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DFB-Auswahl startet ins Ungewisse

Frankfurt/Main (dpa) - Mit einer großen Portion Ungewissheit an Bord starten Rudi Völler und sein Team am 9. Juni im Sonderflieger LH4560 ins Abenteuer «EURO 2004». Der Teamchef selbst sehnt nach zwei freien Tagen den Abflug nach Portugal förmlich herbei.

Frankfurt/Main (dpa) - Mit einer großen Portion Ungewissheit an Bord starten Rudi Völler und sein Team am 9. Juni im Sonderflieger LH4560 ins Abenteuer «EURO 2004». Der Teamchef selbst sehnt nach zwei freien Tagen den Abflug nach Portugal förmlich herbei.

Völler hofft, dass damit auch die harsche Kritik nach der blamablem 0:2-Generalprobe gegen Ungarn abgeschüttelt wird. «Wir haben bis zum Spiel gegen die Niederlande noch einige Tage, die wir nutzen werden», kündigte Völler seinem Personal intensive Übungseinheiten bis zum Ernstfall am 15. Juni in Porto an: «Wir müssen uns deutlich steigern und erheblich besser spielen, wenn wir die Vorrunde überstehen wollen.»

Zuversicht zieht Völler und sein Team, das ob der schwankenden Leistungen einer Wundertüte gleicht, aus der Vergangenheit. Vor der WM 2002 sei die negative Stimmung in der Öffentlichkeit im Gegensatz zur Stimmung im Team gestanden, erinnerte Kapitän Oliver Kahn.

Nach zwei Tagen Seelenmassage zu Hause bei Frau, Kindern oder Freunden versammeln sich die 23 EM-Spieler wieder am Flughafen Frankfurt, von wo aus der Lufthansa-Airbus nach Faro startet. Zuvor steht im Waldstadion noch eine letzte Trainingseinheit auf heimischen Boden an. Die Akteure mussten in der freien Zeit die Kritik am Ungarn-Spiel verdauen. «Trotzdem glaube ich nicht, dass wir schwarzmalen müssen. Wir müssen hoch konzentriert zur EM fahren und nicht länger diskutieren», forderte Christian Ziege, der mit 72 Länderspielen Erfahrenste im Kader.

Während Deutschlands Chef-Kritiker Franz Beckenbauer trotz allem an der Halbfinal-Hoffnung festhält, haben andere Experten den dreimaligen europäischen Champion dieses Mal bereits abgeschrieben. «Deutschland hat einige Probleme», meinte Italiens Coach Giovanni Trapattoni und sagte das zeitige Aus für das DFB-Team voraus. Der Wettanbieter «Interwetten.de» stuft Deutschland mit einer Titel-Quote von 14:1 derzeit als krassen Außenseiter ein. Mut kann eigentlich nur der Blick zurück vermitteln. «Das hat es vor großen Turnieren immer gegeben. Wir waren 1996 auch nicht die Besten, aber die Mannschaft war intakt», verwies Ex-Torwart Andreas Köpke auf die Umstände des EM-Gewinns vor acht Jahren in England.

Sieben Akteure aus dem Portugal-Aufgebot haben allerdings auch die EM-Pleite vor vier Jahren in Belgien und den Niederlanden schon miterlebt, als nach der Vorrunde das blamable Aus kam. Die Hoffnung, dass sich Ähnliches nicht wiederholt, ist vor allem mit dem Namen Völler verbunden. «Ich vertraue Rudi Völler und Michael Skibbe sehr. Sie haben vor zwei Jahren bewiesen, dass sie eine Turniermannschaft formen können», sagte Beckenbauer und wiederholte in der «Frankfurter Allgemeinen» seine positive Voraussage: «Ich hege die Hoffnung, dass sie das Semifinale erreichen.»

Im EM-Quartier «Ria Park Garden» in Almancil ist bereits alles gerichtet. Eine trockene Hitze von bis zu 30 Grad mit angenehmem, leichtem Wind erwartet das Völler-Team. Einen Tag nach der Ankunft werden die Spieler abgeschirmt von der Öffentlichkeit erstmals auf dem eigens hergerichteten Übungsgelände an der Algarve trainieren. «Der Platz ist wie ein Billardtisch», übermittelte Greenkeeper Dieter Prahl, der zum DFB-Vortrupp gehört.

«Als Trainer wirst du an Turnieren gemessen», erklärte Völler, der auf der Suche nach der geeigneten Startformation noch mehr Fragen hat als Antworten. Völlers leise Hoffnung, dass sich in den zwei freien Tagen einige offene Transferfragen lösen, erfüllt sich nur in Ansätzen. So vermeldeten spanische Medien, dass sich der FC Barcelona mit Michael Ballack einig geworden sei. Im «Fall» Kahn meldete sich nochmals Beckenbauer zu Wort: «Für's Erste ist allein wichtig, dass wir bei der Europamesiterschaft einen Oliver Kahn auf der Höhe seiner großen Möglichkeiten erleben.» Der Schlüssel dafür würde in Kahns Privatleben liegen, äußerte der Bayern-Präsident: «Wenn Oliver sein Privatleben in den Griff bekommt, wird er das andere auch in den Griff bekommen.»

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