Devisenmarkt spekuliert über Euro-Stützungskäufe
EZB sichert stabiles Preisniveau

Trotz zeitweiliger preistreibender Einflüsse sichert die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrer Zinspolitik nach Worten von EZB-Präsident Wim Duisenberg mittelfristig stabile Preise in der Euro-Zone.

Reuters BRüSSEL. Die Inflationsgefahren seien nach Einschätzung der EZB inzwischen geringer als vor einigen Monaten, sagte Duisenberg am Montag vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments in Brüssel und rechtfertigte so die jüngste Zinssenkung der EZB. Die Geldmenge signalisiere keine Inflationsgefahren mehr, langsameres Wachstum werde das Preisniveau dämpfen. Die EZB habe bei ihrer Geldpolitik kein Wechselkursziel, beobachte aber den Einfluss der Kursentwicklung auf die Inflation.

Die EZB werde ihr Ziel, die Teuerungsrate unter zwei Prozent zu halten, in diesem Jahr vor allem wegen vorübergehender preistreibender Effekte verfehlen, sagte Duisenberg. "Die Inflation wird im Jahresverlauf wahrscheinlich zurückgehen und 2002 wieder unter 2,0 % fallen", sagte der EZB-Chef. Auch das verlangsamte Wachstum in der Euro-Zone werde den Inflationsdruck reduzieren. Die EZB bleibe hinsichtlich der Preisentwicklung aber wachsam. Vor allem eine weiterhin zurückhaltende Lohnpolitik müsse ein stabiles Preisniveau unterstützen. Von der Euro-Bargeldeinführung ist Duisenberg zufolge kein nennenswerter Preisanstieg zu erwarten. Die Öffentlichkeit solle Versuche von Händlern, die Euro-Umstellung zu Preiserhöhungen zu nutzen, beobachten und darauf aufmerksam machen.

Analysten erwarten Inflastionsanstieg auf 3,1%

Vorübergehende Einflüsse würden das Preisniveau in den kommenden Monaten weiter hoch halten, sagte Duisenberg und verwies auf höhere Energie- und Nahrungmittelpreise. Letztere seien wegen der Tierseuchen BSE und MKS in die Höhe gegangen. Die Inflationsrate in der Euro-Zone liegt seit Mitte 2000 über der Obergrenze von zwei Prozent, die nach Definition der EZB noch mit stabilen Preisen vereinbar ist. Analysten erwarten, dass die Inflation im Mai auf 3,1 % von 2,9 % im April klettern wird.

Die EZB hatte am 10. Mai den Schlüsselzins für die Bankenrefinanzierung in der Euro-Zone um 25 Basispunkte gesenkt. Die Finanzmärkte, an denen schon seit längerem niedrigere Zinsen wegen der schwächeren Konjunktur gefordert worden waren, wurden von diesem Schritt überrascht. Vor der Entscheidung hatten EZB-Vertreter wiederholt auf anhaltende Inflationsgefahren hingewiesen, so dass mit einer Zinssenkung erst für Sommer gerechnet worden war.

Geldmenegen-Wachstum "statistisch überzeichnet"

Duisenberg begründete die Lockerung der Geldpolitik am Montag erneut mit der statistischen Überzeichnung des Wachstums der Geldmenge M3. Die noch unrevidierte M3-Wachstumsrate könnte für das erste Quartal 2001 bis zu einem Prozentpunkt nach oben verzerrt gewesen sein, sagte der EZB-Präsident. Die endgültigen Daten werde die EZB Ende des Jahres veröffentlichen. Die Verzerrung resultiere aus den in M3 enthaltenen Geldanlagen, die Investoren außerhalb des Währungsgebietes gehörten und die herausgerechnet werden müssten. Die Geldmenge M3 wachse deshalb wohl schon seit Monaten im Einklang mit dem Referenzwert der EZB von 4,5 %. M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen bis zu zwei Jahren Laufzeit. Das Wachstum der Geldmenge ist als Indikator für die künftige Preisentwicklung eine wichtige Entscheidungsgrundlage für die Zinspolitik der EZB. Gewöhnlich signalisiert ein langsames M3-Wachstum nachlassende Inflationsrisiken. Außerdem beobachtet die Notenbank die allgemeine Inflationsentwicklung.

Duisenberg verteidigte den hohen Stellenwert der Geldmenge M3 in der Geldpolitik der Notenbank. Trotz der Verzerrung sei die Qualität der monetären Statistiken sehr hoch. "Dass wir 2001 unser Ziel von maximal zwei Prozent Inflation nicht erreichen, liegt an vorübergehenden Effekten und nicht an einer mangelhaften Verlässlichkeit von M3", sagte Duisenberg.

"Euro hat an Wert zugelegt"

Mit Blick auf den Euro-Wechselkurs räumte der EZB-Präsident ein, dass der Euro seit Jahresbeginn an Wert verloren habe. "Doch bereinigt um die Inflationsunterschiede zwischen den Währungsräumen hat der Euro an Wert zugelegt", fügte er hinzu. Interventionen am Devisenmarkt zu Gunsten seien weiter ein Instrument der EZB, um den Kurs der Gemeinschaftswährung zu stützen. "Interventionen sind eine Waffe in unserem Arsenal", sagte Duisenberg. Über den Einsatz dieser Waffe werde die Öffentlichkeit wie bisher erst im nachhinein informiert.

Wegen der deutlichen Kursverluste des Euro in den vergangenen Tagen waren an den Märkten Spekulationen aufgekommen, die EZB könne wie bereits mehrmals Ende des vergangenen Jahres wieder durch Euro-Stützungskäufe am Markt intervenieren. Am Nachmittag notierte die Währung bei Kursen knapp unter 0,86 Dollar und damit rund vier US-Cent niedriger als Anfang Mai.

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