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DFB-Doppelspitze muss sich beweisen - Tiefe Gräben

Theo Zwanziger suchte nach seinem Wahlsieg zwar immer wieder die Umarmung mit seinem Kompagnon Gerhard Mayer-Vorfelder - doch für die Geste des Tages sorgte beim Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes in Osnabrück Wilfried Straub.

dpa OSNABRÜCK. Theo Zwanziger suchte nach seinem Wahlsieg zwar immer wieder die Umarmung mit seinem Kompagnon Gerhard Mayer-Vorfelder - doch für die Geste des Tages sorgte beim Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes in Osnabrück Wilfried Straub.

Der vom DFL-Geschäftsführer unter Tränen verkündete Verzicht auf eine Schatzmeister-Kandidatur legte offen, wie tief die Gräben zwischen Profis und Amateuren geworden sind. Und er verdeutlichte auch, wie brüchig der in der Friedensstadt mit der Wahl der Doppelspitze und dem Abschluss des Grundlagenvertrages geschlossene Burgfrieden wirklich ist.

"Die WM 2006 wirkt wie ein großer Mantel, der alles bedeckt. Da passt selbst Calmund drunter", gab Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge ein treffendes Stimmungsbild von der deutschen Fußball-Führung ab. Daran änderte auch das eindeutige Votum der von ihren Spitzen auf Kurs gebrachten Delegierten in den Personalfragen nichts. Der neue starke Mann Zwanziger (59) vereinte mit 248 Ja-Stimmen fast alle der 253 Stimmberechtigten. Nur zehn Delegierte verweigerten dem 71-jährigen Mayer-Vorfelder die Zustimmung für eine auf zwei Jahre beschränkte und definitiv letzte Amtsperiode. Dies garantiert allein schon die jetzt beschlossene Altersbegrenzung, wonach man ab 70 Jahren nicht mehr in führende DFB-Gremien gewählt werden darf.

Ob die Doppelspitze funktioniert, muss sich erst noch zeigen. Zweifler gab es schon in Osnabrück, und deshalb forderte der ob des WM-Gelingens besorgte Franz Beckenbauer noch an Ort und Stelle, dass die wochenlangen Diskussionen sofort beendet und umgehend klare Verhältnisse geschaffen werden. "Bei der Doppelspitze muss man die Aufgaben jetzt ganz klar verteilen, bevor es zu Irritationen führen könnte, wer für was zuständig ist. Das muss ganz klar abgestimmt werden", meinte Beckenbauer: "Sonst kriegen wir Probleme."

Erste Differenzen traten beim neuen Führungsduo schon in der Beurteilung des Kongresses auf. Während der vom Wahlausgang beseelte Zwanziger befand, "dass alles Gerede vom Amateur- und Profipräsident Blödsinn ist", nannte Mayer-Vorfelder die Interessenkonflikte beim Namen: "Es wird viel zu viel in Lagern gedacht."

Als persönlichen Vertrauensbeweis durfte und wollte Mayer-Vorfelder den Wahlausgang angesichts des vorangegangenen Putschs nicht werten. Den durch die Vorsitzenden der Landesverbände nach der EM in Portugal eingeleiteten Sturz hat Mayer-Vorfelder weder verdaut noch vergessen, seinen Widersachern warf er in einer ausufernden Grundsatzrede Hinterlist und Feigheit vor. Dies habe ihn "menschlich sehr enttäuscht", wetterte er: "Ich liebe die offene Feldschlacht."

Die hat der ob seines autoritären Führungsstils in die Kritik geratene Mayer-Vorfelder längst verloren und bei der Schatzmeister-Besetzung obendrein auch die erste Kraftprobe mit seinem neuen Mitbestimmer. Der bisherige Amtsinhaber Zwanziger hatte die Wahl seines Nachfolgers zur Frage der Herkunft erklärt und die Basis auf den bayrischen Verbandschef Heinrich Schmidhuber eingeschworen.

Gegen diese Mauer hatte Mayer-Vorfelders langjähriger Freund Straub keine Chance. Weder seine unbestrittene fachliche Kompetenz noch seine früheren Verdienste - vor dem Wechsel zur DFL vor dreieinhalb Jahren arbeitete er 33 Jahre lang für den DFB - mochten an seiner ausweglosen Situation angesichts der Stimmverteilung etwas ändern. Deshalb zog der "Mann des Ausgleichs", wie Straub sich bezeichnete, von sich aus die Konsequenz. Sichtlich bewegt kritisierte er "Proporz und Lagerdenken" und prangerte vor allem jene an, "mit denen ich jahrelang zusammengearbeitet habe und die nun Unwahrheiten über mich verbreiten".

"Er hat vielen aus einem inneren Konflikt geholfen", würdigte Mayer-Vorfelder den Schritt von Straub. So blieb die offene Konfrontation zwischen Profis und Amateuren auch in dieser Frage aus, nachdem im Vorfeld bereits alle strittigen Sachthemen wie Ausländer-Regelung, Neuordnung der Regionalliga oder Reform des DFB-Pokals von der Tagesordnung genommen und in eine Kommission umgeleitet worden waren.

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