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DFB-Bundestag: Profis kippen neue Ausländer-Quote

Beim Festakt demonstrierte der deutsche Fußball vor Bundespräsident Horst Köhler und Innenminister Otto Schily Eintracht und Geschlossenheit. Hinter den Kulissen lieferten sich zu Beginn des DFB-Bundestages in Osnabrück Profis und Amateurlager eine Kraftprobe.

dpa OSNABRÜCK. Beim Festakt demonstrierte der deutsche Fußball vor Bundespräsident Horst Köhler und Innenminister Otto Schily Eintracht und Geschlossenheit. Hinter den Kulissen lieferten sich zu Beginn des DFB-Bundestages in Osnabrück Profis und Amateurlager eine Kraftprobe.

Mit einem plötzlichen Aufstand gegen die geplante Begrenzung von Nicht-EU-Ausländern stellten die Bundesliga-Vereine den mühevoll ausgehandelten Kompromiss mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) wieder in Frage.

Nachdem die Delegierten der Deutschen Fußball-Liga (DFL) der von ihrer eigenen Spitze ausgehandelten Vereinbarung ihre Zustimmung verweigerten, geriet sogar der frisch ausgehandelte Grundlagenvertrag in Gefahr. Erst nach stundenlangen Verhandlungen einigte man sich auf eine "Ersatzlösung", die in der Praxis kaum Veränderungen bringen wird: Sie sieht wie bisher keinerlei Beschränkung für alle europäischen Spieler vor. Ab der kommenden Saison sollen in beiden Bundesligen maximal vier, ein Jahr später nur noch drei Nicht-Europäer eingesetzt werden dürfen. Derzeit dürfen bis zu fünf Spieler aus anderen Kontinenten auflaufen.

Mit diesem halbherzigen Kompromiss war der Weg frei für den neuen Grundlagenvertrag, den der DFB am Abend der Bundestag-Eröffnung als perfekt vermeldete. Der DFB-Ausländerantrag sah eine Beschränkung auf Spieler aus Nicht-EU-Staaten vor. So sollten in der Bundesliga maximal vier und in der 2. Liga nur noch drei Ausländer aus Nicht-EU-Staaten eingesetzt werden. "Das war hier nicht durchsetzbar", berichtete Ligachef Werner Hackmann nach der Sitzung der DFL-Delegierten. In einem Verhandlungsmarathon hatte das Profilager erst um drei Uhr nachts den Gegenvorschlag gefunden.

Beim DFB war man über die dramatische Wende alles andere als erfreut. Schließlich hatte am Vorabend das Präsidium des Verbandes mit DFL-Chef Hackmann und Geschäftsführer Wilfried Straub das Gesamtpaket abgesegnet. Die DFL-Spitzen hatten aber offenbar die Tragweite der DFB-Initiative nicht überschaut, wurden dann von den Clubs zurückgepfiffen und zu Nachverhandlungen geschickt.

DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder machte in seiner launigen Eröffnungsrede denn auch gute Miene zum bedenklichen Spiel. "Ich will nicht verschweigen, dass wir Spannungen haben. Aber die dauern keine 30 Jahre, und wir brauchen keine fünf Jahre, um Frieden zu schließen", sagte der 71-Jährige in Anspielung auf den in Osnabrück geschlossenen Westfälischen Frieden von 1 648.

Beim Festakt priesen alle die heile Fußball-Welt - nur Franz Beckenbauer nicht. Der Chef des WM-OK ließ in einem Appell an die Delegierten durchblicken, dass ihm das Gezerre der vergangenen Wochen und der jüngste Sitzungsmarathon mächtig auf die Nerven geht. "Wir haben schon viel Zeit vergeudet. Da ist sehr viel Arbeit liegen geblieben. Wenn der Bundestag vorbei ist, muss das alles vorbei sein. Dann müssen wir wirklich die Kräfte für 2006 bündeln", sagte Beckenbauer. Eindringlich forderte er, die Doppelspitze Mayer-Vorfelder und Zwanziger zu installieren und die Auseinandersetzungen zu beenden: "Wenn vernünftige Leute zusammenkommen, sollten vernünftige Lösungen rauskommen."

Bundespräsident Köhler lobte derweil die "Volksbewegung" Fußball, pries Fairplay, Ehrenamt, Nachwuchsförderung und vor allem den neuen Bundestrainer. "Jürgen Klinsmann hat gesagt: Wir spielen bei der WM nicht bloß mit, weil wir Gastgeber sind - wir wollen Weltmeister werden! Ich kann nur sagen: Bravo! Das ist die richtige Einstellung." Klinsmann gehe "mit dem einzig richtigen Anspruch in das Turnier 2006", meinte auch Schily und forderte: "Das ewige Schlechtreden des deutschen Fußballs muss endlich ein Ende haben."

Die jetzt von der Liga erwirkte Ausländer-Lösung ist eine gravierende Abschwächung gegenüber dem Antrag des DFB. Etliche Vereine wären durch eine Beschränkung von Nicht-EU-Ausländern und damit den Verzicht auf Spieler aus Ländern wie Bulgarien, Georgien, Türkei und den Balkan-Nationen in größte Schwierigkeiten geraten. Derzeit hat beispielsweise Hannover 96 einschließlich der so genannten Fußball-Deutschen 13 Nicht-EU-Spieler unter Vertrag, der SC Freiburg elf und der VfL Wolfsburg 10. Die von der DFL angestrebte Lösung sieht außerdem einen Bestandsschutz für bestehende Verträge vor.

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