DFB: Keine Hinweise auf Hooligans
Völler bangt um Ballack

Oliver Kahn und Carsten Ramelow sind für den EM- Gipfel gegen Schottland bereit, doch ausgerechnet Leitfigur Michael Ballack entwickelte sich 24 Stunden vor dem Anpfiff zum großen Sorgenkind der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

HB/dpa GLASGOW. Wegen einer Verhärtung in der Wade nahm der Mittelfeldstar des FC Bayern auch am Abschlusstraining für das vorentscheidende EM-Qualifikationsspiel am Samstag (16.00 Uhr/ARD) im Hampden Park nicht teil, gab sich stattdessen rund um die Uhr in medizinische Behandlung. "Wir werden erst kurz vor Spielbeginn entscheiden können, ob es geht", sagte Teamchef Rudi Völler am Freitag.

Der drohende Ausfall von Ballack, der seit dem vergangenen November wegen diverser Verletzungen kein einziges Länderspiel bestritt und bereits den zweiten Tag pausieren musste, drückte merklich auf die Stimmung des Teamchefs. Doch der 43-Jährige klammerte sich an die Hoffnung, dass sein wichtigster Spieler bei der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr wegen ähnlicher Symptome zwar ebenfalls Trainingspausen einlegen musste, aber im WM-Achtelfinale gegen Paraguay trotzdem eingesetzt werden konnte. Auch in den folgenden K.o.-Spielen gegen die USA und Südkorea hatte Ballack den Beschwerden getrotzt und sogar die entscheidenden Tore erzielt.

"Wir hoffen alle, dass es noch bis zum Samstag hinhaut. Es wäre schade und bitter, geradezu makaber, wenn er ausfallen würde", sagte Völler, der "Plan B" aber nicht verraten wollte. Sollte Ballack passen müssen, wäre Paul Freier die offensive und Sebastian Kehl die defensive Alternative. Weniger Aufhebens machte Jens Jeremies um die Personalie. "Natürlich ist Michael ein sehr wichtiger Spieler. Aber wenn er nicht spielen sollte, darf das auch keine Ausrede für eine Niederlage sein", meinte der Münchner: "Namen zählen nicht, wir spielen elf gegen elf."

Dabei kann Völler immerhin auf Kahn und Ramelow zählen. Der Münchner Kapitän, der zuletzt wegen einer Augenreizung behandelt wurde, gab dem Teamchef ebenso "Grünes Licht" wie der Leverkusener Abwehrchef, dessen Entzündung an beiden Achillessehnen abgeklungen ist. Dagegen steht der Bremer Abwehrspieler Frank Baumann, der wegen einer Innenbanddehnung im Knie keine einzige Trainingseinheit mitmachte, wohl frühestens am Mittwoch gegen die Färöer zur Verfügung.

Vor rund 100 Vertretern der internationalen Presse trat Völler praktisch zeitgleich mit dem eine Autostunde entfernten schottischen Nationalcoach Berti Vogts letztmals vor die Öffentlichkeit. Und natürlich dokumentierte der Teamchef nach außen Zuversicht. "Trotz der Verletzungsprobleme bin ich sehr optimistisch", sagte er und pries die äußeren Umstände im ländlich gelegenen "Crutherland House", wo schon Bayer Leverkusen vor gut einem Jahr vor dem verlorenen Champions League-Finale Quartier bezogen hatte: "Wir haben tolle Bedingungen und leiden hier auch nicht mehr unter der Hitze wie in Deutschland."

Mit einem Videostudium von den eindrucksvollsten Szenen der Schotten aus den letzten Spielen stimmte Völler sein Personal auf das Duell im mit 52 000 Zuschauer ausverkauften "Hexenkessel" Hampden Park ein. Beeindruckt waren die deutschen Spieler vor allem von der Leidenschaft, mit der die "Bravehearts" zu Werke gehen. "Die gehen raus und geben von der ersten Minute an Vollgas. Darin liegt eine Gefahr", berichtete Stürmer Fredi Bobic, der während eines halbjährigen Gastspiels bei den Bolton Wanderers reichlich Insel- Erfahrung gesammelt hat: "Ich weiß, wie ich in die Luftkämpfe gehen muss: Erst die Schulter oder den Ellbogen ausfahren, dann den Kopf benutzen."

"Das wird ein sehr emotionales Spiel", prophezeite auch Jeremies, der aber den Eindruck hinterließ, als fiebere er dem Kräftemessen förmlich entgegen: "Das sind Kindheitsträume, die sich erfüllen. Denn in britischen Stadien herrscht eine faszinierende Kulisse." Die von englischen Boulevardzeitungen verbreiteten Befürchtungen, dass rund 600 deutsche Hooligans den sportlichen Gipfel zum Anlass für Auseinandersetzungen nehmen könnten, wurden vom Deutschen Fußball- Bund (DFB) zurückgewiesen. "Das ist Blödsinn. Wir haben keinerlei derartigen Hinweise", sagte der DFB-Sicherheitsbeauftragte Alfred Sengle. Insgesamt werden rund 6500 deutsche Fans in Glasgow erwartet.

"Die Punkte, die man gegen den unmittelbaren Konkurrenten einfährt, zählen etwas mehr", beschrieb Völler die Ausgangslage. Mit einem Unentschieden in Glasgow und einem Sieg auf den Färöer würde das deutsche Team auf jeden Fall als Tabellenführer der Gruppe fünf in die Sommerpause gehen. Deshalb erneuerte Völler seine Zielsetzung für das Wiedersehen mit seinem ehemaligen Trainer Vogts: Nur nicht verlieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%