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DFB als große Baustelle

Mit dem Reformtempo von Jürgen Klinsmann kommt der von einer Führungskrise gezeichnete Deutsche Fußball-Bund (DFB) kaum noch mit.

dpa FRANKFURT/MAIN. Mit dem Reformtempo von Jürgen Klinsmann kommt der von einer Führungskrise gezeichnete Deutsche Fußball-Bund (DFB) kaum noch mit.

Zwar versucht der Verband, mit dem schnellen Aufbau einer eigenen "Abteilung" Nationalmannschaft auf die Erneuerungs-Vorstellungen zu reagieren, doch vor allem durch das Zögern des designierten Organisationschefs Flavio Battisti ist der Umbruch in der DFB-Zentrale ins Stocken geraten. Zudem sorgt die rigorose Personalpolitik von Klinsmann für Verunsicherung im Hauptquartier des DFB. Denn Richtung weisende Entscheidungen scheinen derzeit nicht die Führungsträger des größten Sportfachverbandes der Welt zu treffen, sondern allein der Trainer-Neuling und DFB - Angestellte Klinsmann.

Ohnehin gleicht der Verband vor dem Kongress am 23./24. Oktober in Osnabrück, wo die bereits eingeleitete Entmachtung von Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder durch die Installierung einer umstrittenen "Doppelspitze" vollzogen werden soll, einer Baustelle. Offen ist weiter die Zukunft von Direktor Bernd Pfaff und Jugend-Koordinator Michael Skibbe, für die Klinsmann im Umfeld der Nationalmannschaft keine Verwendung mehr sieht. Beide stehen noch für jeweils knapp zwei Jahre unter Vertrag beim DFB.

Generalsekretär Horst R. Schmidt möchte sie in anderen Bereichen unterbringen. Man habe für Pfaff und Skibbe "ein angemessenes Arbeitsgebiet entwickelt", berichtete Schmidt. Ob die beiden Angestellten dies ebenso sehen, darf vor allem im Fall Pfaff bezweifelt werden. Der 63-Jährige, seit 44 Jahren in Diensten des DFB und zwölf Jahre lang für die Organisation der Nationalmannschaft verantwortlich, möchte sich zu seiner Ausbootung nicht äußern: "Ich muss das so zur Kenntnis nehmen, will es aber nicht kommentieren."

Schmidt deutete bereits an, dass die Umbaumaßnahmen im Umfeld der Nationalelf "noch nicht zum Abschluss gekommen sind". So könnten noch andere wie Pfaff und Skibbe der Aufräumaktion zum Opfer fallen. Das Ziel von Klinsmann ist offenkundig, einen Stab aufzubauen, der sich befreit von Altlasten und von übrigen Verbandspflichten voll auf die Nationalmannschaft und das verkündete "Projekt 2006" konzentrieren kann. Man wolle einen "ganz engen Kreis" ziehen, betonte der neue Teammanager Oliver Bierhoff. Dafür hat sich Klinsmann bei seinen Vertragsverhandlungen offensichtlich freie Hand zusichern lassen.

Klinsmanns Reformtempo überrollt teilweise sogar seine Vertrauten. So machte der bisher nebenberuflich tätige Teambetreuer Battisti, den der neue Bundestrainer schon als Pfaff-Nachfolger verkündet hatte, zunächst einen Rückzieher. Der 62-Jährige reiste nicht mit der Nationalmannschaft zum Länderspiel nach Österreich, sondern laut Klinsmann nach Italien in den Urlaub. Dort will er noch einmal eingehend über die Offerte nachdenken, die für ihn weit reichende Konsequenzen hätte. Denn Battisti müsste seinen sicheren Posten im Aufsichtsrat eines Pharmakonzerns aufgeben für das möglicherweise schon in 22 Monaten wieder beendete Gastspiel im neuen "Nationalmannschafts-Büro" des DFB.

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