DFB stand bei Bayer in der Schuld
Kohler wird Sportdirektor in Leverkusen

Der Vollzug kam schneller als erwartet: Fußball-Weltmeister Jürgen Kohler wird von Montag an Sportdirektor beim abstiegsbedrohten Bundesligisten Bayer Leverkusen. Der ehemalige Nationalspieler und jetzige Nachwuchs-Trainer des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erhält einen Fünf-Jahres-Vertrag. "Ich freue mich auf meine neue Aufgabe. Der Verein ist erstklassig geführt, die Mannschaft hat ein großes Entwicklungspotenzial", sagte Kohler.

HB/dpa HERZOGENAURACH/LEVERKUSEN. Bayer-Manager Reiner Calmund kommentierte das Blitz-Geschäft mit Genugtuung: "Mit der Verpflichtung von Jürgen Kohler ist es uns gelungen, eine langfristige Lösung zu finden, um in der sportlichen Entwicklung von Bayer 04 Kontinuität sicher zu stellen." Calmund-Kollege Wolfgang Holzhäuser meinte: "Kohler verkörpert genau das, was wir wollen. Wir haben junge Spieler mit viel Entwicklungspotenzial und wollen eine neue Mannschaft aufbauen. Da ist er genau der Richtige." Der gebürtige Pfälzer Kohler war seit dem 1. Juli 2002 für die U 21-Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verantwortlich und hatte einen Kontrakt bis 2007, der aber vorzeitig gelöst wird. Bei der Nachfolge-Lösung will der DFB nichts überstürzen.

"Wir sind an Jürgen Kohler interessiert, es gab Gespräche mit ihm und DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder", hielt Calmund am Mittwochmittag die Verpflichtung noch zurück. Doch schon zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich ab, dass der Wechsel Kohlers vom DFB unter das Bayer-Kreuz sehr schnell vonstatten gehen würde. Was aus diesen Gesprächen werde, "wird man in den nächsten Stunden oder Tagen sehen", deutete DFB-Sprecher Harald Stenger beim Nationalmannschafts- Trainingslager in Herzogenaurach eine rasche Entscheidung an.

Der 37-jährige Kohler weilte zu diesem Zeitpunkt in Fürth, war aber über alles informiert und erhielt von seinem ehemaligen Mitspieler Rudi Völler eine Steilvorlage. "Ich habe mit Jürgen gesprochen. Er wird schnell eine Entscheidung fällen", hatte der DFB - Teamchef in Herzogenaurach gesagt. Völler, der mit Kohler 1990 zusammen Weltmeister wurde, war bei Bayer zuvor der letzte Sportdirektor und überzeugt, "dass der DFB Kohler keine Steine in den Weg legen wird". Mayer-Vorfelder stellte dem Pfälzer die Entscheidung frei. "Ich habe auch deshalb nicht auf Einhaltung des Vertrags bestanden, weil Bayer uns bei der Verpflichtung von Rudi Völler sehr entgegen gekommen ist", sagte der DFB-Präsident.

Der DFB stand bei den Rheinländern in einer gewissen Schuld: Als Christoph Daum 2000 nicht Bundestrainer werden durfte, "verlieh" Bayer seinen Sportdirektor Völler an den Dachverband. Deshalb lag die Vermutung nahe, dass Bayer noch vor dem nächsten Bundesligaspiel am 5. April gegen Hertha BSC Berlin einen neuen Verantwortlichen haben würde. "Wenn er das macht, freut es mich für Jürgen, weil es eine reizvolle Aufgabe ist", machte Völler seinem potenziellen Nachfolger Mut, das Wagnis trotz drohenden Abstiegs einzugehen.

Calmund untermauerte zum wiederholten Mal, dass die Verpflichtung eines Sportdirektors nichts mit einer Entmachtung des Trainers zu tun habe: "An der Position von Thomas Hörster ändert das nichts." Neu in den Trainerstab bei Bayer rückt zur Saison 2003/2004 Ex- Nationalspieler Ulf Kirsten, der ebenfalls als Sportdirektor im Gespräch war.

Kohler bringt viel Erfahrung mit. Weltmeister 1990, Europameister 1996, Champions-League-Gewinner 1997 mit Borussia Dortmund, UEFA-Cup - Sieger 1993 mit Juventus Turin, deutscher Meister 1990 mit Bayern München und zwei Mal mit dem BVB (1996/2002), Champion in Italien mit Turin (1995), Fußballer des Jahres 1997, 105 Länderspiele - "Jürgen hat schon in den ersten Monaten beim DFB gezeigt, was in ihm steckt", lobte Völler. "Und was er erreichen kann", ergänzte der DFB-Teamchef.

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