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DFB-Bundestag wählt Doppelspitze - Straubs Rückzug

Erstmals in seiner 104-jährigen Geschichte wird der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit Gerhard Mayer-Vorfelder und Theo Zwanziger von einer Doppelspitze geführt.

dpa OSNABRÜCK. Erstmals in seiner 104-jährigen Geschichte wird der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit Gerhard Mayer-Vorfelder und Theo Zwanziger von einer Doppelspitze geführt.

Beim Bundestag in Osnabrück beendeten die Delegierten in Osnabrück die nach der EM in Portugal ausgebrochene Führungskrise des Verbandes mit einem eindeutigen Votum: Mit erdrückender Mehrheit von 249:4 Stimmen stimmten sie der Satzungsänderung für eine zweijährige präsidiale Übergangsregelung bis zu einem außerordentlichen Bundestag nach der Weltmeisterschaft 2006 zu.

Der von den Landesverbänden wegen seines Führungsstil als alleiniger Präsident gestürzte Mayer-Vorfelder behält die Verantwortung für die Nationalmannschaft und vertritt den DFB in den internationalen Gremien. Der bisherige Schatzmeister Zwanziger ist als geschäftsführender Präsident für den Amateur- und Nachwuchsbereich zuständig. Der 59-Jährige vereinte 248 Stimmen auf sich, bei zwei Gegenstimmen und drei Enthaltungen. Kaum weniger Zuspruch erhielt der 71-jährige Mayer-Vorfelder mit 243 Ja-Stimmen. Sieben Delegierte votierten dagegen, drei enthielten sich der Stimme.

Nachfolger von Zwanziger als Schatzmeister ist der Präsident des Bayrischen Fußball-Verbandes, Heinrich Schmidhuber. Er setzte sich kampflos durch, nachdem Gegenkandidat Wilfried Straub kurzfristig seine Kandidatur zurückzog. Der langjährige DFB-Angestellte, der vor drei Jahren als Geschäftsführer zur Deutschen Fußball-Liga (DFL) wechselte, begründete seinen Entschluss sichtlich bewegt damit, dass er einen Lagerkampf zwischen Profis und Amateuren verhindern wolle. "Meine Kandidatur sollte helfen, die Brücke zwischen Profis und Amateuren zu verstärken, nicht sie einzureißen", sagte Straub, der aber weiterhin dem DFB-Präsidium angehören wird.

Mayer-Vorfelder hatte zu Beginn der Sitzung in einer fast eine Stunde dauernden Grundsatzrede schonungslos mit den Vorsitzenden der Landesverbände abgerechnet, die nach der EM in Portugal bei einem Geheimtreffen in Barsinghausen seinen Sturz initiiert hatten. "Das hat mich verletzt", so Mayer-Vorfelder, "ich liebe die offene Feldschlacht, dass man sich wechselseitig sagt, was einem gefällt oder nicht. Wir sind alle Männer, die der deutschen Sprache mächtig sind." Zudem sah er seine Verdienste in den vergangenen Jahren nicht ausreichend gewürdigt. Dennoch warb Mayer-Vorfelder "aus tiefster Überzeugung" für die Doppelspitze, "und zwar im Interesse des Verbandes".

"Ich stehe zu dieser Lösung, weil das Gemeinsame und nicht das Trennende sichtbar wird", forderte Zwanziger die Abgeordneten ebenfalls zur Geschlossenheit auf. Da auch DFL-Präsident Werner Hackmann ("Die Liga steht voll und ganz hinter der Doppelspitze") Zustimmung zusicherte, war der Wahlausgang keine Überraschung mehr.

Neue Gesichter im DFB-Präsidium sind außer Schmidhuber die neuen Vizepräsidenten Rolf Hocke und Wilfried Holzhäuser. Der hessische Verbandschef Hocke löst den aus Altersgründen freiwillig ausscheidenden Alfred Sengle als Experte für Rechts- und Satzungsfragen ab; Bayer Leverkusens Geschäftsführer Holzhäuser erhielt den neu geschaffenen Posten des sechsten DFB-Vizepräsidenten, der einem DFL-Vertreter vorbehalten ist. Damit haben die Profis künftig eine Sperrminorität im DFB-Präsidium.

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