkswirten der DGZ DekaBank zufolge hat die EZB mit dem Zinsschritt deutlich gemacht, dass sie den Euro mit aller macht zu verteidigen sucht. Die Zinserhöhung sei zwar aus konjunktureller Sicht nicht unbedingt erforderlich gewesen, doch sei diese auch nicht schädlich, da das Niveau von 4,75 % als konjunkturneutral einzuschätzen sei. Wahrscheinlichstes Szenario sei nun, dass eine bis in das nächste Jahr hinein dauernde Phase konstanter Refinanzierungssätze einsetze, womit ein später in diesem Jahr erwarteter Zinsschritt lediglich vorgezogen worden sei.

Äußerungen von Bundesbankdirektoriumsmitglied Edgar Meister, der die EZB-Zinserhöhung vom Donnerstag als einen "richtigen Schritt zur richtigen Zeit" bezeichnete, wirkten sich Händlern zufolge zunächst nicht auf den Markt aus. Er gehe davon aus, dass das jetzige Zinsniveau das Wachstum in der Eurozone nicht beeinträchtigen werde, sagte Meister am Freitag in Frankfurt am Rande einer SPD-Veranstaltung. Durch den geringeren Zinsabstand zwischen der Euro-Zone und den USA dürfte seiner Ansicht nach zudem der Außenwert des Euro steigen. Meister verteidigte auch den von einigen Marktteilnehmern als überraschend eingestuften Zeitpunkt der Zinserhöhung. "Eine Zentralbank muss frühzeitig handeln und gelegentlich auch mal die Märkte überraschen".

Keinen Niederschlag in der Kursentwicklung fanden die am Morgen veröffentlichten französischen Wachstumsdaten und die Prognose des Insee dazu. Danach wuchs das französische Bruttoinlandsprodukt (BIP) erwartungsgemäß im zweiten Quartal um 0,7 %. Das Wachstum beschleunigte sich damit nicht, sondern bleib zum Vorquartal unverändert. Die Prognose für das BIP-Wachstum im laufenden Jahr sei wegen der negativen Auswirkungen der hohen Ölpreise auf das Vertrauen der Verbraucher auf 3,2 von bislang erwarteten 3,5 % nach unten revidiert worden.

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