DFB-Pokal
Emanzipation von der Vergangenheit

Trainer Felix Magath trifft heute im DFB-Pokal mit dem FC Bayern auf seinen ehemaligen Klub VfB Stuttgart. Es geht um viel: Neben dem Duell der Trainer rückt das der Torhüter in den Mittelpunkt.

MÜNCHEN. Am Dienstagmorgen blieb der erste Schnee liegen in München, was manche Bewohner schwer bedauern, weil es das lang bekämpfte Ende der Biergartensaison besiegelt. Im Stadtteil Harlaching, genauer an der Säbener Straße, weiß man indes die Vorzüge jener Jahreszeit zu schätzen. In der Vergangenheit legten die Bayern in dieser Zeit häufig den Grundstein zu diversen Titeln. Als der ehemalige Trainer Ottmar Hitzfeld der "Sport-Bild" kürzlich in einem Anflug von ungekannter Martialmetaphorik davon berichtete, man habe sich zu seiner Zeit beim FC Bayern "zu Tode gesiegt", dachte er vermutlich auch an jene Endjahresrallyes, die den Bayern so oft ein beruhigendes Weihnachtsfest bescherten.

Von vergleichbarer Konstanz sind die Bayern der noch jungen Felix-Magath-Ära weit entfernt, bislang war sie nur in den beharrlichen Beschwörungen zu finden, man werde nun eine Serie starten. Auch vor dem brisanten DFB-Pokal-Achtelfinale gegen den VfB Stuttgart am Mittwochabend (20.30 Uhr, live im ZDF) waren solche Töne aus dem Münchner Lager zu vernehmen - ungeachtet der trüben Wirklichkeit, in der die längste Triumphfolge der Saison gerade zwei Siege umfasst.

Jedes Mal, wenn es so aussah, als könnten die Bayern ihrer eigenen Launenhaftigkeit Herr werden, folgte zuletzt mit solch hoher Wahrscheinlichkeit ein Rückschlag, dass ein Tipp darauf im Wettbüro als konservative Geldanlage einzustufen war. Die Leistungskurve der Bayern 04/05 sieht aus, als folge sie den Bewegungen eines Jojos: mal hoch, und dann gleich wieder runter. "Wir müssen endlich Konstanz in unsere Leistungen bringen", fleht Kapitän Oliver Kahn seit Wochen ungehört, und sollte sich daran gegen den VfB nichts ändern, könnte es erstmals richtig ungemütlich werden für Felix Magath. Der Abschied von Titeln wird in München sehr widerwillig zur Kenntnis genommen, die K.o.-Partie ist folglich das erste Endspiel der Saison - und darüber hinaus ein Sammelsurium interessanter Individualduelle.

Es geht um viel: Ließ sich der Münchner Saisonstart bislang so eben noch als schwer vermeidliches Abfallprodukt des sommerlichen Paradigmenwechsels entschuldigen, wäre dies bei einem Ausscheiden sicher nicht mehr der Fall. Ein Weiterkommen dagegen wäre ein doppelter Schritt nach vorn - neben dem sportlichen Wert wäre es für Felix Magath so etwas wie die Emanzipation von der eigenen Vergangenheit. Bislang steht er mit seinen Bayern eindeutig im Schatten seines ehemaligen Arbeitgebers samt Nachfolger Matthias Sammer.

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