DFL favorisiert offenbar Geldbuße für FC Bayern
Warten auf die brisante Post aus München

Spannender als die Spiele des FC Bayern ist derzeit die Frage, ob der Rekordmeister für den aufgeflogenen Kirch-Vertrag bestraft wird oder nicht. Ein Punktabzug gilt allerdings nach wie vor als ausgeschlossen.

MÜNCHEN. Bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) in Frankfurt erwartet man heute Post aus München. Es wird womöglich brisante Post sein. Denn noch weiß niemand, welche Antworten der souveräne Bundesliga-Tabellenführer und Pokalfinalist Bayern München auf den Fragenkatalog der DFL zum verschwiegenen Millionen-Vertrag mit der Kirch-Gruppe gefunden hat. Bayerns-Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge ließ jedenfalls verlauten, die Fragen seien "offen und aktiv" beantwortet worden. Klingt geständig.

Die DFL-Geschäftsführung um Wilfried Straub wird die Antworten der Bayern-Bosse ganz genau studieren, denn als Kavaliersdelikt, bei dem man schnell wieder zur Tagesordnung übergehen kann, wird der Deal des Rekordmeisters mit dem insolventen Kirch-Konzern nicht eingeschätzt, da er die wichtigste Geschäftsgrundlage der DFL berührt: die Zentralvermarktung für alle deutschen Profiklubs. Bayern München hatte dieses eherne Gesetz der Liga ignoriert, indem der Klub 1999 hinter dem Rücken der DFL und der anderen Vereine einen Vertrag über Vermarktungsrechte geschlossen und bis 2002 rund 21,5 Millionen Euro von der Kirch-Gruppe kassiert hatte.

An einer Bestrafung der Münchner für die Nicht-Offenlegung des Kirch-Vertrages wird die DFL wohl nicht herumkommen. Beim Ligaverband wird nach Handelsblatt-Informationen bislang eine saftige Geldbuße für den Renommierklub von der Isar favorisiert. Im Laufe der nächsten Woche dürfte mit einer Entscheidung der DFL in Sachen Bayern zu rechnen sein.

Das Lizenzstatut der Liga sieht für Verfehlungen der Klubs auch Punktabzug vor. Dass eine solche Bestrafung im Falle von Bayern München von der DFL in Erwägung gezogen wird, damit dürfte nicht zu rechnen sein. Nicht wenige Finanzexperten gehen nämlich davon aus, dass juristisch den Münchner nicht beizukommen sein wird.

"Die Zentralvermarktung der Liga wird nicht jeden Bereich umfassen, so dass die Klubs überhaupt keine Möglichkeit mehr hätten, eigenständig Geschäfte abzuschließen", gibt Gert Wagner, Direktor am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin und Sportökonomie-Experte, zu bedenken. Eines steht für ihn aber fest: Die moralischen Spielregeln der Liga hat Bayern mit seinen Deal verletzt. "Die besagen, dass durch Umverteilung der Fernsehgelder die kleinen Vereine so spielstark gemacht werden, dass die Liga insgesamt spannend bleibt. Und zum Sport gehört, dass man sich an die Spielregeln hält", sagt Wagner.

Auch Thomas Dörflinger, Finanz- und Sportexperte bei der Landesbank Baden-Württemberg in Stuttgart, hat ob des Bayern-Kirch-Deals seine moralische Bedenken. Er hält die derzeitige "Bestrafungsdiskussion" aber für weit überzogen. Für die Bundesliga wäre es seiner Ansicht nach viel schlimmer gewesen, wenn der FC Bayern aus der Zentralvermarktung ausgebrochen wäre. "In einem solchen Fall hätten die TV-Rechte nicht so teuer verkauft werden können", meint Dörflinger.

Sein Kollege Ingo Süßmilch von der Düsseldorfer WGZ-Bank stößt ins gleiche Horn. Eine Strafe für die Bayern käme für ihn nicht in Frage, da kein direkter Regelverstoß der Münchener zu erkennen sei. Süßmilch stellt fest: "Die Bayern haben ja bei der Lizenzvergabe der DFL keine Einnahmen angegeben, die sie nicht hatten."

Dennoch bleiben Fragen offen. Der Postbote wird daher heute bei der DFL in Frankfurt sehnsüchtig erwartet.

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