DFG entscheidet erst im Juli über öffentliche Förderung von Projekten
Bulmahn bremst Forschung mit Embryo-Stammzellen

Die Entscheidung über die erste öffentliche Förderung eines Forschungsprojektes mit embryonalen Stammzellen ist in den Sommer vertagt: Das Bundesforschungsministerium, die Grünen, die CDU und die Kirchen machen Front gegen entsprechende Pläne der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

ink BERLIN. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat auf Drängen des Bundesforschungsministeriums und einiger Ländervertreter eine Entscheidung über die Förderung von Forschungsarbeiten an embryonalen Stammzellen in Deutschland auf Juli vertagt. Gleichzeitig wurde in der DFG-Führung jedoch betont, dass der neu geschaffene "Nationale Ethikrat" kein Mitentscheidungsrecht in dieser Frage habe. Der zuständige Hauptausschuss der DFG wird nun erst während der Jahresversammlung der von Bund und Ländern finanzierten Wissenschaftsorganisation über den Antrag des Bonner Wissenschaftlers Oliver Brüstle entscheiden, der an importierten embryonalen Stammzellen forschen möchte.

Zuvor hatte es erhebliche Kritik an den neuen DFG-Empfehlungen gegeben, in denen der Einstieg in die Stammzellenforschung mit Embryonen auch in Deutschland befürwortet wird. "Mit Zurückhaltung" reagierte etwa Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn. "Es kann nicht sein, dass jetzt im "Hau-Ruck-Verfahren" neue Weichen gestellt werden, die die bislang gesetzten ethischen Grenzen überschreiten", erklärte sie. Die Grünen lehnten eine Aufweichung des Embryonenschutzgesetzes ab. Und die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Maria Böhmer, sagte, der DFG-Vorschlag sehe letztlich eine verbrauchende Embryonenforschung vor, die ethisch nicht vertretbar sei. Kritik äußerten auch die Kirchen. Dagegen befürwortete die FDP auf ihrem Parteitag den Einstieg in die Forschung mit befruchteten Eizellen auch in Deutschland.

Die DFG hatte sich in ihren Empfehlungen dafür ausgesprochen, künftig in einem stufenweisen Verfahren in die Forschung mit Embryonen einzusteigen. Zunächst sollten dafür Stammzellen importiert werden, die aus "überzähligen" Embryonen aus der künstlichen Befruchtung stammen. Dieser Import ist nach Auffassung der DFG rechtlich durch das Embryonenschutzgesetz abgesichert. Um nicht von kommerziellen Anbietern abhängig zu sein, sollte deutschen Forschern später aber erlaubt werden, am Aufbau neuer Zelllinien mitzuarbeiten. Überwachen solle dies ein unabhängiges Gremium. Die Herstellung von Embryonen ausschließlich zu Forschungszwecken sowie das therapeutische Klonen lehnt die DFG ab.

Bulmahn möchte Ethikrat einschalten

Auffallend an der Kritik ist, dass sie sich vor allem auf den vorgeschlagenen Aufbau neuer Zelllinien konzentriert, nicht aber auf die Arbeit mit importierten Embryonen. Auch im Bundesforschungsministerium betont man zwar weiter, dass die Forschung mit so genannten adulten Zellen Vorrang habe. Aber wie bei DFG-Präsident Winnacker scheint sich im Forschungsministerium die Meinung durchzusetzen, dass man deutsche Forscher nicht völlig von der Arbeit mit befruchteten Eizellen abkoppeln dürfe.

Angesichts der politischen und ethischen Brisanz möchte Bulmahn jedoch den neugegründeten "Nationalen Ethikrat" einschalten, bevor erstmals Steuergelder in den umstrittenen Forschungszweig fließen. Dieser Plan hat wenig Aussicht auf Erfolg: Zum einen tritt der Ethikrat wohl erst nach der Sommerpause erstmals zusammen. Zum anderen pocht die DFG-Führung darauf, in ihrer Förderentscheidung autonom zu sein und keine Rücksicht auf ein Votum des von Bundeskanzler Schröder initiierten Nationalen Ethikrat nehmen zu müssen.

Die DFG als öffentliche Einrichtung erhält zwar ihr Geld von Bund und Ländern. Faktisch würde es der Bundesministerin Bulmahn jedoch schwer fallen, der Forschungsgemeinschaft die Förderung des Brüstle-Projekts zu untersagen. Denn ein Großteil der Bundesmittel fließt als institutionelle und nicht als projektbezogene Förderung an die DFG.

Zurückhaltend reagierte die Deutsche Industrievereinigung Biotechnologie (DIB) auf die DFG-Empfehlungen. "Die direkte wirtschaftliche Bedeutung der Stammzellenforschung ist noch gering", sagte DIB-Geschäftsführer Jens Katzek gegenüber dem Handelsblatt. Bei dem brisanten Thema sollte keine Entscheidung über?s Knie gebrochen werden. Er sprach sich aber nicht grundsätzlich gegen eine Forschung mit embryonalen Stammzellen in Deutschland aus, wenn dafür strenge Auflagen gelten. Wie in Großbritannien müsse etwa festgeschrieben werden, dass an Zellen nur bis zum 14. Tag nach deren Befruchtung geforscht werden dürfe. Dies fordert auch die FDP.

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