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DFB-Team Erster Klasse zur Asien-Tortur

30 Flugstunden, drei Länder, zwei Mal Zeitumstellung und dazu noch extreme Klimawechsel: Der Asientrip wird für die deutschen Nationalspieler zur Tortur - und trotzdem will Jürgen Klinsmann keine Klagen mehr hören.

dpa FRANKFURT. 30 Flugstunden, drei Länder, zwei Mal Zeitumstellung und dazu noch extreme Klimawechsel: Der Asientrip wird für die deutschen Nationalspieler zur Tortur - und trotzdem will Jürgen Klinsmann keine Klagen mehr hören.

"Wir freuen uns sehr auf diese Reise. Sie ist ein weiterer Lernbaustein auf dem Weg zur Weltmeisterschaft", entgegnete der Bundestrainer beim Abflug zur Testspiel-Reise nach Japan, Südkorea und Thailand allen Kritikern. Abgesehen von den 270 Länderspiel-Minuten in Yokohama, Busan und Bangkok ("Da wollen wir Gas geben") möchte der Bundestrainer den strapaziösen Zehn-Tage-Trip nach Fernost mit "viel Freizeit und Weihnachts-Shopping" so angenehm wie möglich gestalten.

Dies bekam die 17-köpfige Reisegruppe nach einem Waldlauf am Morgen schon auf dem anschließenden Elf-Stunden-Flug zur ersten Station Tokio zu spüren. Während sich Michael Ballack & Co. in der für die Spieler reservierten ersten Klasse des Lufthansa-Jumbos ausbreiten konnten, begnügten sich Klinsmann und Team-Manager Oliver Bierhoff mit Plätzen in der Business Class. An Bord fehlte neben den Stuttgartern Timo Hildebrand, Kevin Kuranyi, Andreas Hinkel und Philipp Lahm, die erst nach ihrem Uefa-Cup-Spiel mit dem VfB gegen Dinamo Zagreb zum zweiten Testspiel in Südkorea nachreisen werden, auch der Schalker Christian Pander. Eine Kernspin-Untersuchung bei dem Debütanten ergab, dass ein leichter Bandscheibenvorfall Ursache für seine Muskelprobleme ist.

"Regeneration steht im Vordergrund. Wir werden wenig auf dem Platz trainieren, weil die Spieler unter einem hohen Rhythmus standen in den letzten Monaten. Wir werden mehr Training im Fitness-Raum der Hotels machen", beschrieb Klinsmann das Programm für die Tage bis zur Länderspiel-Premiere gegen Japan im WM-Stadion von Yokohama und den anschließenden Partien gegen Südkorea sowie Thailand 48 Stunden später. Der Bundestrainer gab sich alle Mühe, die späte Goodwill-Tour für Asiens Stimmen bei Deutschlands erfolgreicher Bewerbung um die WM 2006 als Chance und nicht als Last für sein urlaubsreifes Personal darzustellen.

Der bis zum Japan-Spiel nicht auszugleichende Jet-Lag durch acht Stunden Zeitverschiebung gilt dabei für Klinsmann ("Da muss man durch") ebenso wenig als Ausrede wie die Unerfahrenheit des Kaders. In dem stehen auch nach dem Ausfall von Pander mit Patrick Owomoyela, Marco Engelhardt, Christian Schulz und Aushilfs-Torhüter Simon Jentzsch immer noch vier Debütanten. "Diese Spieler sind hochmotiviert. Sie wittern die Chance, auf den WM-Zug aufzuspringen. Wer in Asien dabei ist, hat die Chance, sich einen Vorteil zu erspielen", meinte Klinsmann, der betonte, dass außer Torhüter Jentzsch alle Spieler mindestens einmal zum Einsatz kommen sollen.

Der 40-Jährige will auf der längsten Dienstreise seiner fünfmonatigen Amtszeit die Spieler noch besser kennen lernen, das Wir-Gefühl der WM-Hoffnungsträger stärken und seinen Erneuerungskurs konsequent vorantreiben. So stößt in Yokohama erneut einer der US-Fitnesstrainer zum Team, die der DFB-Auswahl schon vor dem Brasilien- Länderspiel im September in Berlin Beine gemacht hatten. Erstmals dabei ist der Sportpsychologe Hans-Dieter Hermann. "Er wird sich in den Medizinerstab einarbeiten und Schritt für Schritt ein paar Dinge erkunden. In anderen Sportarten ist der Einsatz von Psychologen seit 'zig Jahren normal. Im Fußball ist ihre Einbindung überfällig", meinte Klinsmann.

Ob Hermann positive Erlebnisse umsetzen darf oder als Seelentröster für die in der Klinsmann-Ära noch ungeschlagenen Nationalspieler fungieren muss, bleibt abzuwarten. Zuspruch hatte vor allem Stammkeeper Oliver Kahn nach seinem Fangfehler beim 2:2 gegen den VfB Stuttgart nötig. Der 35-Jährige stapfte wortlos zur Abreise, bekannte sich via "Bild"-Zeitung aber zu seinem "Fehler" und entgegnete auf die von Franz Beckenbauer initiierte Alters-Diskussion diese Worte: "Was hat das Alter damit zu tun, dass mir der Ball wegspringt? Wenn ich an die Schüsse nicht mehr rankommen würde, okay, aber ich fliege ihnen ja nicht hinterher."

Zumindest die Rückendeckung von Klinsmann ("Er ist ein Weltklasse-Torhüter") ist dem von einer Kapselverletzung am Ringfinger gehandicapten Kahn sicher. Ebenso sein Einsatz an der WM-Endspielstätte von 2002, wo er nach einem grandiosen Turnier die 0:2-Niederlage gegen Brasilien mit einem Fehler eingleitet hatte. "Es wird nicht einfach, ein Erfolgserlebnis aus Japan mitzunehmen. Die sind nicht umsonst Asienmeister", warnt Klinsmann vor der Spielstärke des vom brasilianischen Weltstar Zico trainierten Auftakt-Gegners, den er ausführlich auf Video studiert hat: "Hoffentlich geht es gut."

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